Crazy America: The Ugly German

Crazy America: The Ugly German

Unsere Vergangenheit lässt uns nicht los – und auch deutsche Unternehmen nicht.

In dieser Woche berichtete die New Yorker „Daily News“ prominent gleich auf Seite drei  über Verhandlungen zwischen dem deutschen Versicherer Allianz und dem Betreiber des neuen Giant-Stadions, in dem ab 2010 das American-Football-Team des letztjährigen Superbowl-Gewinners spielen soll. Der deutsche Versicherungskonzern will angeblich 20 bis 30 Millionen Dollar pro Jahr für die Namensrechte bezahlen. Worüber sich viele Fans angeblich aufregen: die Nazi-Vergangenheit des Münchner Unternehmens, das Auschwitz und andere Konzentrationslager versichert habe, das einen Vorstandschef hatte, der in Hitlers Kabinett diente und das sich während des Holocaust geweigert habe, Versichertengelder an Juden auszuzahlen. Fans würden den Namen Allianz-Stadion als anstößig empfinden schreibt das Blatt, vor allem wenn man die große jüdische Bevölkerung in New York berücksichtige. Dem widerspricht zwar sogar ein hochrangiger Rabbi, der der Allianz attestiert, das Unternehmen sei „heute ein Freund der Juden“, doch der Schaden ist möglicherweise längst angerichtet, die Verbindung zwischen Nazis und einem deutschen Unternehmen wieder mal hergestellt. Wir werden sehen, ob es unter diesen Umständen tatsächlich in den nächsten Wochen noch zu einer Vertragsunterzeichnung kommt.

Der hässliche Deutsche – das ist leider immer noch ein Thema, mit dem sich Wirkung erzielen lässt. Das haben hier auch Werbeleute offenbar ständig im Hinterkopf. Anders ließe sich ein besonders boshafter Spot, der zurzeit hier im Fernsehen läuft, kaum erklären. Die Szene: Eine Geschäftsbesprechung in einem Restaurant, zwei junge Amerikaner sitzen drei Deutschen

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gegenüber. Die Atmosphäre ist locker, bis der Amerikaner eine bunte Kreditkarte mit dem Bild einer Comic-Figur zum Bezahlen auf den Tisch legt. „Was ist das denn?“ fragt die Deutsche auf deutsch – dazu gibt es Untertitel. „Ja, das ist wohl eine Kindergartenkarte“, antwortet ihr Partner ebenfalls auf deutsch und lacht hämisch. Die beiden Amerikaner schauen sich ratlos an. Dann sagt die Deutsche Blondine noch spitz: „Bin ich die einzige, die das merkwürdig findet?“ „Auf, los,“ bricht ihr Partner im Komiss-Ton das Treffen ab, man geht. Offenbar hat die Besprechung nicht den Erfolg gehabt, den sie hätte haben können – wegen der Kinder-Comic-Karte. Das will den Zusehern jedenfalls American Express weis machen, für deren Business Card der Spot wirbt.  

Ich finde dieses Arbeiten mit platten Klischees  unverschämt. Oder sind wir Deutsche wirklich so unhöflich und grob? Dass wir uns über eine solche Lappalie lustig machen würden? Dass wir auf deutsch umschalten, damit uns unsere amerikanischen Gesprächspartner nicht mehr verstehen? Ich glaube nicht. Ich werde die Angebote für eine American Express Karte, die hier fast wöchentlich im Briefkasten liegen, jedenfalls gleich in die Tonne befördern.

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