Deutsche Bahn: Mehdorns Millionen-Abfindung: Vertrag ist Vertrag

KommentarDeutsche Bahn: Mehdorns Millionen-Abfindung: Vertrag ist Vertrag

Bild vergrößern

Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schulte

Hartmut Mehdorn musste als Bahn-Chef abtreten. Jetzt will er von seinem Arbeitgeber Millionen. Schließlich wäre sein Vertrag noch bis Mai 2011 gelaufen.

Als er noch der Herr über alle Lokomotiven auf deutschen Schienen war, blies ihm nicht nur der Gegenwind oft genug kräftig ins Gesicht. Nachdem Mehdorn gehen musste, weil Hunderttausende von Mitarbeitern durchleuchtet worden sind, im Auftrag der Bahn Konten ausgespäht wurden und der E-Mail-Verkehr flächendeckend überwacht wurde - obwohl noch nicht einmal abschließend feststeht, ob er von all den Machenschaften wusste und sie gebilligt hat -, will er Geld: viele Millionen. Denn bis Mai 2011 wäre sein Vertrag noch gelaufen, hätten nicht Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, die Gewerkschaften und öffentliche Meinung den Kohletender von der Dampflok gekoppelt. Schnaufend und schnaubend blieb sie stehen - und steht nun einsam und verlassen auf den Gleisen.

Doch niemals geht man so ganz: Nein, lieber Herr Mehdorn, Recht haben Sie! Was kümmert Sie die Finanzkrise. Sie haben im vorigen Geschäftsjahr als oberster Manager der Bahn gute Zahlen beschert. Dass der Lack der glitzernden Bilanz bei näherem Hinsehen doch den einen oder anderen Kratzer hat, ficht Sie nicht an. Muss es ja auch nicht. Sie müssen ja schließlich das Große und Ganze im Auge haben. Das hatten Sie ja auch beim Börsengang bewiesen. Während Mini-"Konkurrent" Märklin inzwischen darum kämpft, nicht aus der H0-Spur zu fliegen, wollten sie das letzte Staatsunternehmen in Deutschland an die Börse bringen. Der Zug ist zwar noch nicht abgefahren, aber er hat (wegen der Finanzkrise) Verspätung, und zwar auf "unbestimmte Zeit".

Anzeige

Welle der Empörung

Auch finanziell darf für einen Manager von Ihrem Format der Zug nicht abgefahren sein: Immerhin bekamen Sie als Bahn-Chef ein Fixgehalt von 750.000 Euro im Jahr (2008) und "variable Bezügen" (so das nette Wort für die so arg gescholtenen Boni), die in den vergangenen Jahren teilweise dreimal so hoch wie Ihr festes Gehalt gewesen sind. Zwischen 2006 und 2008 haben Sie immerhin rund acht Millionen Euro verdient.

Die Ironie des Schicksals will es wohl, dass Ihnen - nach dem missglückten Börsengang - nun die missglückten (weil an die Öffentlichkeit gelangten) Spähaktionen einen Strich durch die Millionen-Rechnung zu machen drohen. Denn nach dem Datenspähskandal schlägt Ihnen eine Welle der Empörung entgegen: "Es kann nicht sein, dass ein Manager, der die Eisenbahner nachweisbar hat ausspähen lassen, jetzt solche Ansprüche stellt", versucht Sie Claus Weselsky, Chef der Lokführer-Gewerkschaft, an den öffentlichen Pranger zu stellen.

Doch auch Verkehrspolitiker aus Reihen der Grünen und der FDP nehmen kein Blatt vor den Mund und werfen Ihnen "Dreistigkeit" und "fehlendes Unrechtsbewusstsein" vor. Verkehrsminister Tiefensee, der Ihnen schon früher mal die Signale auf Grün gestellt, manchmal aber auch die Weichen verstellt hatte, mag sich nicht äußern. Und der oberste Bahn-Aufseher Werner Müller will das Ganze (noch) nicht kommentieren.

Einzig Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verpackt seine Kritik etwas freundlich-höflicher und wünscht Ihrem Nachfolger "mehr Fingerspitzengefühl". Ach was! Diplomat wollten Sie schließlich nie werden!

Vertrag ist schließlich Vertrag

Doch wer Sie kennt, Herr Mehdorn, weiß, dass unter der oft rauhen Schale zumindest ein cleverer Kern steckt. Denn schließlich haben Sie dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Auflösung Ihres Vertrags doch nur angeboten. Ist doch Müllers Schuld, wenn er das nicht wirklich ernst gemeinte Angebot dann annimmt. Sie haben sich schließlich nichts vorzuwerfen!

Dann ist es doch nur verständlich, dass Sie jetzt nicht aufs Abstellgleis geschoben werden wollen - auch nicht finanziell. Vertrag ist schließlich Vertrag. Ob die Millionen, die Sie ohnehin bekommen hätten, wären Sie noch zwei Jahre Bahn-Chef geblieben, nun augenblicklich "in die Landschaft passen" oder nicht!

Und außerdem: Hätte man vor ein paar Monaten den Bedien-Zuschlag am Schalter eingeführt, den es in den Niederlanden längst gibt und für den Sie sich damals so stark gemacht hatten, wären die paar Millionen für Sie schon längst wieder drin gewesen. Denn wer kann die Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen schon bedienen?

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%