Deutsche Bahn: Müller macht Grube den Weg frei

KommentarDeutsche Bahn: Müller macht Grube den Weg frei

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Der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Ruediger Grube, rechts, und der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Mueller, links, nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates

Ein Neuanfang bei der Deutschen Bahn ist gemacht: Aufsichtsrats-Chef Werner Müller und Bahn-Chef Rüdiger Grube krempeln den Vorstand und die Führungsebene um. Mehr hätten die beiden zum heutigen Stand nicht tun können. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Schlesiger.

Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube hat es eilig als er den Saal im Marriott Hotel am Potsdamer Platz betritt, in dem die Pressekonferenz zur Datenaffäre abgehalten wurde. Schnellen Schrittes, dem Aufsichtsrates-Chef Werner Müller drei Meter voraus, eilt Grube in den Raum und setzt so ein Zeichen: Seht her, hier kommt der Aufräumer. Den beteiligten Managern an der Datenaffäre geht es an den Kragen.

So kam es auch: Logistikvorstand Norbert Bensel geht, Politikvorstand Otto Wiesheu geht, die Personalvorstände Magret Suckale und Norbert Hansen gehen ebenfalls. Damit ist der Weg frei für Grube. Doch die Fäden für diese Entscheidungen hatte Aufsichtsratschef Müller in der Hand. Müller war es, der die Pressekonferenz mit einer Rede einläutete. Müller war es, der die Rücktritte der Vorstände bekannt gab, Müller war es, der auf die Fragen der Journalisten die entscheidenden Antworten gab. Und ganz sicher war es auch Müller, der in Einzelgesprächen den Kandidaten einen Rücktritt nahegelegt hat.

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Neuanfang

Müller hat Grube damit einen großen Dienst erwiesen. Denn der neue Bahn-Chef kann nun einen wirklichen Neuanfang einläuten. Selbst wenn den Vorständen "kein aktives Fehlverhalten" anzulasten sei, wie Müller mehrfach wiederholte, so stehen sie doch für das alte System: für Misstrauen und eine kaputte Unternehmenskultur. Zudem gebe es "eine Ressortverantwortung", sagt Müller. Grube hätte ohne Müller so schnell und konsequent nicht agieren können.

Das Tandem Grube-Müller scheint gut zu funktionieren - soweit man das nach 13 Tagen im Amt überhaupt sagen kann. Auch wenn Grube selbst gegenüber Müller wirkt wie ein Schulbub. Er verzieht kaum eine Mine, wirkt angestrengt und agiert wie ein emotionsloser Vorleser seines Redemanuskripts. Doch auch er kann punkten. Statt bis Juni zu warten, wie er bei Amtsantritt angekündigt hat, hat er heute schon maßgebliche Entscheidungen getroffen: Josef Bähr, der Leiter Konzerrevision, Jens Puls, der Leiter Konzernsicherheit, und Wolfgang Schaupensteiner, der Chief Compliance Officer, werden das Unternehmen unverzüglich verlassen. Gehen muss auch der Ombudsmann Edgar Joussen. Hinzu kommen laut Grube "rund zwei Dutzend Mitarbeiter", denen arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen, sollten sich in der Aufarbeitung des Datenskandals für sie noch persönliche Verfehlungen ergeben.

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