Deutsche Bahn: Schub für China-Geschäft durch Olympia-Sponsoring

Deutsche Bahn: Schub für China-Geschäft durch Olympia-Sponsoring

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Auch die Deutsche Bahn mit den Organisatoren der Olympischen Spiele im Reich der Mitte

Adidas und Volkswagen sind nicht die einzigen deutschen Konzerne, die sich durch Sponsoring des olympischen Organisationskomitees in Peking einen Schub für ihr Geschäft in China versprechen - selbst wenn dadurch Gegenwind von Menschenrechtsorganisationen droht. Im Schatten des Sportartikel- und des Autoherstellers kooperiert auch die Deutsche Bahn mit den Organisatoren der Spiele im Reich der Mitte. Allein diese Zusammenarbeit beschert dem Staatskonzern nach eigenen Angaben Einnahmen von 50 Millionen Euro.

Direkter Profiteur der Kooperation ist die Logistiktochter der Bahn, die Spedition Schenker, die vom Pekinger Organisationskomitee den Titel "Exklusiver Frachttransporteur und Zollabwickler" erwarb und damit für die Chinesen die benötigen Ausrüstungen herbeischafft sowie die Zollformalitäten regelt. Zudem dürfen die Deutschen mit diesem Titel weitere Logistikaufträge für die Spiele akquirieren. Was Schenker sich den Türöffner kosten ließ, will der designierte Vorstandschef der Bahn-Tochter, Thomas Lieb, nicht beziffern. Insgesamt sei Olympia für Schenker und die Bahn aber "ein Gechäft".

Die Deutsche Bahn riskiert mit dem Sponsoring des Pekinger Organisationskomitees eine mögliche Auseinandersetzung mit Menschenrechtsgruppen, weil das künftige Logistikgeschäft in China eine ganz wichtige Rolle spielt, um Investoren für den geplanten Börsengang im November zu gewinnen. "Natürlich sind die Logistikaufträge für Olympia eine gute Referenz für uns", sagt ein in Peking stationierter Schenker-Manager. Die Bahn-Tochter hatte sich schon in der Vergangenheit mit erfolgreichen Transporten für Olympische Spiele einen Namen als zuverlässiger Logistiker gemacht, ob bei der Beförderung sperriger Boote für Wildwasserkanuten oder gefährlicher Schusswaffen für Biathleten zu den vergangenen Winterspielen in Turin.

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Umso größer ist die Bedeutung der kommenden Spiele in China für Schenker. Denn die Deutschen wollen im Reich der Mitte extrem expandieren. Wie Bahn-Vorstand Norbert Bensel in der vergangenen Woche in Singapur ankündigte, soll Schenker 2015 in China 6,5 Milliarden Euro umsetzen. Das ist mehr als viermal so viel wie im vergangenen Jahr. Um das Ziel zu erreichen, will sich Schenker im prosperierenden Süden und Westen des Landes bis 2010 in elf weiteren Städten niederlassen. Den richtig großen Sprung sollen neue Standorte in den unterentwickelten Regionen des 1,3-Milliarden-Einwohner-Reiches bringen, davon in 18 Städten Zentral- und in sechs Städten Nordchinas.

Treibende Kraft für die Offensive des deutschen Staatskonzerns im fernen Asien ist die Entscheidung der chinesischen Regierung, in den nächsten Jahren die rückständigen Gegenden des Landes zu entwickeln. Damit spielen die Machthaber in Peking zugleich jenen Unternehmen in die Hände, die verstärkt nach neuen Standorten suchen, um den steigenden Löhnen in den küstennahen Boomregionen zu entfliehen. Um von diesem Trend zu profitieren, setzt Schenker nicht nur auf die Strahlkraft von Olympia. Die Konzernzentrale in Berlin forciert den Einstieg in das sich abzeichnende Geschäft auch, indem sie sich an einem Konsortium beteiligte, das über China verteilt 18 Terminalanlagen errichten will, die Container von Eisenbahnwaggons auf Lkw und umgekehrt verladen sollen.

Klein aber fein ist im Vergleich dazu der Service, den Schenker für Olympia erbringt. So schafft die Bahn-Tochter für das von ihr gesponserte Pekinger Organisationkomitee Ausrüstungsgegenstände herbei, die 25 Jumbos und 1500 Seecontainer füllen. Hinzukommen die mit dem Olympia-Label akquirierten Aufträge, darunter von nationalen olympischen Komitees sowie von 80 bis 100 Fernsehanstalten, für deren Sportgeräte und Ausrüstungen Schenker 14.000 Quadratmeter Lagerfläge am Rande des Pekinger Fluhafens angemietet hat.

Für den Fall, dass sich Menschenrechtsgruppen je an dem Geschäft mit den Pekinger Olympia-Organisatoren stoßen sollten, hat die Bahn bereits eine Argumentationshilfe für ihre Logistiktochter verfasst: Immerhin sorge Schenker mit dem Service für Olympia auch dafür, heißt es in einer vorsorglich verbreiteten Erklärung der Berliner Konzernzentrale, "dass die freie Presse aus Deutschland und aus aller Welt ihre Berichterstattung von den Spielen ausüben kann".

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