Deutsche Bahn: Grubes riskanter Schlussstrich unter die Bahn-Datenaffäre

KommentarDeutsche Bahn: Grubes riskanter Schlussstrich unter die Bahn-Datenaffäre

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube

Bei der heutigen Aufsichtsratssitzung besetzt der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube etliche Vorstandsposten neu. Grube will so die leidige Bahn-Datenaffäre beenden. Doch Restrisiken bleiben, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Reinhold Böhmer.

Die Vorschusslorbeeren für den neuen Bahn-Chef Rüdiger Grube kamen von allen Seiten. Heute Nachmittag soll der Aufsichtsrat Grubes großes Reinemachen nebst Neubesetzungen bei dem Staatskonzern absegnen, nachdem Vorgänger Hartmut Mehdorn wegen des  Datenskandals zurückgetreten war. Grube kann nur hoffen, dass er kräftig genug gefegt hat.

Kein Zweifel, wer die Bahn wegen Mitwisserschaft und weiterer Verstrickungen in die Bespitzelung von Mitarbeitern bis heute verlassen hat, der dürfte das zu Recht getan haben. Margret Suckale, Ex-Personal-Chefin der Verkehrstochter DB Mobility & Logistics,  Norbert Bensel,  Mehdorns Logistik-Chef und Suckales Vorgänger, Norbert Hansen, Ex-Gewerkschafter und Oberpersonalmann in der Bahn-Zentrale, Otto Wiesheu, Politvorstand und früherer bayrischer Wirtschaftsminister (CSU) – sie konnten nach den Untersuchungen der vergangenen Wochen nicht an Bord bleiben. Das hätte Grube nicht mit dem vereinbaren können, was er als künftige  „Hygiene“ und „Unternehmenskultur“ bei der Bahn forderte.

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Restrisiken in der Vorstandsetage

Doch der Aufsichtsrat und Grube wären gut beraten, die Datenaffäre bei der Bahn nicht zu unterschätzen und die Sprengkraft möglicherweise noch unentdeckter Protokolle oder Notizen zu ignorieren. Die Telekom, wo die Abhöraktionen vor vielen Jahren bis zuletzt neue Belastungen von Topmanagern wie Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel oder Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke ans Tageslicht brachten, sollte eine Lehre sein.

Natürlich gilt – rein rechtlich – für jeden, gegen den bisher nichts Belastendes vorliegt, die Unschuldsvermutung. Es gibt aber auch den gesunden Menschenverstand, der zumindest Warnsignale aussendet, jemanden nicht voreilig reinzuwaschen. Vor diesem Hintergrund  kann nur Grube hoffen, den richtigen Riecher gehabt zu haben, indem er Mehdorns Finanzchef Diethelm Sack behielt. Dem eilt nämlich der ungute Ruf  voraus, über noch so kleine Details im Konzern informiert gewesen zu sein.

Toi, toi, toi auch bei der Entscheidung, Alexander Hedderich weiter zu beschäftigen. Der promovierte Verkehrswissenschaftler war  Mehdorns rechte Hand, Weichensteller, Wasserträger und Feindbeobachter in einem. Ausgerechnet so einer soll bei der Überwachung hunderttausender Mitarbeitern außen vor gewesen sein?

Je später Grube von der Vergangenheit seines Vorgängers eingeholt wird, desto mehr muss er sich die Vergehen als ungenügendes Durchgreifen zurechnen lassen – und desto gefährlicher wird es für seine bisher untadelige Glaubwürdigkeit und die „Hygiene“ und „Unternehmenskultur“ bei der Bahn.

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