Deutsche Bahn: ICE: Das Aushängeschild bleibt Sorgenkind

KommentarDeutsche Bahn: ICE: Das Aushängeschild bleibt Sorgenkind

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Ein ICE der Deutschen Bahn

von Christian Schlesiger

Die Konzernzahlen des ersten Halbjahres stimmen optimistisch. Doch beim Prestigegeschäft mit dem ICE kommt der Konzern nicht voran.

Jetzt auch noch das: Eigentlich wollte die Deutsche Bahn im Herbst dieses Jahres die ersten nagelneuen ICE3-Züge der Baureihe 407 in Empfang nehmen. Die mehrstromfähigen Fernverkehrszüge sollten den Deutschlandtakt verstärken und auf internationalen Strecken zum Einsatz kommen. Doch die Auslieferung durch Hersteller Siemens verzögert sich. „Eine ärgerliche Nachricht für uns“, kommentierte Bahnchef Rüdiger Grube auf der Halbjahrespressekonferenz in Berlin.

Die Verzögerung hat Symbolkraft. Im Fernverkehr, dem prestigeträchtigsten Geschäft der Deutschen Bahn, kommt der Staatskonzern nicht voran. Der Umsatz mit den Passagieren in ICE- und Intercity-Zügen konnte gerade so auf dem gleichen Niveau gehalten werden. Das Unternehmen interpretiert dies zwar als Erfolg, weil die Aschewolke 2010 Zusatzgeschäft gebracht hat, auf den man in diesem Jahr verzichten müsse. Doch für einen Monopolisten, der 99 Prozent des Marktes beherrscht und große Hoffnungen in den ICE setzt, sind die Zahlen auch so unbefriedigend.

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Fernverkehr gleicht einer Dauerbaustelle

Das gilt auch für das Betriebsergebnis. Unterm Strich standen im ersten Halbjahr magere 46 Millionen Euro als Ebit zu Buche. Im Vorjahreszeitraum war das Ebit fast doppelt so hoch. Dem Unternehmen ist es nicht gelungen, die gestiegenen Energie-, Instandhaltungs- und Personalkosten etwa durch höhere Erlöse abzufedern.

Inzwischen wirkt der Fernverkehr wie eine Dauerbaustelle. Schwarze Zahlen allein reichen nicht als Beleg für eine Erfolgsgeschichte ihres Aushängeschilds. Das Unternehmen ist eine Antwort schuldig, dass sie den Bahnbetrieb nicht nur technisch beherrscht, sondern auch mit Produktinnovationen befeuern kann. Wie sonst ist zu erklären, dass die Auslastung der Züge immer noch bei unter 50 Prozent liegt.

Gespannt warten Beobachter nun auf den ersten nennenswerten Einstieg des Wettbewerbers HKX in den deutschen Eisenbahnmarkt. Ab Herbst, so die optimistische Schätzung, will das junge und von US-Investoren getragene Start-up den Fernverkehr auf der Strecke Hamburg-Köln aufrollen. Die Deutsche Bahn wird darauf reagieren und Abwehrmaßnahmen definieren müssen. Dann ist das Unternehmen gezwungen, sich beim Preis und Service zu verbessern. Auf der Strecke Hamburg-Köln fährt die Deutsche Bahn mit völlig veralteten Intercity-Zügen, die einen Relaunch oder Ausmusterung dringend nötig haben.

Verstärkung für die ICE-Flotte

Die geplanten Siemens-Züge fallen als Alternative dafür aus. Sieben ICE3 waren als Verstärkung der Flotte für den kommenden Winter geplant. Personenverkehrschef Ulrich Homburg reagiert verständlicherweise verärgert über solche Hiobsbotschaften aus München: „Die Liefertreue der Hersteller ist unbefriedigend“, sagt er mit Blick auf Siemens. Immerhin haben es die Techniker der Deutschen Bahn geschafft, ältere ICE wieder so flott zu machen, dass die Flottenkapazität im kommenden Winter um netto acht Züge erhöht wird. Einen Alptraum wie das Winterchaos 2010 kurz vor Weihnachten soll so immerhin vermieden werden.

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