Deutsche Bahn: Die Baustellen des neuen Bahn-Chefs

Deutsche Bahn: Die Baustellen des neuen Bahn-Chefs

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Der designierte Bahn-Chef Rüdiger Grube

Auf den künftigen Bahn-Chef Rüdiger Grube wartet viel Arbeit: Die Datenskandale werden immer schlimmer, das Image ist im Keller und auch wirtschaftlich drohen Probleme. Die vier wichtigsten Punkte seiner Agenda im Überblick.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG am Donnerstag den Daimler-Manager Rüdiger Grube als Nachfolger von Hartmut Mehdorn im Amt des Vorstandsvorsitzenden vorgeschlagen. Wenn auch die Arbeitnehmervertreter der Personalie zustimmen, könnte Grube in den kommenden Wochen schon die Nachfolge antreten.“

Eine lange Einarbeitungszeit wird Grube nicht haben, denn auf den Nachfolger von Hartmut Mehdorn warten eine Menge Aufgaben. Hier sind die wichtigsten Aufgaben, die Grube anpacken muss:

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1. Datenaffäre beenden

An erster Stelle steht die Aufklärung und Aufarbeitung der Datenaffären, über die Mehdorn letztlich gestürzt ist. So nimmt der Skandal um überwachte Pressekontakte immer größere Ausmaße an. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wurden über Jahre systematisch ein- und ausgehende Mails auf Journalistenkontakte überprüft. Die Ausmaße seien größer als im gleichartigen Fall der Telekom. So waren mehr als ein Dutzend Zeitungen und Magazine im Visier der Bahn, darunter auch die Wirtschaftswoche. Speziell nach Mailverkehr mit zehn namentlich genannten Journalisten soll gesucht worden sein.

Grube muss es vor allem darum gehen, schnell das Vertrauen der Belegschaft zu gewinnen. Die Bahn hatte in den Jahren 2002 und 2003 rund 173.000 ihrer damals etwa 240.000 Mitarbeiter auf Korruptionsverdacht überprüft. Dies geschah mit Abgleich von Daten wie Wohnadressen, Telefonnummern und Bankverbindungen mit jenen von 80.000 Firmen, die Auftragnehmer der Bahn waren.

All diese Vorgänge, die nur stückweise an die Öffentlichkeit kamen und bis ins Jahr 2008 hineinreichten, muss der neue Bahn-Chef vollständig aufklären helfen. Zudem müssen für die Zukunft Mechanismen gefunden werden, die eine Wiederholung solcher Praktiken verhindern.

2. Auf die Gewerkschaften zugehen

Ein wichtiger Punkt auf der Agenda des neuen Bahn-Chefs dürfte auch das Verhältnis zu den Gewerkschaften sein. Grube muss auf die Arbeitnehmer zugehen. Dass kann er gut, denn der Manager gilt als Kumpeltyp und hat schon in seinen bisherigen Jobs bei Daimler oder der DASA gut mit Arbeitnehmern zusammen gearbeitet.

In den Tarifstreits der vergangenen Monate waren die Parteien heftig aneinander geraten. Diese Konflikte sind zwar erst einmal ausgestanden, doch schon die Diskussionen um die Mehdorn-Nachfolge zeigten, welche Interessensgegensätze Grube ausbalancieren muss.

Lange war darüber spekuliert worden, ob eine Doppelspitze installiert wird. Neben einem Verantwortlichen für das Schienennetz hätten vor allem Unions-Politiker gerne einen zweiten Mann an der Spitze der Logistiksparte mit dem Personen- und Güterverkehr gesehen. Doch vor allem die Gewerkschaften haben sich dagegen gesperrt. So erklärten die Vorsitzenden der Gewerkschaft TRANSNET und der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel, zur Personalie Gruber nüchtern: "Wir nehmen den Vorschlag zur Kenntnis“. Er werde am Montag in den Gremien diskutiert, vorher werde es keine Zustimmung geben. Die Zurückhaltung macht sich aber weniger an der Person Grube fest, sondern an der künftigen Ausrichtung des Konzerns. Die Forderung der Gewerkschaften:  „Wir verlangen vor allem ein klares Bekenntnis zur integrierten Bahn und damit zum Erhalt des Konzernweiten Arbeitsmarktes, der Arbeitsplätze sichert", erklärten die Gewerkschaftsspitzen.

Genau wegen diesem internen Arbeitsmarkt waren sie gegen eine Doppelspitze waren. Denn ein starker Vorsitzender kann bei Personalkürzungen in einer Sparte leichter für Alternativen in anderen Bereichen sorgen.

Auch das Szenario einer Abspaltung von Teilbereichen ist damit unwahrscheinlicher. Der Börsengang und die Teilprivatisierung sind derzeit auch kein Thema mehr, wie SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ noch einmal bestätigte. Daher könnte Grube den Gewerkschaften bei ihren Kernanliegen Zugeständnisse machen und sicherstellen, dass die Bahn als Gesamtkonzern in seiner Struktur unangetastet bleibt. Eine Ablehnung Grubes durch die Gewerkschaften gilt als unwahrscheinlich.

Lesen Sie auf der nächsten Seitem, wie Grube das Image der Bahn aufpolieren könnte.

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