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Deutsche Bahn: Zugtickets aufs Handy

von Christian Schlesiger

Von November an gibt es Tickets per Satellit aufs Smartphone. Ein Erfolg brächte dem Staatsriesen eine internationale Vorreiterrolle.

Kontaktpunkt für Tickets per Handy der Deutschen Bahn Quelle: laif
Das Touch&Travel-System der Deutsche Bahn soll ab November bundesweit starten. Quelle: laif

Seit Jahren hängt die blaue Tafel auf jedem Bahnsteig am Düsseldorfer Hauptbahnhof. "Touchpoint" prangt in weißen Buchstaben auf einer DIN-A3-großen Fläche. Ein roter Punkt in der Mitte und dünne, weiße Kreislinien symbolisieren, dass hier etwas durch den Äther geht. Rund 3000 Testpersonen haben in den vergangenen drei Jahren die Möglichkeit genutzt, per Funk ihr Ticket erst auf dem Bahnsteig statt in der Halle im Erdgeschoss zu kaufen.

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Inzwischen haben sich die meisten Probanden ein Urteil über das Testangebot gebildet — mehr als mangelhaft kommt dabei nicht heraus. Der Grund: Die im Prinzip gute Idee der Bahn funktioniert nur mit einem speziellen Handy mit der Fähigkeit zur sogenannten "Near Field Communication" (NFC), wie Spezialisten die drahtlose Datenübertragung über wenige Zentimetern hinweg nennen. Vor Fahrtantritt wird dieses an den roten Punkt gehalten, am Zielbahnhof meldet man sich auf gleiche Weise wieder ab, den Fahrpreis ermittelte das System automatisch und bucht ihn beim Kunden ab. Weil kaum jemand ein solches Handy hat, stellte die Bahn jedem Teilnehmer ein Gerät zur Verfügung. Die Folge: Die meisten Versuchsfahrgäste mussten immer zwei Handys dabei haben. "Das hat viele Nutzer empfindlich gestört", sagt Birgit Wirth, die bei der Deutschen Bahn für das Projekt verantwortlich ist.

Durchbruch mit Hilfe von GPS-Technik

Test missglückt, Projekt beendet? Im Gegenteil: Die Bahn hat ihre Lektion gelernt und weitet die Möglichkeit zum Ticketkauf per Handy am Bahnsteig nun richtig aus. Das System, das bisher auf den Strecken Berlin–Köln–Frankfurt–Berlin getestet wurde, soll vom November an auf jedem Bahnhof installiert werden, an dem ein ICE oder Intercity hält. Die im Test verwendete NFC-Technik bleibt, den Durchbruch soll aber die satellitengestützte GPS-Technik bringen, wie sie auch Navigationsgeräte nutzen.

Der Clou: Das neue Touch&Travel-System (auf Deutsch "Berühren und Reisen") funktioniert mit fast jedem Smartphone. Damit könnte der Bahn der Einstieg ins papierlose Reisen gelingen. Seit Januar dieses Jahres wird die neue GPS-Technik getestet. Bis heute explodierte die Zahl der Interessenten von 3000 auf 15 000. "Das hat das Projekt definitiv vorangebracht", freut sich Bahn-Managerin Wirth.

Die Technik ist simpel. Voraussetzung ist ein iPhone von Apple oder ein anderes internetfähiges Smartphone, das mit dem Betriebssystem Android von Google arbeitet, sowie eine App. Das kleine Zusatzprogramm kann sich der Nutzer kostenlos herunterladen. Vor der ersten Fahrt registriert er sich als Nutzer, hinterlegt Bahncard-Nummer und Kontodaten und lässt sich bei der entsprechenden Telefongesellschaft freischalten. Gleichzeitig muss er zustimmen, sich per GPS orten zu lassen. Fahrtbeginn und -ende meldet er per Knopfdruck über seine App. Das System errechnet dann je nach zurückgelegter Strecke den günstigsten Preis. Derzeit funktioniert Touch&Travel nur bei der Deutschen Telekom und Vodafone, andere Telekommunikationskonzerne wie O2 sollen aber bald nachziehen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.08.2011, 19:50 UhrAha

    Als Vielbahnfahrer kommen mir solche elektronischen Tickets nicht ins Haus.
    Wieder eine der systematischen Methoden wie allerorts das Risiko auf den Kunden abgewälzt werden soll.
    Klappt irgendetwas nicht liegt das beweisrisiko beim Kunden.
    Die bahn will auch damit überhöhte Tarife abrechnen.
    Eine Kontrolle und eine Auswahl von alternativ-Tarifen besteht praktisch nicht. Reklamationen sind aufgrund massiver bürokratie praktisch unmöglich.

    Wie gesagt ---> Abgelehnt.
    ich bin ein technikorientierter bürger, aber genau deshalb weil ich die Risiken besser kenne lehne ich solchen Ticketkauf strikt ab.
    Nur Einfältige lassen sich auf sowas ein.

  • 29.08.2011, 16:16 UhrJoachim

    @show, das sagt einer, der wohl eh nur maximal ein Mal im Jahr Zug fährt ...

  • 29.08.2011, 15:36 UhrShow statt Leistung

    Anstatt eines solchen Pipifax sollten die erstmal für eine anständige Reinigung ihrer Züge sorgen.

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