Datenskandal: Telekom gibt Kundendaten für Werbekampagnen weiter

Datenskandal: Telekom gibt Kundendaten für Werbekampagnen weiter

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Rene Obermann, Vorsitzender des Vorstandes der Deutsche Telekom AG

von Michael Kroker

Die Datenpannen der Deutschen Telekom sind teilweise hausgemacht. So versorgt der Konzern bis heute Vertriebspartner auch aktiv und im großen Stil mit Daten über Kunden. Sie werden vor allem in Callcentern für Werbekampagnen genutzt.

In der vergangenen Woche sah Telekom-Chef René Obermann seinen Ruf als oberster Aufklärer in Sachen Datensicherheit bedroht – wieder einmal: Nach diversen Datenskandalen im letzten Jahr war der Bonner Telefonriese erneut Ziel von Datenräubern geworden. Dabei sind offenbar Informationen über Millionen von Telekom-Kunden in dunkle Kanäle im Ausland gewandert. Tatsächlich aber ist die Telekom dabei nicht nur passives Opfer. Die Datenpannen sind teilweise hausgemacht. So versorgt der Konzern bis heute Vertriebspartner auch aktiv und im großen Stil mit Daten über Kunden, damit Callcenter etwa auslaufende Verträge verlängern oder den Leuten neue Angebote verkaufen können.

Telekom vergibt Daten für Werbekampagnen

Entsprechende Aussagen machte nach Informationen der WirtschaftsWoche im Mai 2009 ein hochrangiger Mitarbeiter aus dem Telekom-Bereich Wirtschaftsstrafrecht gegenüber der Staatsanwaltschaft Bonn. Demnach übergibt die Telekom offenbar vor allem bei Werbekampagnen, die sie mit externen Callcentern durchführt, regelmäßig Listen an ihre Partner. Diese generiert der Konzern zuvor individuell je nach Stoßrichtung der Aktion, etwa wenn speziell Mobilfunk- oder Internet-Anschlüsse vermarktet werden sollen.

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Die Weitergabe der Kundendaten erfolgt offenbar meist in elektronischer Form. Die Listen enthalten in der Regel Kundennamen, Telefonnummern und die Art des gebuchten Produkts. Solche Listen haben angeblich einen Umfang von 10 000 bis 100 000 Datensätzen. Dieses Vorgehen bezeichnen Mitarbeiter innerhalb der Telekom als „Fremdadressgeschäft“, wie die WirtschaftsWoche erfuhr.

Auf Nachfrage der WirtschaftsWoche gab die Telekom zu, sie lasse sich „bei Produkteinführungen oder -veränderungen von Vertriebspartnern unterstützen. Unsere Partner erhalten dafür teilweise Listen.“ Die Übergabe erfolge aber gesichert, und Bankverbindungen seien nicht in den Listen enthalten. Eine weitere Stellungnahme verweigerte der Konzern mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren.

Laxer Umgang erleichtert Missbrauch

Zwar dürfen externe Callcenter, die im Zuge der sogenannten Auftragsdatenverarbeitung bereitgestellten Kundendaten nicht kopieren oder anderweitig nutzen. Wie aber die Datenskandale in der Vergangenheit gezeigt haben, erleichtert der teils laxe Umgang der Telekom mit Datenschutzanforderungen den Missbrauch bei Partnern.

So wurde letzte Woche bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Bonn nach einer Anzeige der Telekom vom Februar dieses Jahres einem Ring von Datenhändlern und Callcenter-Betreibern auf der Spur ist. Diese sollen wegen der niedrigen technischen Hürden seitens der Telekom im großen Stil Kundendaten automatisiert aus der Telekom-Vertriebsdatenbank abgerufen haben. Zuvor hatte die Telekom ihrerseits mitgeteilt, sie habe die Zusammenarbeit mit vier Callcentern beendet, weil diese die Datenschutzverpflichtungen sowie die vereinbarten Vertriebsmethoden nicht eingehalten hätten.

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