Deutsche Bank: "Ackermann hat seine Schäfchen ins Trockene gebracht"

InterviewDeutsche Bank: "Ackermann hat seine Schäfchen ins Trockene gebracht"

von Mark Fehr

Der unabhängige Analyst Dieter Hein über den Erfolg der Deutschen Bank und ihr Aushängeschild Josef Ackermann.

wiwo.de: Herr Hein, die Deutsche Bank glänzt mit hervorragenden Quartalszahlen, während Konkurrenten noch an der Bewältigung der Finanzkrise knabbern. Gibt es überhaupt jemanden, der Bankchef Josef Ackermann das Wasser reichen kann?

Hein: Es gibt in der Riege der Dax-Konzerne noch einige weitere hervorragende Manager, etwa Volkswagen-Chef Martin Winterkorn oder Siemens-Vorstand Peter Löscher. Auch Wolfgang Reitzle, der den Industriegashersteller Linde leitet, macht aus Sicht der Aktionäre einen ausgezeichneten Job. Im Bankensektor jedoch steht Deutsche-Bank-Chef Ackermann derzeit tatsächlich nahezu konkurrenzlos gut da.

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Kein Wermutstropfen?

Hein: Den gibt es bei großen Konzernen immer. So schneidet die Deutsche Bank in ihrer Kernsparte Investmentbanking aktuell etwas schlechter ab, doch das wird durch die Erträge im Geschäft mit den Privatkunden der neu übernommen Postbank sowie durch die Ergebnisbeiträge der Privatbank Sal. Oppenheim mehr als ausgeglichen. Die guten Geschäftszahlen für das erste Quartal 2011 sind also auch dem Ausbau von Marktanteilen in Deutschland zu verdanken, wodurch sich die Bank unabhängiger vom Investmentbanking gemacht hat.

Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs?

Hein: Die Deutsche Bank geht besser mit Risiken um als der Rest der Branche. Sie hat die Finanzkrise schon kommen sehen als die deutsche Finanzaufsicht noch friedlich schlief – und ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene gebracht. Daher konnte Ackermann Akquisitionen einfädeln und vom Aufschwung profitieren, während andere gegen die Krisenfolgen ankämpften.

Risiken eingenverantwortlich prüfen

Doch kürzlich musste das Institut einen Firmenkunden entschädigen, der nach Ansicht des Bundesgerichtshofs von der Deutschen Bank mit riskanten Zinswetten über den Tisch gezogen wurde. Wie schwer wiegt der Imageschaden?

Hein: Ich erwarte nicht, dass sich dieses Urteil negativ auf das operative Geschäft auswirkt. Hier gilt, was auch bei den Klagen von Kommunen gilt, die sich von der Deutschen Bank übervorteilt fühlen: Wer spekuliert, tut das auf eigene Rechnung und muss die Konsequenzen tragen. Von einem Autohändler erwartet ja auch niemand, dass er seine Kunden auf die Vorzüge von Konkurrenzprodukten hinweist…

…aber er darf dem Käufer auch keine entscheidenden Mängel seiner eigenen Produkte verschweigen.

Hein: Richtig. Doch wenn ein Stadtkämmerer hochspekulative Finanzprodukte einkauft, darf die Bank davon ausgehen, dass der Mann weiß, was er tut. Professionelle Kunden müssen die Risiken eines Geschäfts eigenverantwortlich prüfen und dürfen sich nicht allein auf die Argumente des Verkäufers verlassen.

Privatkunden dürften das anders sehen.

Hein: Für Verbraucher gelten aus gutem Grund erweiterte Schutzvorschriften, auf die sich institutionelle Investoren jedoch nicht berufen können. Das muss man der Fairness halber festhalten. Dabei steht die Deutsche Bank wegen ihrer Größe und Bekanntheit in der Öffentlichkeit als Synonym für den gesamten Bankensektor. Für ihr Aushängeschild Ackermann gilt das übrigens noch viel mehr. Daher muss er es oft persönlich ausbaden, wenn das Vertrauen in die Bankenlandschaft allgemein sinkt.

Welche Aktie würden Sie empfehlen: Deutsche Bank oder Commerzbank?

Hein: Das kommt auf die Risikoneigung des Investors an. Wer an eine erfolgreiche Restrukturierungsstory glaubt, kann es gern mit der Commerzbank versuchen. Allerdings sollte man erst nach dem Abschluss der Mega-Kapitalerhöhung im Juni einsteigen, denn eine Verfierfachung der Aktien führt nicht zur Verfierfachung des Gewinns. Hebt die Commerzbank die bei Übernahme der Dresdner Bank versprochenen Synergien, ist durchaus Aufwärtspotenzial drin. Risikoscheueren Investoren würde ich dagegen Deutsche-Bank-Aktien nahe legen.

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