Datenklau bei der Telekom: Obermann will Vertrauen der Kunden zurückgewinnen

Datenklau bei der Telekom: Obermann will Vertrauen der Kunden zurückgewinnen

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Telekom-Chef René Obermann muss seinen Konzern vor immer mehr Skandalen aus der Schusslinie bringen.

30 Millionen Kundendaten samt Bankverbindung im Umlauf, 17 Millionen Kundendaten gestohlen, Journalisten bespitzelt – das sind nur einige der Schlagzeilen, die der Deutschen Telekom seit Mai dieses Jahres zu schaffen machen. wiwo.de hat die wichtigsten Skandale der Telekom im Überblick zusammengestellt.

24. Mai 2008: Die Telekom räumt ein, dass es 2005 und 2006 zu einer „missbräuchlichen Nutzung von Verbindungsdaten“ gekommen sei: Nach einem Bericht des „Spiegels“ soll die Telekom systematisch die Telefondaten eigener Manager und Aufsichtsräte ausgewertet haben, um undichte Stellen sowie Kontakte zu Journalisten aufzuspüren. Vorstandschef René Obermann verspricht eine lückenlose Aufklärung.

29. Mai: Wenige Tage später nimmt die Bonner Staatsanwaltschaft Ermittlungen unter anderem gegen den früheren Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel auf. Es geht um den Verdacht von Verstößen gegen das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz. Die Ermittler machen unter anderem eine Razzia in der Bonner Telekom-Zentrale.

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19. August: Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks sind auch Kunden der Telekom von Datendiebstahl betroffen. Ein Call-Center in Bremerhaven soll sich illegal Zugriff auf Datenbanken verschafft und diese an Dritte weiterverkauft haben. Die Telekom erklärt, das Unternehmen sei „offenbar Opfer hochkrimineller Machenschaften“ geworden.

23. September: DGB-Chef Michael Sommer gehört zu den Opfern der Ausforschungsaktion. Sommer sagt, Konzernchef René Obermann habe ihn in über entsprechende Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft informiert. „Es ist ein Skandal, dass man nicht einmal vor dem DGB und dessen Vorsitzenden halt macht“, sagte er einer Zeitung.

1. Oktober: Bei der Verfolgung des Datendiebs von Bremerhaven kommt die Telekom einer Sicherheitslücke auf die Spur: Das Unternehmen bestätigt einen „Stern“-Bericht, wonach zentrale Kundendaten mit entsprechendem Code und Passwort jahrelang auch außerhalb der Konzernarbeitsplätze zugänglich waren. Das Sicherheitsleck sei allerdings schon im August 2007 geschlossen worden.

Seitdem können Telekom-Mitarbeiter demnach nur noch mit zuvor über die IP-Adresse registrierten Computern auf Kundendaten zugreifen. Eine IP-Adresse identifiziert einen Computer. Ob Kunden durch das Sicherheitsproblem geschädigt worden seien, sei bislang noch unklar, sagt ein Sprecher. „Wir wissen nur, dass einige Daten in Hände gekommen sind, in die sie nicht gehörten“, sagt er.

4. Oktober: Die Telekom bestätigt einen Bericht des „Spiegels“ über den Diebstahl von 17 Millionen Datensätzen von Mobilfunkkunden im Jahr 2006. Die Staatsanwaltschaft wurde seinerzeit umgehend informiert, auch die Sicherheitsvorkehrungen seien verschärft worden. Telekom-Chef René Obermann spricht im Interview der „Bild am Sonntag“ von einem „sehr ärgerlichen Vorfall“ und weist darauf hin, dass die Sicherheitsvorkehrungen danach weiter verschärft wurden. „Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen“, fügt der Vostandschef hinzu. „Nach unseren Erkenntnissen hatte man 2006 die Daten zwar angeboten, aber keinen Abnehmer gefunden“, sagt Obermann in dem Interview und betont: „Schadensfälle sind uns nicht bekannt“. Obermann räumt ein, dass der Konzern von den jetzt bei den „Spiegel“-Recherchen wiederaufgetauchten Daten überrascht wurde.

Die Daten umfassen neben Namen und Anschrift die Mobilfunknummer, teils das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse. „Die Datensätze enthalten keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten“, beschwichtigt der Konzern. Die Telekom richtet eine Hotline für verunsicherte Kunden ein: 0800 330 034505. Kunden könnten kostenlos ihre Mobilfunknummer ändern lassen, sagt ein Sprecher.

Laut „Spiegel“ sind neben Prominenten aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling und Günther Jauch „auch eine erstaunliche Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern“ betroffen.

6. Oktober: Politiker von Union und SPD fordern die Regierung auf, die Regeln für den Datenschutz zu verbessern. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert nach dem neuen Telekom-Skandal den Rücktritt von Konzernchef René Obermann. „Herr Obermann hat als Krisenmanager auf der ganzen Linie versagt. Durch den neuerlichen Daten-Skandal ist das letzte Quäntchen Vertrauen bei den Kunden verspielt worden“, sagt BDK-Chef Klaus Jansen.

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