Continental: Wennemer-Nachfolge: Entscheidung mit Weitsicht

KommentarContinental: Wennemer-Nachfolge: Entscheidung mit Weitsicht

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner

Die Entscheidung des Continental-Aufsichtsrates über die Nachfolge von Konzernchef Manfred Wennemer zeugt von Weitsicht. Wer jetzt eine Zeitenwende bei Conti erwartet, könnte sich allerdings getäuscht sehen. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner.

Sicher, offiziell hätte sich der künftige Conti-Hausherr Schaeffler ohnehin noch gar nicht in die Nachfolge Wennemers einmischen können – mangels Sitzen im Aufsichtsrat, der erst im kommenden Jahr neu besetzt wird. Trotzdem zeigt die Wahl von Technikvorstand Karl-Thomas Neumann als Konzernchef, dass im Aufsichtsrat durchaus Rücksicht darauf genommen wurde, wer bei Conti künftig das letzte Wort hat.

Von der Papierform hätte Conti-Finanzvorstand Alan Hippe sicherlich keine schlechtere Figur abgegeben als jetzt Neumann. Beide dürfen für den Chefposten als geeignet gelten. Aber es war nun einmal Hippe, dem in der verlorenen Abwehrschlacht gegen Schaeffler die Rolle zukam, seinen Kollegen Wennemer bei der Verteidigung zu unterstützen und die Abwehrreihen zu formieren. Was hätte er auch sonst für eine Wahl gehabt? So ist Neumann im Conti-Vorstand derzeit der einzige Kandidat, der noch nicht mit der neuen Familiengesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler und Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger im Clinch lag.

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Die Entscheidung Hippe mit dem neugeschaffenen Posten des Vize-Konzernvorstandsvorsitzenden zu belohnen, war dennoch richtig. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Hippe Continental noch eine Weile die Treue hält, auch wenn jetzt bereits der ein oder andere Headhunter Hippes Nummer wählen dürfte. Und das könnte ein wichtiger Beitrag zur Stabilität von Continental sein. Genauso wie die Benennung eines externen Kandidaten der GAU gewesen wäre. Denn Wennemer übergibt seinen Nachfolgern zwar ein profitables und strategisch gut aufgestelltes Unternehmen, aber eben auch eines mit Milliardenschulden und einer großen Tochtergesellschaft, die noch nicht vollständig integriert ist.  

Neumann und Hippe sind beide in diesen Prozess eingebunden und haben deshalb auch eine reelle Chance, ihn erfolgreich zu Ende zu führen. Umgekehrt bedeutet das jedoch auch, dass diejenigen, die Wennemer keine Träne nachweinen und jetzt mit einer raschen Strategiekehrtwende rechnen, sich getäuscht sehen könnten. Den von Wennemer eingeleiteten Integrationskurs, zu dem auch Stellenstreichungen gehören, dürften auch seine Nachfolger kaum kippen, um Conti nicht zu gefährden. Die Profitabilität von Conti darf in absehbarer Zeit nicht unter das von Wennemer vorgegebene Renditeniveau sinken, sonst könnte das Unternehmen am Ende in ernsthaften Schwierigkeiten stecken und unter dem Schuldenberg ersticken. Und daran kann weder die Belegschaft, noch der neue Großaktionär Schaeffler ein Interesse haben.

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