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Deutsche Bahn: Der Kauf von Arriva wird zur teuren Expansion

von Christian Schlesiger

Der geplante Kauf des britischen Bus- und Bahnbetreibers Arriva ergänzt das Kerngeschäft der Deutschen Bahn, allerdings ist der Preis dafür zu hoch.

Ein Arriva-Bus in Tamworth, Quelle: dpa
Ein Arriva-Bus in Tamworth, Staffordshire, Großbritannien Quelle: dpa

Mit dem Deal stellt Bahn-Chef Rüdiger Grube seinen Vorgänger Hartmut Mehdorn in den Schatten. 2,7 Milliarden Euro will Grube für das britische Unternehmen Arriva zahlen — rund eine Milliarde Euro davon durch die Übernahme von Schulden. Es wäre die bisher größte Übernahme der Deutschen Bahn.

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Strategisch ergibt der Kauf Sinn. Im Ausland ergänzt die Bahn ihr Kerngeschäft. Arriva betreibt Busse und Bahnen in zwölf Ländern, setzte 2009 umgerechnet 3,6 Milliarden Euro um und erwirtschaftete operativ einen Gewinn von 180 Millionen Euro. Ein echter Mehrwert sind die 14.800 Busse, mit denen Arriva 64 Prozent des Umsatzes und 72 Prozent des Gewinns einfährt. Im Inland schafft sich die Bahn durch die Übernahme einen Konkurrenten vom Hals. Arriva engagiert sich schon seit 2003 in Deutschland.

Teurer Deal

Doch ist der Zukauf 2,7 Milliarden Euro wert? Interne Unterlagen belegen, dass die Deutsche Bahn wohl zu viel zahlt. Zwar ließ sie verlauten, der Aufsichtsrat habe die Offerte „gründlich diskutiert und auch vor dem Hintergrund eines unabhängigen Wertgutachtens einer großen Bank zugestimmt“. Doch insbesondere die Berechnung durch den Finanzberater Lazard weckt Zweifel: In vertraulichen Unterlagen des Vorstands heißt es, dass die Unternehmensbewertung „weitestgehend auf den öffentlich verfügbaren Unternehmensinformationen sowie Annahmen von Brokern“, also Börsenmaklern, basiert. Weiter: „Der Business Plan des Arriva Managements wurde (...) nicht bereitgestellt.“ Auf dieser groben Grundlage errechnet das Wertgutachten den Kaufpreis, der sich innerhalb von zwölf Jahren amortisieren werde. Die Gewinne steigen teils sprunghaft an. Allein 2014 sollen sie um 80 Prozent höher ausfallen als 2009. Kritiker halten das Vorgehen für fahrlässig.

Für den teuren Deal nimmt Grube große Nachteile in Kauf: Die Schulden steigen auf 17,8 Milliarden Euro — plus 18 Prozent. Der Verkauf der deutschen Arriva-Bahntöchter, zu dem die Bahn kartellrechtlich gezwungen wäre, brächte maximal 200 Millionen Euro, so Experten. Zudem gilt Arriva nicht einmal als Perle: Für 2011 und 2012 weist das Vorstandspapier beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) eine Marge von 4,8 und 6,3 Prozent aus. Wettbewerber wie National Express und Stagecoach liegen drüber — doch die waren nicht zu haben.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 27.04.2010, 16:01 UhrAnonymer Benutzer: Deutscher Michel

    Die Schleppsäbeleisenbahn gibt es nicht mehr

    Was ist es wert, einen Konkurrenten ausgeschaltet zu haben ?
    Können das die Kritiker auch so exakt beziffern ?

    Das inländische Engagement von ARRiVA dürfte sicher nicht en bloc an einen einzigen interessenten veräußert werden, sondern schön kleinteilig, damit keiner der verbliebenen Mitbewerber zu groß wird. Was ist daran zu kritisieren ? So ist der Kapitalismus halt.

    Den nicht wenigen Meckerern ist es nur ein Dorn im Auge, dass bei der bahn Leute beschäftigt sind, die denken können. Und genau das stört das alte Weltbild.

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