Deutsche Bahn: Hartmut Mehdorns lange Liste

Deutsche Bahn: Hartmut Mehdorns lange Liste

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Anzeigetafeln informieren über Zugausfälle

Das gegenwärtige Chaos auf den Schienen ist nur eine von vielen Pannen bei der Bahn in den vergangenen Jahren. Die Reihe der Fehler und Niederlagen des amtierenden Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn wird immer länger. Ein Chronik.

2002 Gescheiterte Preisreform.

Statt mehr Kunden auf die Schiene zu locken, verpasste Mehdorn der Bahn ein Preissystem wie im Flugverkehr. Als der Umsatz desaströs wegbrach, schasste er seinen Personenverkehrschef Christoph Franz. Das Bauernopfer von damals leitet heute die Fluggesellschaft Swiss und ist als künftiger Lufthansa-Chef im Gespräch. 2003 Hass auf die Speisewagen. Die fahrenden Restaurants waren Mehdorn stets ein Dorn im Auge. Also verfügte er deren Abschaffung. Bis 2005 sollte es nur noch Stehbistros und Essen am Platz geben. Doch das Publikum protestierte, Mehdorn machte einen Rückzieher und praktiziert heute das Gegenteil - ausgewählte Gerichte von Sternenköchen. 2004 Kommunikationschef tritt ab. Auf Druck des Aufsichtsrats muss Mehdorn seinen Sprecher und Duzfreund Dieter Hünerkoch von der Bühne nehmen, der kritische Medien mit Anzeigenboykott überzog. Seitdem zieht der Ex-Stern-Journalist nur noch als Mehdorns Berater die Strippen. 2004 Stopp der Börsenpläne. Nachdem Mehdorn sich mit fast allen Politikern und wichtigen Teilen der Industrie überworfen hatte, beendete Bundeskanzler Gerhard Schröder kurzerhand dessen Aktivitäten zur Privatisierung des Staatskonzerns und verschob diese auf einen "Korridor zwischen 2006 bis 2008". Nur die Verlängerung seines Vertrages konnte Mehdorn im Amt halten.

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2005 Geplatzter Umzug nach Hamburg.

Mehdorn will bei der Hamburger Hochbahn einsteigen und die Bahn-Zentrale nach Hamburg mitnehmen. Doch er hat die Rechnung ohne die Politik gemacht und muss in Berlin bleiben. 2006 Gescheiterter Einstieg in den kommunalen Nahverkehr. Mehdorn wollte die Bahn zum großen Straßenbahn- und Stadtbusunternehmen machen. Doch die EU machte die Pläne zunichte und verbot bereits laufende Projekte wie in Hannover. Den auf neun Milliarden Euro geschätzten Nahverkehrsmarkt kann Mehdorn abschreiben. 2007 Teures Geschenk für Gewerkschaften. Um die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet auf Privatisierungskurs zu halten, genehmigt Mehdorn eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent plus weitere Zusagen. Der Abschluss belastet die Bahn in den kommenden Jahren in Milliardenhöhe. 2007/2008 Verlorener Lokführerstreik. Mehdorn versucht, der Lokführergewerkschaft GDL mit rechtlichen Mitteln den Garaus zu machen - und scheitert nach einem schweren Arbeitskampf, bei dem die Mehrheit der Bevölkerung Verständnis für die Lokführer hat. Auf Druck von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee billigt er den Streikenden elf Prozent mehr Lohn und eine Stunde weniger pro Woche zu. 2008 EU ermittelt. Die EU eröffnet im Frühjahr ein förmliches Beschwerdeverfahren, in dem geprüft wird, ob der Staat die Bahn im Schienenpersonenregionalverkehr aufgrund deren Preispolitik unerlaubt subventioniert. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen dem profitabelsten Geschäft der Bahn schwere Einbußen. 2008 Börsengang ohne Netz. Jahrelang versuchte Mehdorn gegen alle Widerstände, die Bahn zusammen mit dem Schienennetz an die Börse zu bringen. Doch alle rechtlichen Konstruktionen erweisen sich als nicht praktikabel. Auf Druck von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück macht Mehdorn einen Rückzieher und gibt sich mit einer möglichen Teilprivatisierung lediglich der Transport- und Logistiksparte zufrieden. 2008 Entgleister ICE. Der entgleiste ICE in Köln im Juli hat kostspielige Folgen für den Konzern. Das Eisenbahnbundesamt ordnete daraufhin eine Verkürzung der Prüfintervalle an.

2008 Gekippte Schaltergebühr.

Im September 2008 kündigt Mehdorn an, für die Bedienung am Fahrkartenschalter künftig einen Bedienzuschlag in Höhe von 2,50 Euro zu verlangen. Der öffentliche Aufschrei ist groß, als sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel einmischt, nimmt Mehdorn den Bedienzuschlag zurück. 2008 Stopp des Börsengangs. Einen Plan B zum Börsengang für Ende Oktober gebe es nicht, sagte Mehdorn noch im September. Doch dann stoppt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die Privatisierung wegen der Finanzkrise für unbestimmte Zeit. 2008 Unpopuläre Boni. Beim Teil-Börsengang der Deutschen Bahn hätten Mehdorn und Vorstandskollegen mit Sonderzahlungen in Höhe von vier Millionen Euro rechnen können. Konzernchef Mehdorn selbst erhielte 600 000 Euro. Nun fordern Politiker aller Couleur Mehdorn und Kollegen auf, den Bonus zu streichen. 2008 Ungeklärte ICE-T Haftung. Nachdem bei einer Routineprüfung ein Haarriss in einer Achse eines ICE-Neigetechnikzuges entdeckt wurde, zog Mehdorn die Flotte vorübergehend aus dem Verkehr. Von den Herstellern verlangt er nun Zusagen über die Sicherheit der Radsatzwellen und kündigte Schadenersatzforderungen an. Diese kontern: Die Ursache für den Riss sei bislang ungeklärt. Zudem sei die Bahn selbst an der Entwicklung des Neigetechnik-ICEs maßgeblich beteiligt gewesen

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