Detroit Auto Show : Amerikanischer Automarkt bleibt langfristig der wichtigste

Detroit Auto Show : Amerikanischer Automarkt bleibt langfristig der wichtigste

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Deutsche Autos - hier ein Mercedes-Benz E-250 CDI - werden wohl auch zukünftig auf der Detroiter Motorshow präsentiert werden.

Der amerikanische Automarkt wird trotz der aktuellen Krise auch in der kommenden Dekade der wichtigste Absatzmarkt für die gesamte Industrie weltweit bleiben. Vor allem deutsche Hersteller sehen dort mittelfristig hervorragende Chancen bei bald wieder steigenden Verkaufszahlen.

Zitieren lassen will sich niemand. Doch bei Hintergrundgesprächen geben nicht-amerikanische Automanager relativ unumwunden zu, dass es dem Automarkt in den USA natürlich gut tun würde, wenn einer der US-Anbieter sich verabschieden sollte.

Chrysler werden nur geringe Überlebenschancen eingeräumt

Praktisch niemand außer einigen Chrysler-Leuten selbst mag noch eine Wette darauf eingehen, dass der kleinste US-Anbieter, an dem Daimler noch eine Minderheitsbeteiligung von knapp zwanzig Prozent hält, als unabhängiger Anbieter bis zur nächsten Autoshow überleben kann. "Wahrscheinlich werden nur einige wenige der Chrysler-Marken von jemand anderem übernommen", sagt ein Automanager, "mit größerer Wahrscheinlichkeit Jeep." Daimler würde sich gerne von der Restbeteiligung an Chrysler trennen, aber "nur zu akzeptablen Konditionen", wie Dieter Zetsche auf der Autoshow sagte.

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Dabei ließ der Daimler-Chef unbeantwortet, ob er damit meint, dass er noch etwas rausbekommen möchte - was in der augenblicklichen Situation ohnehin unwahrscheinlich und unrealistisch wäre - oder ob er nur nicht bereit ist, nochmals Geld draufzulegen, um das Chrysler-Fehlinvestment endgültig und vollständig los zu werden. Auf Null abgeschrieben ist die Beteiligung bereits.

Verhaltener Optimismus für den US-Markt

Der Grund für die Hoffnung von Konkurrenten, einer möge verschwinden: die gigantischen Produktionsüberkapazitäten auf dem nordamerikanischen Markt. Gut 17 Millionen Fahrzeuge könnten hier zurzeit bei Vollauslastung produziert werden, hat das Research-Unternehmen CSM Worldwide aus Michigan errechnet. Verkauft wurden im vergangenen Jahr in den USA rund 13,2 Millionen Autos. "Unsere Prognose für 2009 liegt bei nur 11,5 Millionen Stück", sagt Michael Robinet, "2010 soll die Absatzzahl wieder auf 12,7 Millionen steigen und 2014 sogar wieder zwischen 15 und 16 Millionen liegen."

Andere Prognosen sind zwar deutlich pessimistischer, doch Robinet glaubt an die Wirkung des Konjunkturpakets der US-Regierung und ein Auftauen der Kreditmärkte. Viele Fahrzeuge auf den US-Straßen stammten zudem mittlerweile aus den Boomjahren 2000 bis 2002, als über 17 Millionen Einheiten pro Jahr hier abgesetzt werden konnten und die Industrie extrem zufrieden brummte. Diese Autos müssten bald wieder ersetzt werden.

Auch demografische Trends sprechen für eine Erholung. "Wir werden deutlich mehr Leute mit Führerschein haben", sagt Robinet. Schwer abzuschätzen sei allerdings zurzeit noch, wie stark ausgeprägt der Appetit des amerikanischen Publikums auf die dann angebotenen neuen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ausfallen wird. Eine weitere Verlagerung der Konsumpräferenzen in Richtung Sprit sparender kleinerer Wagen ist aber aus seiner Sicht sehr wahrscheinlich.

Deutsche Hersteller setzen auf Obama-Effekt

Auch die deutschen Hersteller sind durchweg verhalten optimistisch, dass sich die Situation auf dem wichtigen US-Markt schneller wieder erholen kann als bisher angenommen. "Ich rechne mit einem Obama-Effekt," sagt BMW-Vorstand Ian Robertson, der vor allem für die moderne Diesel-Generation weiter gute Aussichten sieht. Die Münchner haben in ihrem Werk in Spartanburg in South Carolina bisher nur einige Zeitarbeitskräfte entlassen müssen. Für die Produktion des neuen X3 wird dort kräftig investiert - bis zu eine Milliarde Dollar.

VW hat gerade angekündigt, seine US-Präsenz ebenfalls durch eine eigene Produktionsstätte zu stärken und sich so eine bessere Ausgangslage zu verschaffen. In Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee sollen ab 2010 rund 2000 neue Jobs entstehen. Anders als Daimler und BMW haben die Wolfsburger bisher keine Fertigung in den USA. Bei der Entscheidung für das US-Werk hat auch eine Rolle gespielt, dass reine US-Importeure politisch schnell ins Kreuzfeuer geraten können. "Wer in den USA produziert und Arbeitsplätze schafft, hat es sicherlich leichter," sagt VW-Amerika-Chef Stefan Jacoby.

Auch Daimler-Chef Zetsche sieht sich mit den beiden Hauptstrategiezielen - grün und Emerging Markets - für einen Aufschwung in den USA bestens positioniert: "Wir lassen uns für 2009 gerne positiv überraschen."

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