Deutsche Bahn: Was den neuen Bahn-Chef Rüdiger Grube antreibt

Deutsche Bahn: Was den neuen Bahn-Chef Rüdiger Grube antreibt

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Designierter Bahn-Chef Rüdiger Grube

Die Arbeitnehmervertreter der Bahn muss er noch gewinnen, die Politik dagegen hat der designierte Bahn-Chef Rüdiger Grube hinter sich - zumindest vorläufig. Erstmals in seiner Karriere steht er im Rampenlicht. Wie Grube wirklich tickt.

Selten waren sich CDU und SPD bei einer Personalie so schnell einig. Das wundert nicht: Rüdiger Grube ist, anders als sein Amtsvorgänger Hartmut Mehdorn, ein Diplomat und politischer Netzwerker par excellence. Fast 13 Jahre hat sich der 57-Jährige bei Daimler als Stratege und Strippenzieher im Hintergrund behauptet. Er hat 1998 die Übernahme des US-Autobauers Chrysler dirigiert und kontrolliert – und 2007 den Verkauf von Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus in die Wege geleitet.

Auch die Abspaltung des Motorenbauers MTU, der heutigen Tognum, von Daimler ist sein Werk. Grube war zudem derjenige, der als Verwaltungsratschef beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS die deutsche Fahne hochhielt. Grube ist mit vielen Wassern gewaschen, gilt als harter Verhandler und analytischer Denker, hat aber bislang nur wenig Zeit im operativen Geschäft verbracht. Nun soll er den Staatskonzern Deutsche Bahn (zum Dossier) in ruhiges Fahrwasser zurückführen. Erstmals steht er dabei selbst im Scheinwerferlicht: Grube muss den Datenskandal aufarbeiten, die Achs-Probleme des ICE lösen, den Regionalverkehr stabilisieren, dem Konzern ein neues Profil geben – und die Frage klären, ob die Bahn aufs Börsenparkett gehört. Langweilig wird es ihm in Berlin sicher nicht. Auch in Paris gäbe es für ihn noch Arbeit: Die EADS möchte, dass Grube seinen Posten als Verwaltungsrat behält.

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Freunde & Gegner: Küchenkabinett

Ende der Neunzigerjahre hatte Grube auf den Fluren des „Bullshit Castle“ von Daimler in Möhringen den Spitznamen „Integrations-Sheriff“: Als Direktor Konzernstrategie und Leiter des „War Room“ hatte der enge Vertraute von Vorstandschef Jürgen Schrempp dafür zu sorgen, dass die Fusion mit Chrysler möglichst glatt über die Bühne ging. Der Sheriff tat, was Schrempp von ihm erwartete, effektiv und lautlos.

Zusammen mit Eckhard Cordes (heute Vorstandschef des Handelskonzerns Metro), Hartmut Schick (heute Leiter der Bussparte von Daimler), Alexander Dibelius (bis heute Deutschland-Chef von Goldman Sachs) bildete Grube damals das sogenannte „Küchenkabinett“ von Jürgen Schrempp. Gemeinsam hatte das Quintett die Fusion mit Chrysler ausgetüftelt – den auf einer Tischdecke skizzierten Schlachtplan bewahrt Grube bis heute auf. Der Zusammenbruch der Welt AG 2005 tat der Freundschaft keinen Abbruch: Grube steht mit seinen „Kampfgefährten“ weiter eng in Verbindung. Das gilt nicht für seinen ehemaligen Vorstandskollegen Wolfgang Bernhardt – beide sind sich spinnefeind.

Stärken & Schwächen: Hartnäckiger Verhandler

In der Daimler-Konzernspitze gilt Grube bis heute als einer der unprätentiösesten Manager, der überdies nie die Contenance verliert. Kollegen wissen zu berichten, wie es dem Mann selbst in der härtesten Verhandlung gelingt, sein Gegenüber auf freundliche, aber beharrliche Art „dahin zu quatschen, wo er ihn haben will“. Die Daimler-Chefs Jürgen Schrempp und Dieter Zetsche setzten ihn deshalb gern und oft als Unterhändler ein.

Für Schnellschüsse ist Grube nicht zu haben („Ich bin ein Fan von Generalstabsarbeit“). Vor jeder Entscheidung steht wenigstens eine PowerPoint-Präsentation. „Wir haben uns gegenseitig totgeworfen mit den Dingern“, sagt einer, der früher mit ihm zusammenarbeitete. Dabei nimmt Grube gern die Hilfe von Beratern in Anspruch. Bisweilen zu oft: „Selbst auf der dusseligsten Folie, die wir in fünf Minuten hausintern erstellt hätten“, so ein Konzerninsider, „stand manchmal noch der Name einer großen Beratung.“

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