Deutsche Bahn: Bundesnetzagentur verlangt neues Stationspreissystem

KommentarDeutsche Bahn: Bundesnetzagentur verlangt neues Stationspreissystem

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Schienenstränge am Bahnhof Stuttgart

von Christian Schlesiger

Ab Mai kommenden Jahres muss der Bahnkonzern neue und diskrimierungsfreie Preise für Bahnhofshalte vorlegen. Die Entscheidung ist ein Sieg für Fahrgäste und Steuerzahler.

Jahre lang wurde geprüft, gerechnet und befragt - heute ist die Entscheidung gefallen. Die Bundesnetzagentur fordert die Deutsche Bahn auf, das Stationspreissystem ab Mai kommenden Jahres zu ändern. Damit hat sich die Kontrollinstanz der Bundesrepublik nach jahrelangem Kleinkrieg zwischen Bahnkonzern und Wettbewerbern auf die Seite der Angreifer gestellt.

Die Entscheidung ist längst fällig und richtig. Die Deutsche Bahn - oder besser gesagt ihre Tochtergesellschaft DB Station & Service - erhebt für das Ein- und Abfahren an Bahnhöfen Entgelte, die in ihrer Höhe keiner richtig nachvollziehen kann. So kostet etwa ein Stopp in Beckingen an der Saar nur 1,77 Euro, ein Halt in Hagenow Land in der Nähe von Schwerin hingegen 8,54 Euro - obwohl beide Bahnhöfe in die gleiche Bahnhofskategorie fünf von sechs eingeordnet werden. Grund für diese Differenz sind sogenannte Regionalfaktoren für jedes Bundesland, die die Stationspreise beeinflussen. So hat Saarland den geringsten, Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Regionalfaktor. Die Bundesnetzagentur kritisiert zu Recht, dass die Preise in der Höhe intransparent sind. Entscheidend ist eben nicht die Lage des Bahnhofs, sondern die tatsächlichen Betriebskosten. Und die müssten fair und nachvollziehbar auf die Bahnunternehmen umgelegt werden.

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Hier lässt sich die Bahn - obwohl im Eigentum des Steuerzahlers - aber nur ungerne in die Karten schauen. So gibt es schon seit langem Streit darüber, ob etwa ein staatlicher Zuschuss zum Ausbau eines Bahnhofs in dem ein oder anderen Fall zur Anhebung der Stationspreise geführt hat - nach dem Motto: Jetzt, wo wir schon bessere Qualität bieten, sollen die Bahnunternehmen auch bitte mehr zahlen. 

Fahrgäste profitieren

Die Entscheidung der Bundesnetzagentur dürfte zudem eine Neubewertung von Nah- und Fernverkehr herbeiführen. Kritiker bemängeln schon seit Jahren, dass der Nahverkehr die Intercity- und ICE-Züge subventioniert. Schnellzüge benötigen längere Bahnsteige, mehr Bahnhofspersonal, höherwertige Signaltechnik. Sie verursachen also weitaus höhere Kosten, zahlen aber meist nur doppelt so viel wie eine S-Bahn.

Aus Sicht der Deutschen Bahn ist so eine Kalkulation günstig und logisch. Die Ausgaben für Intercity- und ICE-Züge gehen direkt zulasten der Bahntochter DB Fernverkehr. Beim Nahverkehr zahlt zwar auf den ersten Blick die Tochtergesellschaft DB Regio. Häufig können die Kosten und die Preissteigerungen für die Bahnhofshalte im Nahverkehr aber als durchlaufender Posten an die öffentlichen Verkehrsverbünde weitergereicht werden. Das gilt auch für die privaten Wettbewerber der Deutschen Bahn.

Dadurch sind vor allem die sogenannten Bestellerorganisationen die Leidtragenden - und mit ihr die Steuerzahler. Jedes Jahr gibt der Bund rund sieben Milliarden Euro für den öffentlichen Nahverkehr aus. Steuerzahler und Fahrgäste zahlen damit gemeinsam für die Stationsentgelte, die pro Jahr mehr als 300 Millionen Euro ausmachen. Eine Änderung des Systems dürfte ihnen damit entgegen kommen.

So kündigte die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) bereits gleich nach der Entscheidung aus Bonn an, für das gleiche Geld mehr und bessere Leistungen zu bestellen

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