WILMINGTON/FRANKFURT. Doch erst in den nächsten Tagen kommt es zum entscheidenden Showdown vor Gericht: Autoboss Jürgen Schrempp muss sich dann den Kerkorian-Anwälten im Zeugenstand stellen. Schrempp ist allerdings vorbereitet. Der 59-jährige Spitzenmanager will nichts dem Zufall überlassen, wenn US-Richter Joseph Farnan, Jr. ihn voraussichtlich am Dienstag oder Mittwoch dieser Woche in den Zeugenstand ruft. Mehr als einmal stand der Daimler-Chrysler-Chef den eigenen Anwälten Rede und Antwort. Sogar ein Kreuzverhör vor einem Geschworenen-Gericht sollen die Juristen mit dem Top-Manager durchgespielt haben. „Er hat das alles drauf“, heißt es in der Konzernzentrale. Kerkorians Anwälte werden Schrempp jedoch in die Mangel nehmen. Sie wollen Richter Farnan davon überzeugen, dass die Daimler-Benz-Manager einen heimlichen Plan verfolgten, um die Macht bei dem amerikanischen Autokonzern zu übernehmen. Der 86jährige US-Investor wirft dem Management vor, den Zusammenschluss zwischen Daimler-Benz und Chrysler im Jahre 1998 fälschlicherweise als Fusion unter gleichen Partnern ausgegeben zu haben. Tatsächlich sei es aber eine Übernahme gewesen.
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Die Anwälte werden Schrempp in dem fensterlosen, mit dunklem Holz getäfelten Saal des Bezirksgerichts in Wilmington vor allem ein Interview mit der „Financial Times“ aus dem Oktober 2000 um die Ohren hauen. Die Wirtschaftszeitung hatte ihn dort mit den Worten zitiert, er habe es von vornherein auf eine Übernahme des US-Autobauers abgesehen, der inzwischen nur noch eine von mehreren Sparten von Daimler-Chrysler ist. Die „Fusion unter Gleichen“ (Merger of equals) habe er als „psychologischen Umweg“ gebraucht, um die Aktionäre zu überzeugen. Einen Monat später reichte Kerkorian seine Klage ein. Schrempp fühlt sich allerdings missverstanden. „Er wird dem Gericht sagen, was er wirklich gemeint hat“, kündigte Daimler-Anwalt Michael Schell an. Doch Kerkorian-Anwalt Terry Christensen hofft, gegen den 59-jährigen Manager im Kreuzverhör wichtige Punkte zu machen. Einen Erfolg hätten die Kerkorian-Juristen bitter nötig. Die erste Halbzeit des Prozesses werteten Beobachter bisher als Rückschlag für den US-Milliardär. Der von Schrempp gefeuerte Ex-Chrysler-Manager Holden hatte sich mit seiner Aussage überraschend auf die Seite von Daimler-Chrysler gestellt und Farnans Frage bejaht, ob der Zusammenschluss eine „Fusion unter Gleichen“ gewesen sei. Auch der frühere Co-Vorstandschef Eaton wies vor Gericht die Vorwürfe gegen seinen Ex-Kompagnon Schrempp zurück. Die neue Daimler-Chrysler AG habe das Recht auf eine Änderung der Unternehmensstruktur gehabt, betonte Eaton. Die Aussage von Kerkorian dürfte dessen Chancen vor Gericht ebenfalls nicht verbessert haben: Freimütig räumte der US-Milliardär ein, dass er die Fusionsvereinbarung von 1998 nicht gründlich studiert habe. „Die Frage, ob der Zusammenschluss eine Übernahme war, kann wahrscheinlich mit Nein beantwortet werden“, resümierte der mit dem Fall vertraute Anwalt Vincent R. Cappucci, der im Sommer noch einen Vergleich über 300 Mill. $ gegen Daimler herausgeholt hatte. Bisher habe kein Zeuge außer Kerkorian selbst die Vorwürfe des Milliardärs gestützt, sagte er der Agentur Bloomberg.
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Die Stuttgarter pokern trotzdem hoch. Die Tür zu einem Vergleich ist nach den ersten Verhandlungstagen und einem scharfen Kreuzverhör des 86-Jährigen zugeschlagen. Niemals werde er einer außergerichtlichen Lösung zustimmen, wies der nach einer scharfen Befragung der Daimler-Anwälte verärgerte Milliardär seine Juristen an. Experten gehen von bis zu 3 Mrd. Dollar aus, die die Stuttgarter zahlen müssten, sollten sie verlieren. Doch der Konzern hat für Kerkorian weder Rückstellungen gebildet, noch will er die Dividende ausfallen lassen. Auch Jürgen Schrempp setzt damit alles auf eine Karte.






















