Deutsche Bahn : Besser spät als nie - die Pünktlichkeitsoffensive

KommentarDeutsche Bahn : Besser spät als nie - die Pünktlichkeitsoffensive

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Eine Uhr am Hauptbahnhof in Stuttgart

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn veröffentlicht ab Herbst Pünktlichkeitswerte im Internet. Ein längst überfälliger Schritt.

Es ging recht beschaulich zu auf der Halbjahres-Pressekonferenz der Deutschen Bahn in Berlin. Der Konzern präsentierte steigende Fahrgastzahlen: 972 Millionen Passagiere stiegen in den ersten sechs Monaten in Nah- und Fernverkehrszüge der DB ein und aus – so viele wie noch nie in einem Halbjahr. Auch beim Umsatz ging es voran. Fast 19 Milliarden Euro schaffte der Konzern – inklusive der zugekauften Nahverkehrstochter Arriva. Auch das ein neuer Rekord. Bis Ende 2011 soll die 38-Milliarden-Euro-Umsatzmarke geknackt werden.

Die Hauptbotschaft aber waren nicht die vergleichsweise guten Zahlen, sondern eine erneute „Serviceoffensive“ der Deutschen Bahn. Ab September will das Unternehmen im Internet Pünktlichkeitswerte für ihre Züge veröffentlichen. Jeweils in der Mitte eines Monats listet der Konzern bundesweite Pünktlichkeitswerte für den Nah- und Fernverkehr auf.

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Das Image der Bahn hat unter Hitzestau und Schneechaos gelitten

Die Deutsche Bahn fügt sich damit dem öffentlichen Druck. Das Image der Staatsbahn hat in den vergangenen Jahren wegen der Probleme mit den Klimaanlagen und dem Schneechaos im Winter gelitten. Vor allem setzte sie sich selbst dem Vorwurf aus, nicht ehrlich mit den Kunden umzugehen: Wer keine Pünktlichkeitswerte veröffentlicht, scheut anscheinend die öffentliche Auseinandersetzung.

Insofern ist der Schritt des Unternehmens ein logischer und sinnvoller Schritt. Gleichwohl ist er auch längst überfällig. Und man muss sich die Frage stellen: Warum eigentlich erst jetzt?

Denn regelmäßig war es Aufgabe der Konzernkommunikation, alternative Pünktlichkeitsstudien zu korrigieren, weil sie aus Unternehmenssicht falsch berechnet waren. So kam etwa die Stiftung Warentest Anfang dieses Jahres bei einer Untersuchung von 500.000 Ankunftszeiten an 20 Bahnhöfen zu dem Ergebnis, dass jeder dritte Fernzug unpünktlich sei. Die Deutsche Bahn ärgerte sich darüber, dass jeder Bahnhof einzeln berechnet wurde und nicht die Reisekette im Fokus stand. Der gleiche Zug fließt dadurch mehrfach als unpünktlich in die Bewertung ein. Solche Studien insbesondere der Stiftung Warentest hat es schon vor drei Jahren gegeben. Die Deutsche Bahn hätte die Auseinandersetzung mit der eigenen Pünktlichkeit daher schon viel früher aufnehmen müssen.

Wenn die Bahn ab September startet, werden solche Diskussionen der Vergangenheit angehören. Davon profitiert vor allem die Deutsche Bahn selbst. Die Kunden werden die Pünktlichkeitsquote, die im Fernverkehr laut Bahn bei über 85 Prozent liegt, gar nicht groß zur Kenntnis nehmen. Ein Aufreger ist ein Pünktlichkeitswert nur dann, wenn sie aus einem verschlossenen Unternehmen zufällig an die Öffentlichkeit gelangt. Wenn das Unternehmen nun von sich aus publiziert, sinkt die Relevanz der Nachricht. Der Konzern macht sich zudem mit anderen Staatsbahnen im Ausland vergleichbar. Möglich ist ja auch, dass der Konzern dann gar nicht so schlecht abschneidet.

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