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Dalli-Werke : Der Hausproduzent der Discounter

von Mario Brück

Ihre Produkte sind weit verbreitet, doch den Hersteller kennt kaum jemand. Die Dalli-Werke aus dem rheinischen Stolberg beliefern Aldi, Lidl & Co. und düpieren selbst bei der Qualität die teure Markenkonkurrenz von Henkel, Beiersdorf oder Unilever.

Produktion von Spülmaschinentabs: Gute Noten bei Stiftung Warentest brachten den Dalli-Werken lukrative Zusatzaufträge Quelle: Dominik Asbach für WirtschaftsWoche
Produktion von Spülmaschinentabs: Gute Noten bei Stiftung Warentest brachten den Dalli-Werken lukrative Zusatzaufträge Quelle: Dominik Asbach für WirtschaftsWoche

Der Weg zur Geschäftsführungsetage führt in Begleitung eines Pförtners über den verwinkelten Parkplatz, durch die werkseigene Schlosserei, schnurstracks in einen rumpelnden Lastenaufzug. In der Halle nebenan surrt die neue Fertigungslinie für Spülmaschinentabs, die seit knapp vier Jahren im Einsatz ist. Pro Tag spuckt der fast 20 Meter lange, 25 Tonnen schwere Koloss rund eine Million dieser kleinen Schmutz- und Fettkiller für die Spülmaschine aus.

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Hier, an der Zweifaller Straße in Stolberg, einem Städtchen in der Nähe von Aachen, ist der Sitz eines heimlichen Riesen: der Dalli-Werke, eines Herstellers von Vollwaschmitteln, Deos und Hautcremes, Shampoos und Sonnenschutz, Naturkosmetik und Geschirrspülmittel – und eben Spülmaschinentabs. Die Produkte heißen Cien und W5 (Lidl), Tandil und Akuta (Aldi), denk mit und Balea (dm) oder Blik (Penny). Es sind Eigenmarken der großen deutschen Lebensmitteldiscounter und Drogeriemarktketten, und sie kommen aus den Fabriken der Dalli-Werke.

Dalli-Werke auf dem Weg zur Umsatzmilliarde

Das Familienunternehmen aus Stolberg bei Aachen gilt als extrem verschwiegen. Der WirtschaftsWoche öffnete Europas zweitgrößter Handelsmarkenproduzent bei Drogerieartikeln aber seine Tore für einen Blick hinter die Kulissen.

1800 Menschen arbeiten an fünf Standorten für Dalli, der Jahreserlös liegt bei mehr als 700 Millionen Euro. Im September geht ein neues Werk für Waschpulver und Tabs in Barcelona an den Start. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Umsatzmilliarde, dem angestrebten Ziel der Familiendynastie. „Wir stellen gute Produkte zu einem moderaten Preis her, die bei engerem Portemonnaie genau in die Landschaft passen“, sagt der Gesellschafter und Geschäftsführer Hermann Wirtz. Gegründet 1845, ist Dalli bis heute im Besitz seiner Familie.

Parfüms, Pulver und Pillen haben die Wirtz-Sippe zu einem der reichsten Familienclans in Deutschland gemacht. Denn zum Imperium der Wirtzens gehören auch der Kosmetikhersteller Mäurer & Wirtz (Tabac Original, 4711) sowie das Pharma-unternehmen Grünenthal. Es erlangte in den Fünfziger- und Sechzigerjahren traurige Bekanntheit mit dem Schlafmittel Contergan, das starke Missbildungen bei Neugeborenen hervorgerufen hatte.

Ein Skandal, der das Unternehmen immer wieder einholt. Ende Juli starteten Contergan-Geschädigte eine Kampagne mit dem Titel „Ihre Kaufentscheidung zählt!“ vor dem Werksverkauf der Dalli-Werke. Ziel der Aktion: Kunden sollen die Waren von Dalli, Mäurer & Wirtz und Grünenthal boykottieren. Die Kampagne wird bundesweit ausgeweitet.

Den Grundstein für die bewegte Geschichte legt der Kolonialwarenhändler Andreas August Wirtz 1845 mit einer Seifenproduktion in der Stolberger Altstadt. 1909 zieht das Unternehmen an den Stadtrand der Messing- und Kupferstadt.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.09.2010, 06:57 UhrAnonymer Benutzer: R

    @Keepcalm
    bMW ist nichts anderes als als ein börsennotiertes Familienunternehmen.

    http://www.bmwgroup.com/bmwgroup_prod/d/nav/index.html?http://www.bmwgroup.com/bmwgroup_prod/d/0_0_www_bmwgroup_com/investor_relations/aktien/aktien/aktionaersstruktur_neu.html

  • 08.09.2010, 23:09 UhrAnonymer Benutzer: keepcalm

    Es gibt halt, wie überall, solche und solche. Ob nun AG oder Familienunternehmen ist da sehr egal. Ob z.b. das Familienunternehmen Schäffler nun unbedingt sehr weitsichtig und weise war, wage ich stark zu bezweifeln. Genauso halte ich z.b. unteranderem die bMW AG für eine sehr weitsichtige AG.

    Gruß

  • 08.09.2010, 19:11 UhrAnonymer Benutzer: schorsch

    @ Mäschle:
    Nur haben diese Aktiengesellschaften die Eigenheit dass der Horizont nur bis zum nächsten Quartal reicht und keine langfristig angelegten Strategien entwickelt und durchgesetzt werden. Wer es nicht selbst erlebt, der glaubt nicht wie da getricks wird - da sind die meisten Familienunternehmen wahrscheinlich unschuldige Waisenknaben dagegen...

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