Continental/Schaeffler: Trügerische Ruhe durch doppelte Ablösung bei Continental

Continental/Schaeffler: Trügerische Ruhe durch doppelte Ablösung bei Continental

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Für die Entmachtung des Continental-Chefs Neumann kämpften Aufsichtsratchef Koerfer, Großaktionärin Schaeffler sowie Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger (von links)

von Reinhold Böhmer und Martin Seiwert

Im Kampf um Continental lenkt Schaeffler nun ein und will sich friedlich einigen. Zuvor hatte Schaeffler die Propagandamaschine angeworfen und sorgte für einen nie gesehenen Showdown. Der Zwist dürfte für Continental unangenehme Folgen haben.

Üblicherweise taugen Aufsichtsratssitzungen nicht als Vorlage für Telenovelas. Bei dem, was sich am vorvergangenen Donnerstag in der Continental-Zentrale in Hannover abspielte, war das jedoch anders.

Stundenlang fetzten sich die Teilnehmer der Runde schon vor dem offiziellen Sitzungsbeginn über die Absetzung von Vorstandschef Karl-Thomas Neumann, die der Continental-Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Koerfer ohne die übliche Ankündigung im Handstreich durchsetzen wollte. Neumann hatte Schaeffler in einem Brief, der an die Öffentlichkeit gelangte, zuvor scharf angegriffen. Nach rund acht Stunden musste Koerfer jedoch einsehen, dass die Continental-Arbeitnehmervertreter ihm die Gefolgschaft verweigerten. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit gegen Neumann kam nicht zustande.

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Koerfer will morgen einen zweiten Anlauf nehmen - es dürfte gleichzeitig sein letzter Akt bei Continental sein. Wie sich einen Tag vor der Sitzung abzeichnet, sind Koerfers Tage als Aufsichtsratsvorsitzender gezählt. Denn der Familienkonzern Schaeffler dürfte in der Kontroverse nun einlenken und neben Neumann auch Koerfer abberufen.

Showdown steht bevor

Damit zeichnet sich in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein Showdown ab, wie ihn Konzerne dieser Größe in Deutschland bisher kaum gesehen haben. Neumann wird nach nicht einmal einem Jahr aus dem Amt gedrängt. Dafür muss Schaeffler aber den engen Vertrauten Koerfer opfern. Dieser Doppelrücktritt dürfte auch die aufgebrachten Arbeitnehmer bei Continental beruhigen - denn immerhin muss dann auch ein Schaeffler-Mann seinen Hut nehmen.

Unklar bleibt, ob Neumann sofort abtritt oder erst nach einigen Monaten die Geschäfte an seinen designierten Nachfolger Elmar Degenhart übergibt. Mit dem Schaeffler-Manager Degenhart  erhält der kleinere Zulieferer aus dem  fränkischen Herzogenaurach den direkten Durchgriff auf das operative Geschäft des Konkurrenten in Hannover. Großaktionärin Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg sowie Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger könnten das Zusammengehen mit den Niedersachsen nach eigenem Gusto steuern – Zerschlagung von Continental und Verlagerung des Konzernsitzes nach Herzogenaurach nicht ausgeschlossen.

Eigentlich sollten bei dem Ex-Dax-Konzern Konflikte solchen Kalibers künftig nicht mehr vorkommen. Nachdem Schaeffler im vergangenen Jahr durch geschicktes Anschleichen die Mehrheit an Continental erlangt hatte, einigten sich nach heftigem Streit alle Beteiligten auf eine sogenannte Investorenvereinbarung. Die sollte Frieden zwischen den Niedersachsen und den Franken schaffen, indem Continental seine weitgehende Eigenständigkeit behalten und Schaeffler nicht gegen den Willen von Continental ins operative Geschäft in Hannover eingreifen sollte.

Der Nichtangriffspakt ist Makulatur

Doch der Nichtangriffspakt ist mit dem Plan, Neumann durch Degenhart zu ersetzen, Makulatur. Mehr noch: Es scheint. als fühle Schaeffler sich an den niedersächsischen Frieden von 2008 gar nicht mehr gebunden.

Die Investorenvereinbarung zum Schutz von Continental vor Schaeffler, so der Tenor im engsten Schaeffler-Umfeld, sei im Kern überholt. Ihr Sinn habe unter anderem darin bestanden, gegenüber den Banken zu versichern, dass es keine neue mehrheitliche Kontrolle über Continental durch den neuen Großaktionär Schaeffler geben werde. Diese Erklärung habe verhindern sollen, dass die Banken die Milliardenkredite für Continental für die Übernahme des Zulieferers VDO fällig stellen und Continental damit existenziell gefährden könnten. Doch diese Gefahr sei passé. „Wir sind längst an dem Punkt, dass eine Fusion von Continental mit Schaeffler aus Sicht beider Parteien gar nicht schnell genug gehen kann, um das neue Gebilde voranzubringen“, heißt es aus dem Umfeld des Herzogenauracher Zulieferers.

Seit Monaten fragen sich Banker allerdings, wie lange sie noch Zeuge eines der aufregendsten Dramen der deutschen Industriegeschichte sein werden. Denn ganz offenkundig zwingt das überschuldete Unternehmen Schaeffler einige Banken zum Stillhalten. Der Grund: Ein Ausfall der Milliardenkredite an Schaeffler für die Übernahme von Continental würde den Geldhäusern in der gegenwärtigen Finanzkrise bedrohliche Abschreibungen bescheren.

Für die Schaeffler-Truppe sind dies lediglich „reißerische Vermutungen“, die „nicht auf dem aktuellen Stand“ seien. Das fränkische Familienunternehmen mit seinen rund elf Milliarden Euro Bankenschulden stehe sogar „kurz davor“, mit den Banken eine Refinanzierung der Kredite abzuschließen. Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens habe sich „dramatisch verbessert“. Alle Welt werde erleben, dass bald für „die nächsten vier, fünf Jahre Ruhe an der Kreditfront“ einkehren werde. Genaue Zahlen und Belege gibt es dafür bisher nicht.

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