Daimler-Chef Zetsche: "Die Motivation hat gelitten"

Daimler-Chef Zetsche: "Die Motivation hat gelitten"

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Daimler-Chef Dieter Zetsche ist seit Anfang 2006 Vorstandsvorsitzender von Daimler

von Franz W. Rother und Martin Seiwert

Daimler-Chef Dieter Zetsche über die Überholmanöver der Konkurrenz, die Forcierung des konzernweiten Sparkurses, die Zukunft teurer Autos und das Unternehmensziel für 2015.

WirtschaftsWoche: Herr Zetsche, müssen wir uns Sorgen um den Stern machen?

Zetsche: Ganz sicher nicht. Wir hatten im ersten Halbjahr 2008 Rekordergebnisse erreicht. Dann kam die Krise. Deshalb stehen wir heute nicht da, wo wir ursprünglich stehen wollten. Wir sind aber wieder auf einem guten Entwicklungspfad. Gleichzeitig haben wir einige entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen. Wir haben einen arabischen Investor als neuen Großaktionär gewonnen und uns mit neuen Beteiligungen, zum Beispiel am Elektro-Autobauer Tesla oder an dem russischen Weltmarktführer Kamaz, auf die Zukunft ausgerichtet.

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Uns liegen Prognosen vor, wonach Audi Mercedes im kommenden Jahr weltweit beim Absatz überholt. Das sorgt Sie nicht?

Spekulieren wir nicht über die Zukunft, wir sind bei Mercedes-Benz auf einem guten Weg.

Und auch keine Angst vor Porsche? Ihr kleiner Nachbar aus Zuffenhausen hat nach der Übernahme Zugriff auf günstige VW-Technik und kann Daimler damit immer gefährlicher werden.

Die Größenvorteile von VW sehe ich vor allem unterhalb unserer C-Klasse. Hier hat der VW-Konzern einen gewissen Vorteil. Da müssen wir überlegen, was wir dagegenstellen können. Eine Antwort ist die Ausweitung der Stückzahlen unserer Kompaktwagen in den Werken in Rastatt und in dem neuen Werk in Ungarn, eine weitere Option ist die Kooperation mit anderen Herstellern.

Im August arbeiteten mehr als 40.000 Ihrer Leute kurz, viele davon schon seit Januar. Wie lange kann Daimler das durchhalten?

Die aktuelle Zahl liegt deutlich unter 30.000. Unabhängig davon ist Kurzarbeit ein taugliches Instrument, um die Kapazitäten an schwächere Märkte anzupassen und die Belastungen für Mitarbeiter in Grenzen zu halten. Aber natürlich ist das kein Dauerzustand.

BMW hat im zweiten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben, Daimler hat wie bereits im ersten Quartal einen Verlust in Milliardenhöhe eingefahren. Wie erklären Sie sich das?

Von der Krise ist das Premiumsegment am stärksten betroffen. Wir haben uns über die zurückliegenden zwei Quartale aber kräftig nach oben entwickelt. Und Sie werden sehen: Das wird so weitergehen. Wir werden unsere Ziele jedenfalls in vollem Umfang erreichen. Genaue Zahlen darf ich natürlich noch nicht nennen. Aber wenn man die Marken Mercedes, BMW und Audi vergleicht, so konnten wir im vergangenen Monat deutlich mehr Fahrzeuge absetzen als die beiden anderen. Wir haben im September rund 7000 Autos mehr als BMW und 16.000 mehr als Audi verkauft.

Die E-Klasse ist ein extrem wichtiges Modell für Daimler. Konzerninsider sagen, der Absatz liege deutlich unter Plan. Woran liegt das?

Trotz Unkenrufen von Wettbewerbern: Die neue E-Klasse läuft gut. Der Absatz im gesamten Segment ist durch die Krise geringer als früher, deshalb liegen wir, wie Sie sagen, unter dem, was wir vor der Krise geplant hatten. Aber im Verhältnis zur Konkurrenz sind unsere Marktanteile hervorragend: In Deutschland zum Beispiel wurden seit Anfang des Jahres mehr E-Klasse-Fahrzeuge verkauft als Audi A6 und 5er-BMW zusammen, unser Marktanteil liegt bei rund 60 Prozent. In Europa haben wir einen Marktanteil von rund 40 Prozent in diesem Segment. Damit haben wir unsere angepeilten Marktanteile überschritten.

Von den Marktanteilen haben Sie doch nichts, wenn die verkauften Stückzahlen so niedrig sind. Besonders schlecht sieht es auch bei der S-Klasse aus.

Also, wir verkaufen deutlich mehr Mercedes-Benz S-Klassen, als BMW derzeit von seinem neuen 7er absetzen kann.

Was kein guter Maßstab ist, denn auch der BMW 7er läuft schlecht.

Keine Frage, dieses Jahr ist für die gesamte Automobilindustrie insgesamt schlechter gelaufen, als sie geplant hatte. Das liegt an der Krise, die keiner vorhersehen konnte.

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