Was Bahn-Chef Rüdiger Grube unlängst über die Zukunft des Konzerns sagte, klang dramatisch: „Ich kann nicht 100 Tage warten, wenn ich sehe, wie die Hütte brennt.“ Wie groß die Not ist, steht in der geheimen Mittelfristplanung der Bahn. Der Aufsichtsrat hatte das Konvolut mit fünfmonatiger Verspätung am 13. Mai verabschiedet, nachdem die Wirtschaftskrise die Vorlage von Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn vom Dezember 2008 obsolet gemacht hatte.
Nach der neuen Planung, die der WirtschaftsWoche vorliegt, erhöhen sich die Belastungen der Bahn von 2009 bis 2013 gegenüber den bisherigen Annahmen um insgesamt rund 10,4 Milliarden Euro – bedingt durch die schlechte Konjunktur, neue Tarifabschlüsse sowie veränderte Energiepreise und Wechselkurse. Zwar habe das Management Einsparungen „in Höhe von rund 900 Millionen Euro“ pro Jahr „identifiziert“, heißt es in der Unterlage. Trotzdem rechnet Grube jetzt mit langfristig deutlich niedrigeren Gewinnen. So stürzt das Betriebsergebnis (nach Abzug der Zinsen) von 1,7 Milliarden Euro 2008 auf rund eine Milliarde Euro in diesem Jahr und erreicht bis einschließlich 2012 nicht mehr das Vorjahresniveau. Ursache ist vor allem der massive Rückgang der Nachfrage im Schienengüterverkehr sowie im Speditions-und Logistikgeschäft.
Grubes Mittelfristplanung hat weitreichende Folgen. Denn ein niedriger Gewinn bedeutet auch eine geringere Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Die Kennzahl interessiert vor allem private Investoren. Damit ist ein Börsengang frühestens 2014 möglich. Denn nach einer Kapitalverzinsung von 8,9 Prozent 2008, heißt es in der neuen Mittelfristplanung, gehe die Bahn nun von „einem deutlichen Rückgang“ im Jahr 2009 „auf 6,2 Prozent“ aus. Der werde zwar „sukzessive“ von 2010 bis 2013 „wieder gutgemacht“ – „die Zielmarke von zehn Prozent kann jedoch in diesem Zeitraum nicht erreicht werden“.













