
Glücklich war der Vergleich nicht, den Daimler-Chef Dieter Zetsche am vergangenen Donnerstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen zog. Von einer "kontrollierten Defensive" sprach der 56-Jährige in Bezug auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Angesichts von 2,6 Milliarden Euro Verlust mögen sich Daimler-Aktionäre da kaum ausmalen, wie eine unkontrollierte Defensive ausgesehen hätte.
Von den drei deutschen Premiumherstellern Audi, BMW und Daimler gaben die Stuttgarter im abgelaufenen Jahr die schlechteste Figur ab. Das ist zum Teil immer noch Altlasten geschuldet, die aus der Ära von Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp stammen. Allein die Trennung von der ehemaligen Konzerntochter Chrysler kostete 2009 noch einmal rund 300 Millionen Euro. Doch Chrysler ist damit Geschichte, und nach nun vier Jahren an der Daimler-Spitze muss Zetsche die Bürden hinter sich lassen, die ihm Schrempp hinterlassen hat.
Jetzt trägt der Konzern Zetsches Handschrift. Jedes neue Modell, jede Standortentscheidung ist ihm zuzuordnen. Er muss verantworten, dass die Wirtschaftskrise Daimler auch deshalb hart getroffen hat, weil der Konzern die Produktion zu spät gedrosselt hat.
Wolfgang Bernhard soll Daimler sanieren
Nun muss sich auch zeigen, was die neue Führungsstruktur taugt. Während die Rückkehr des früheren Daimler- und Ex-VW-Managers Wolfgang Bernhard von Konzerninsidern positiv gewertet wird, ist trotzdem nicht zu übersehen, dass es in den vergangenen Monaten im Vorstand geknirscht hat.
Vertriebschef Klaus Maier schmiss hin, weil er, wie Eingeweihte berichten, keine Lust mehr hatte. Auch Sanierungsexperte und Bernhard-Vorgänger Rainer Schmückle verlässt das Haus dem Vernehmen nach nicht in Harmonie. Die Rolle des zupackenden Sanierers in Zetsches Team kommt jetzt Bernhard alleine zu. An Chancen, sich zu profilieren, wird es ihm nicht mangeln.
Den Weg in eine so flexible Produktion, wie sie Audi mit seinen neuen sogenannten modularen Längs- und Quer-Baukästen vormacht, hat Daimler noch vor sich. Auch in puncto Einkaufs- und Produktionskooperationen mit anderen Herstellern hat Daimler noch viel Luft. Die angepeilte Zusammenarbeit mit Renault könnte ein Anfang sein. Bei alldem muss Bernhard allerdings aufpassen, dass er nicht erneut die Arbeitnehmervertreter gegen sich aufbringt. Deren Hausmacht scheint auch im Jahre fünf nach Schrempp ungebrochen.

























