Deutsche Bahn: Trainer bei der Bahn

Deutsche Bahn: Trainer bei der Bahn

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU, l.) und der designierte Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn AG, Utz-Hellmuth Felcht

von Christian Schlesiger

Der designierte Oberaufseher der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht, präsentiert sich als erfahrener Manager. Erfahrung mit dem Thema Bahn hat er nicht.

„Ich bin Jahrgang 47, verheiratet und habe einen Sohn“, das waren seine ersten Worte als designierter Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn. Utz-Hellmuth Felcht wirkt äußerst reserviert, eher wie ein Schuljunge, als ihn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Das Bundeskabinett habe seine Personalie heute abgenickt. Das ist also der Neue, der den Bahn-Konzern bei der Reise durch künftige Krisen und Aufgaben begleiten soll - als Oberaufseher.

Schnell wird klar: Felcht ist der perfekte Gegenentwurf zu Vorgänger Werner Müller, der seinen Posten für Felcht räumen wird. Der frühere Degussa-Chef steht fast starr vor seinem Pult, blinzelt, als die Fotokameras klicken und schaut dabei eher beschämt auf den Boden. Felcht ist kein Mann fürs Blitzlicht, er setzt keine rhetorischen Glanzpunkte und wirkt eher wie ein zerstreuter Professor vor seinen gelangweilten Studenten. Seine Lesebrille sitzt stilecht auf der Nasenspitze.

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Dass Felcht auch in der Realität Professor ist und über noch weitere Kompetenzen verfügt, soll allein schon der im Presseraum ausgelegte zweiseitige Lebenslauf zeigen. Die Stationen beginnen mit der Volksschule in Iserlohn und gehen weiter über das Chemiestudium in Mainz und seine Vorstandskarriere bei diversen Unternehmen hinaus. 59 Punkte weist der "CV" aus. Möglicherweise soll die Fülle an Stationen einen Minuspunkt kaschieren. Erfahrung mit Eisenbahnen hat Felcht nicht.

Trainer Felcht bei der Bahn

Man hört, er sei Modelleisenbahn-Fan. Doch im Laufe der Präsentation gibt er zu: „Ich bin kein Bahnfachmann“. Auf die Frage, was etwa mit dem Schienennetz passieren solle - im Konzern belassen oder abspalten - darüber habe er sich „noch keine Linie gebildet“. Da wolle er sich „in Ruhe eine Meinung bilden“. Schließlich würden sowohl unternehmerische als auch volkswirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen.

Richtig viel ändern will aber auch Felcht nicht. Die Bahn müsse in den nächsten Jahren ihr „Vertrauen zurückgewinnen“. Die Bahn müsse sich als zuverlässiges, kundenorientiertes, pünktliches Verkehrsmittel einen Namen machen. So wie das vor zehn bis 15 Jahren der Fall gewesen sei. Er meint wohl nicht die Vor-Mehdorn-Ära? Das war wohl eher ein unabsichtlicher Patzer gegen den ehemaligen Bahnchef.

Doch seine Stärken werden auch schnell klar. Felcht ist Manager gewesen und er kennt sich aus mit unternehmerischen Strategien. Mit Blick auf die Zukunft der Bahn stehen alte Forderungen wieder im Vordergrund: Börsengang, Expansion ins Ausland und Profitablität. Der Mix aus Personen- und Güterverkehr habe sich bei der Deutschen Bahn als erfolgreich erwiesen. Es ist doch klar, dass „man versucht, die führende Marktposition im Güterverkehr in Europa auszubauen“.

Genauso selbstverständlich sei es, über einen Börsengang nachzudenken. „Aber erst wenn die Wirtschaftlichkeit hergestellt ist“, so Felcht. Doch viel mehr Zukunftsentwürfe lassen sich dem 63-Jährigen nicht entlocken. Schließlich sei er gerade erst bei „minus 14 Tagen“, also offiziell noch gar nicht im Amt. Erst am 24. März übernimmt er den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Dann wolle er im Sinne der Corporate Governance für seinen Auftraggeber, dem Bund, seine Funktion als Ober-Kontrolleur der staatlichen Bahn übernehmen. Das sei dann wie beim FC Bayern München: Minister Ramsauer sei der Besitzer des Vereins, Grube spiele die Rolle von Präsident Uli Hoeneß und er sei der Trainer.

Ob Felcht für den Trainerposten nur der B-Kandidat gewesen sei, wie viele Medien kolportiert hatten, nachdem etliche Kandidaten nicht mehr für den Posten zur Verfügung standen, kontert Felcht gekonnt: „Das gucken wir uns dann in ein paar Jahren an.“

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