Daimler-Vorstand Weber im Interview: "Der Smart kommt in den USA zur richtigen Zeit"

Daimler-Vorstand Weber im Interview: "Der Smart kommt in den USA zur richtigen Zeit"

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Dr. Thomas Weber, Entwicklungsvorstand bei Daimler

Seit knapp einer Woche steht der Kleinwagen Smart in den USA bei den Autohändlern. Alle Zeichen deuten auf einen Verkaufserfolg: 30.000 Vorbestellungen hat Daimler bereits in der Tasche. Daimler-Entwicklungsvorstand Dr. Thomas Weber sprach auf der Detroit Motor Show mit der WirtschaftsWoche über das Umdenken der amerikanischen Verbraucher und Daimlers Klimaschutz-Strategie.

WirtschaftsWoche: Bei der Detroit Auto Show im vergangenen Jahr hat sich der Chefökonom von Chrysler öffentlich darüber lustig gemacht, wie ernst bei der Konzernmutter in Stuttgart der Klimawandel genommen wird. Er fand die Deutschen ziemlich hysterisch. Wie ist die Haltung Ihre US-Kollegen in diesem Jahr? 

Weber: Ich bin mir sicher, dass man in den USA das Thema inzwischen sehr ernst nimmt. Das liegt unter anderem an den verschärften Verbrauchs- bzw. CO2-Grenzwerten, die die Bush-Regierung für die Autohersteller festgeschrieben hat. Nun ist es auch für die amerikanischen Hersteller offensichtlich, dass sie beim Thema Spritverbrauch ganz schnell etwas machen müssen. Es zeichnet sich ab, dass für sie neben intensiven Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung auch Änderungen am klassischen amerikanischen Produktportfolio notwendig werden.

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Sie gehen in den USA gerade mit einem sehr unamerikanischen Auto an den Start: mit dem Smart. Wie ist das Echo?

Das Echo ist unglaublich. Einige Journalisten sind mit Smarts von Los Angeles zur Auto Show nach Detroit gefahren. Wir haben über die gesamte Strecke bei unserem Smart Diesel einen Durchschnittsverbrauch von 3,9 Litern gemessen. Das sind ganz neue Dimensionen für Amerikaner.

Das waren Überlandfahrten. Der Smart ist aber ein Stadtauto – und hier liegt der Verbrauch viel höher.

Klar ist der Verbrauch in der Stadt etwas höher. Dennoch: Wenn ich Amerikanern sage, dass sie mit einer Gallone bis zu 60 Meilen weit kommen, meinen sie immer, ich hätte mich versprochen. Das Auto kommt hier absolut zur richtigen Zeit. An Interesse mangelt es wahrhaftig nicht, wir haben bereits 30.000 Vorbestellungen.

Werden Sie die Produktionskapazitäten im französischen Hambach, wo auch die Smarts für den US-Markt hergestellt werden, ausweiten?

Dazu gibt es keine Entscheidung.

Seit Jahren hoffen die deutschen Hersteller auf den Durchbruch des Diesel in den USA. Bringt die Klimadebatte jetzt endlich den nötigen Rückenwind?

Ich bin davon überzeugt, dass sich der saubere Diesel in den USA durchsetzen wird. In Europa hat Diesel einen Marktanteil von rund 50 Prozent, in manchen Ländern sogar über 80 Prozent. 2007 hat Mercedes in den USA bei den entsprechenden Modellen zehn Prozent Diesel verkauft, bei der M-Klasse sogar 20 Prozent. Damit hat Mercedes jetzt schon die Diesel-Prognosen von JD Power für 2015 übertroffen. Ich erwarte, dass wir in wenigen Jahren einen Anteil von 30 Prozent haben werden. Ohne ein solches Wachstum beim Diesel haben die Amerikaner keine Chance, ihre anspruchsvollen Klimaschutzziele umzusetzen und unabhängiger von Öl-Importen zu werden.

Die strengen CO2-Grenzwerte, die derzeit in der EU diskutiert werden, sind für Daimler nicht leicht zu erreichen. Muss Ihr Forschungsbudget weiter aufgestockt werden?

Diese Anpassungen haben wir bereits gemacht, die Budgets wurden um mehrere hundert Millionen Euro erhöht. Und wir haben parallel dazu die Effizienz unserer Abläufe und Prozesse deutlich gesteigert. Eine weitere Erhöhung ist daher aus unserer Sicht nicht notwendig.

Die angekündigte Rendite von zehn Prozent im Jahr 2010 wird dadurch nicht verhagelt?

Nein, sämtliche Kosten sind bereits in unseren Planungen enthalten.

Welche neuen spritsparenden Modelle wird es von Ihnen noch in diesem Jahr geben?

Letztes Jahr haben wir angekündigt, eine Vielzahl von verbrauchsarmen Autos auf den Markt zu bringen. Die meisten dieser Fahrzeuge kommen schon 2008 und 2009. Wir werden allein dieses Jahr über alle Modellreihen hinweg 20 besonders verbrauchsarme Fahrzeuge auf den Markt bringen.  

Diese Phase hat BMW schon hinter sich.

BMW fährt hier einen anderen Ansatz. Es ist richtig, dass BMW etwas früher konventionelle Spritspartechnik in die Autos gebracht hat. Wir haben parallel dazu den Diesel mit Bluetec global zukunftsfähig gemacht. Und mit dem, was wir in den nächsten zwei Jahren auf den Markt bringen, müssen wir uns wahrhaftig nicht verstecken. Vor allem wenn es um das emissionsfreie Fahren mit Brennstoffzelle geht.

Daimler und BMW reden seit längerem über eine Zusammenarbeit in der Entwicklung. Wie ist hier der Stand?

Dieses Thema scheint für die Medien viel spannender zu sein, als für uns. Es ist für uns völlig normal, mit möglichen Partnern zu sprechen. Wenn wir über die Nachfolger der erfolgreichen A- und B-Klasse reden, möchte ich betonen: Natürlich sprechen wir mit Wettbewerbern, die vergleichbare Fahrzeugkonzepte anbieten. Wir können uns vorstellen, mit ihnen bei Komponenten zusammenzuarbeiten. Es geht aber nur um einzelne Komponenten – zum Beispiel um Einstiegsmotoren, die eine so kleine Stückzahl haben, dass sich die Entwicklung für nur einen der Partner nicht lohnen würde. Wir sind aber definitiv kompetent und stark genug, dies auch alleine zu stemmen.

Und wann fallen hier Entscheidungen?

Im ersten Halbjahr dieses Jahres.

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