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Design: Designbranche erlebt harte Zeiten

von Harald Schumacher

Während der wichtige Red-Dot-Preis für Kommunikationsdesign verliehen wird, ächzt die Branche unter ruinösem Wettbewerb.

Red Dot best of the best: Showroom für Canyon, Design: KMS-Team, München
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Die Einladung, die vergangene Woche in der Post lag, findet Jochen Rädeker „geradezu unverschämt“. Ein süddeutsches Maschinenbauunternehmen bietet Rädekers renommierter Stuttgarter Designagentur Strichpunkt an, sich um einen Auftrag zu bewerben. Der Absender braucht eine Markenstrategie und -kommunikation für seine neue Maschinengeneration. Das Auftragsvolumen beträgt magere 25.000 Euro – „früher wäre dafür das doppelte Honorar gezahlt worden“, sagt Rädeker, der auch Vorstandssprecher des Art Directors Club Deutschland ist.

Nach Vorstellung des Maschinenbauers sollen sich inklusive Strichpunkt acht Agenturen um das Geschäft schlagen. „Es war mal gute Sitte, bei so geringen Summen keinen Ideenwettbewerb auszuschreiben sondern sich nach einem Marktscreening für einen Anbieter zu entscheiden. Bei größeren Aufträgen hat man sich auf drei oder vier Teilnehmer beschränkt, die dann reelle Gewinnchancen hatten“, sagt Rädeker. Bezahlen will der Auftraggeber die Vorarbeit der Agenturen natürlich nicht. Zu besseren Zeiten erhielt jeder, der ein Konzept erarbeitete, dafür 3000 bis 5000 Euro Abschlagshonorar, im Schnitt war das laut Rädeker rund ein Zehntel des Aufwands, „aber immerhin“.

Kommunikationsausgaben massiv gekürzt

Harte Zeiten, raue Sitten. Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen hat ihre Kommunikationsausgaben 2009 „massiv gekürzt“, ergab im September eine Online-Befragung durch die Düsseldorfer Markenstrategieberatung Brandpact. „Ein Viertel bis ein Drittel geschrumpft“ seien die Etats für Markenkommunikation, schätzt Uli Mayer-Johanssen, Chefin der größten deutschen Kommunikationsdesignagentur Metadesign in Berlin, für die nach der Kündigung der freien Mitarbeiter noch 250 Kreative arbeiten. Wie viel von den rund 30 Milliarden Euro Ausgaben für Werbung ins Kommunikationsdesign fließt, darüber fehlen aber verlässliche Zahlen.

Trotz Krise: Die kreative Macht der Gestalter wächst. Markendesign und -strategie müssen Konzerne heute mehr Beachtung schenken, weil der Markenwert für die Unternehmensbewertung wichtiger wird. Von gutem oder schlechtem Kommunikationsdesign hängt ab, ob der Auftritt eines Unternehmens vom Briefpapier über die Homepage bis zum Showroom im Einklang steht mit Selbstverständnis und Zielen und ob er wirkungsvoll ist.

Wie das perfekt gelingen kann, zeigte die Branche am 9. Dezember. Die Gestalter schöner Markenwelten trafen sich in Essen zur Vergabe des diesjährigen Red-Dot-Awards für Kommunikationsdesign. Den Oscar für Markendesigner vergibt das renommierten Design Zentrum Nordrhein-Westfalen in 25 Kategorien – für Details einer Markenkonzeption ebenso wie für umfassende Markenstrategien.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.12.2009, 11:54 UhrAnonymer Benutzer: Jürgen Preuss

    die kreativen werden siegen. die erbsenzähler entwickeln keine ideen, keine strategien und auch sonst nix. was der wirtschaft fehlt ist mut und visionäre. die kreativen müssen sich nur noch mit hasenfüssen abfinden die angst haben ihren arbeitsplatz in der industrie zu verlieren. wir sind nur noch dazu da ihnen den ar... zu retten und ihre probleme auszutragen. am ende kommt weichgespülter mist dabei raus und alle wundern sich warum sich nix mehr bewegt. deshalb lieber entscheider, wenn das nächstemal dein erbsenzähler vor dir steht und von einsparungen spricht, frag ihn doch mal ob keinen umsatz machen möchte. wir fragen henry was er davon hält: Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.

  • 10.12.2009, 16:43 UhrAnonymer Benutzer: Achim

    Das die meisten Klienten ihre Ausgaben in der Krise kürzen, sollte nicht überraschen; es gibt wenige Akteure, die in solchen Zeiten antizyklisch agieren können. Die Weltwirtschaft ächzt, Kreative leben auf demselben Planeten, leiden also mit – nichts verwunderliches an sich.
    Das Hinz und Kunz Design studieren ist, denke ich, auch eine falsche beobachtung. Das Überangebot, meine ich, entsteht vielmehr durch die 'Professionalisierung der Amateure'. Jeder mit einem PC kann – von einem Flyer über ein buch bis zur Website – Kommunikationsmittel erstellen. Ähnliches sieht man hier auch bei Hobbybastlern; was hier in Kellern und Garagen auf den ev. Wochenendeinsatz wartet wäre in anderen Regionen der Welt die beste Werkstatt vor Ort.
    Die Herausforderung heute ist also nicht 'im Netz zu sein' und ''nen Flyer zu haben', einen echten Mehrwert bieten stimmige Markenstrategien. Das beinhaltet Planung, Umsetzung und Messung aller Marken-berührungspunkte, im Spektrum von intern bis extern. Markenführung ist also eine langfristige Managementaufgabe die - wie im Artikel vollkommen richtig dargestellt - den Wert des Unternehmens langfristig mehren kann, indem es Alleinstellungsmerkmale offeriert – für Angestellt und Kunden.
    Vielen Unternehmern ist dieser Mehrwert nicht bewusst, gerade im b2b Umfeld ist Markenführung eine neue Aufgabe, angetrieben durch Globalisierung und Digitalisierung. Und wer den Wert nicht schätzen kann, liegt oft daneben, kleckert eher (ineffizient) anstelle zu klotzen. Deswegen ist Aufklärung nötig, darum ***** für den Artikel.

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