Daniel Vasella: Goldener Handschlag für Novartis-Chef erzürnt die Schweiz

17. Februar 2013, aktualisiert 17. Februar 2013, 18:33 Uhr
Daniel Vasella: Der lukrative Deal des Novartis-Chef kommt in der Öffentlichkeit gar nicht gut an. Quelle: ReutersBild vergrößern
Daniel Vasella: Der lukrative Deal des Novartis-Chef kommt in der Öffentlichkeit gar nicht gut an. Quelle: Reuters
Quelle: Handelsblatt Online

Fast 60 Millionen Euro in sechs Jahren für einen Beratervertrag – das bringt auch den ruhigsten Schweizer in Rage. Selbst Kirche und die wirtschaftsfreundliche Schweizer FDP zeigen sich schockiert. Der Deal gießt wenige Tage vor einer Volksabstimmung neues Feuer in die Diskussion um Manager-Gehälter. Auch in Deutschland ist die Debatte wieder in vollem Gang.

BernIn der Schweiz hat eine Millionen-Abfindung für den zurückgetreten Chef des Pharmakonzerns Novartis für Empörung gesorgt. Der 59-jährige Daniel Vasella soll 72 Millionen Franken (58,5 Millionen Euro) dafür bekommen, dass er sechs Jahre lang nicht für die Konkurrenz tätig wird, sondern Novartis berät.

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„Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus“, sagte Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, am Samstag in einem Radio-Interview. Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte im Fernsehen, es brodle in der Bevölkerung. Die Wut über maßlose Bonus-Zahlungen sei riesig. Und was über Vasella bekannt geworden sei, mache sie sprachlos. Der Präsident der wirtschaftsfreundlichen Partei FDP erklärte: „Herr Vasella führt die liberale Schweiz aufs Schafott.“

Vasella hatte am Freitagabend im Schweizer Fernsehen eingeräumt, dass er nach seinem Ausscheiden beim Pharma-Unternehmen Novartis in sechs Jahren bis zu zwölf Millionen Franken jährlich erhalten werde. „Man käme im Laufe von sechs Jahren auf maximal 72 Millionen Franken“, erklärte er. Er bestätigte damit einen Bericht der Online Plattform „Inside Paradeplatz“. Bedingung sei lediglich, dass er nicht für ein Konkurrenzunternehmen arbeite und Novartis berate.

Der Deal gießt Wasser auf die Mühlen der Kritiker an überzogenen Manager-Vergütungen und gibt nach Einschätzung von Schweizer Medien Befürwortern einer gesetzlich Beschränkung derartiger Bezüge bis hin zur Androhung von Gefängnisstrafen bei Zuwiderhandlung erheblichen Auftrieb. Die Schweiz stimmt am 3. März bei einem Volksentscheid über einen entsprechenden Vorschlag ab. Die sogenannte „Abzocker-Initiative“ sieht vor, dass Aktionäre in Zukunft nicht nur konsultativ, sondern bindend über Managerlöhne abstimmen können. Für die Annahme dieses Vorstoßes sprachen sich bei Umfragen etwa 57 Prozent der Teilnehmer aus. Vor der Bekanntgabe der Millionen-Abfindung für den Novartis-Boss waren es nur etwas mehr als 50 Prozent gewesen. Politologen und andere Beobachter gehen nun nicht mehr davon aus, dass es den Gegnern unter Führung des Wirtschaftsverbandes gelingen wird, das Blatt zu wenden.

„Das ist ein enormer Schaden für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land“, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga in einem Interview mit der Zeitung „SonntagsBlick“. Diese „Selbstbedienungsmentalität“ erschüttere das Vertrauen in die ganze Wirtschaft, sagte Sommaruga. „Wenn es nun zu einem Ja kommt am 3. März, dann sind allein jene Manager dafür verantwortlich, die jegliches Maß verloren haben.“


VW-Chef mit weniger Gehalt - Deutsche Gewerkschafter fachen Debatte über Managerbezahlung an

Am kommenden Freitag tritt der 59-Jährige auf der Generalversammlung des Konzerns ab, womit für den Pharmakonzern eine Ära endet. Vasella trat 1996 nach der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy an die Spitze der neu geformten Novartis. 1999 übernahm er auch das Amt des Präsidenten. Über die Jahre hat er mehrere hundert Millionen Franken verdient. Das machte ihn zu einem der am besten bezahlten, aber auch umstrittensten Manager der Schweiz.

Neben seinem hohen Gehalt wurde Vasella auch immer wieder vorgehalten, dass der Aktienkurs nicht recht vom Fleck käme und der Kursentwicklung des Rivalen Roche hinterherhinke. Auf der letzten Generalversammlung sprachen sich fast 40 Prozent der Aktionäre in einer Konsultativabstimmung gegen die Managerlöhne bei Novartis aus.

Auch in Deutschland ist die Debatte über Managergehälter wieder in vollem Gang. DGB-Chef Michael Sommer hält die Bezahlung vieler deutscher Manager für maßlos. Sein Gewerkschafterkollege, IG-Metall-Chef Berthold Huber, fordert Obergrenzen bei Vorstandsgehältern.

Wohl auch vor dem Hintergrund dieser Debatte hat VW-Chef Martin Winterkorn einem Bericht des „Spiegels“ zufolge einem Vorschlag des Präsidiums des VW-Aufsichtsrates zugestimmt, sein Gehalt für 2012 auf 14 Millionen Euro zu deckeln, obwohl im laut seines Vertrags 20 Millionen Euro zugestanden hätten. Laut „Spiegel“ soll Winterkorns Vertrag entsprechend geändert werden. Ein VW-Sprecher wollte den Bericht am Sonntag jedoch nicht kommentieren und verwies auf die bevorstehende Aufsichtsratssitzung am 22. Februar. Auch die Verträge der übrigen acht Konzern-Vorstände sollen dem Bericht zufolge geändert werden. Boni solle es für die Top-Manager künftig zudem nur noch geben, wenn der Konzern einen Gewinn von mindestens fünf Milliarden Euro erwirtschafte. Winterkorn hatte für 2011 ein Rekordgehalt von 17 Millionen Euro erhalten, was zu einer hitzigen Debatte geführt hatte.

IG-Metall-Chef Huber, der auch Vize-Aufsichtsratschef bei VW ist, regte an, die Zahl der Beschäftigten zu einem Kriterium für die variable Vergütung zu machen. Von pauschalen Lösungen halte er nichts, weil die Unternehmen sehr unterschiedlich seien, sagte er dem Wirtschaftsmagazin „Capital“. Er habe aber den Eindruck, ein Großteil der Bevölkerung sehe das Limit bei etwa zehn Millionen Euro. „Viele Menschen, die mich auf das Thema ansprechen, markieren die Grenze bei einem zweistelligen Millionen-Betrag.“

DGB-Chef Sommer sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Mir kann niemand erzählen, dass innerhalb eines Unternehmens die Arbeit des Chefs 300 Mal mehr wert sein soll als die anderer Beschäftigter.“ Es sei Zeit für mehr Transparenz. „Mehr öffentliche Aufmerksamkeit wird dazu führen, dass die Selbstbedienungsmentalität in den Führungsetagen beschränkt wird.“

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