Crazy America: Porno über den Wolken

Crazy America: Porno über den Wolken

Furcht vorm Sitznachbarn: Die US-Fluggesellschaften American Airlines und Delta Airlines sperren vorbeugend den Zugang auf Sex-Webseiten an Bord.

Seit kurzem bieten die amerikanischen Fluglinien American Airlines und Delta Airlines auf inneramerikanischen Strecken das Surfen im Internet an. Betreiber ist die amerikanische Telefongesellschaft Aircell, die in den USA ein Netz von Funkstationen errichtet hat, das den Luftraum abdeckt. An Bord reicht eine spezielle Basisstation, die das Internet via WLan weiterreicht, sowie drei Außenantennen.

Die Lufthansa offerierte schon 2004 das Internet-Surfen auf transatlantischen Verbindungen. Der Dienst war gut fürs Lufthansa-Image und beliebt bei Geschäftsreisenden, besonders auf der Strecke San Francisco - München. Er wurde jedoch Ende 2006 wieder eingestellt, weil die Einnahmen bei weitem nicht die Betriebskosten des Systems deckten. Der Anbieter, die Boeing-Tochter Connexion, hatte einen globalen Anspruch, leitete den Datenverkehr deshalb über teure Satellitenverbindungen. Aircell-Chef Jack Blumenstein behauptet, dass die Kosten für den Betrieb des bodengestützten Netzes wesentlich geringer sind und Fluggesellschaften nur geringfügige Umrüstkosten haben.

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Ich habe das System Mitte September auf einem sechstündigen Flug von Los Angeles nach New York ausprobiert und es funktionierte bis auf ein paar kurze Aussetzer gut. Kosten: 12,95 US-Dollar. Was mir nicht bewusst war: Ich habe auf dem Flug eine historische Chance – Vorsicht Ironie – verpasst.

Damals war es noch möglich, in zehntausend Meter Höhe Porno-Seiten anzuwählen. Ich Trottel bin natürlich nicht gar nicht auf die Idee gekommen. Wahrscheinlich weil es nicht ausdrücklich verboten war. Aber es erklärt, warum mein Sitznachbar ab und zu verstohlen auf mein Latopdisplay schielte. Und ich dachte, er wäre nur neugierig! Dabei wollte er wahrscheinlich nur kontrollieren, ob ich heimlich Pornos schaue.

Auf Druck von besorgten Passagieren haben America Airlines und Delta nun Software installiert, die das Surfen auf Porn-Webseiten über den Wolken unterbinden soll. Nicht, dass es einen Fall gegeben hätte. Aber es könnte ja jemand auf die Idee kommen, dagegen zu klagen und Schmerzensgeld zu verlangen. In dem prüden Amerika, wo der ehemalige Justizminister John Ashcroft sogar eine barbusige Statue von Justitia verhüllen ließ, hätte er vielleicht sogar gute Chancen.

An die Doppelmoral habe ich mich in all den Jahren USA nicht gewöhnen können. Auf den Kabelkanälen werden in Serien wie Nip Tuck oder Californication die ausgefallensten Sex-Phantasien von Drehbuchschreibern in Szene gesetzt. Die USA sind Weltmarktführer beim Produzieren von Pornofilmen. Im Silicon Valley floriert dank Webseiten wie Craiglist die illegale Prostitution. Trotzdem benehmen sich die Leute in der Öffentlichkeit.

Es ist schon Wahnsinn. Zumal man schon seit Jahren – theoretisch – schlüpfriges Material im Flugzeug betrachten kann. Entweder per mitgebrachter DVD oder per Festplatte eingeschmuggelt. Ist es schon vorgekommen? Mir ist kein Fall bekannt. Dafür gibt es regelmäßig sturzbetrunkene Passagiere, die sich im Flieger daneben benehmen.

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