Deutsche Bank: Ackermann macht Ernst

KommentarDeutsche Bank: Ackermann macht Ernst

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Die Deutsche Bank in Frankfurt am Main

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank wird die Mehrheit an der Postbank übernehmen. Um ihr Geschäft stabiler zu machen, zahlt sie einen hohen Preis, der die Altaktionäre der Postbank dennoch enttäuscht.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der ersten Ankündigung einer Teilübernahme der Postbank macht Josef Ackermann Ernst. Die Deutsche Bank wird endlich die Mehrheit an dem Bonner Institut übernehmen und zapft dafür in großem Stil ihre Aktionäre an. Knapp zehn Milliarden Euro landen so auf jeden Fall in der Kasse des Frankfurter Instituts. Das ist die zweitgrößte Kapitalerhöhung der deutschen Unternehmensgeschichte.

Sollten bisherige Postbank-Aktionäre auf eine Übernahmeprämie spekuliert haben, werden sie enttäuscht. Die Deutsche Bank bietet ihnen nicht mehr als sie eben muss. Selbst wenn sich die Altaktionäre dem Angebot in großer Zahl verweigern, ist die Mehrheitsübernahme beschlossene Sache. Dann wird die Deutsche Bank die Option zum Kauf von zwölf Prozent der noch bei der Deutschen Post liegenden Anteile ziehen.  

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Stärker eingreifen

Mit der Übernahme der Mehrheit bekommt der Branchenprimus die Möglichkeit, auch operativ stärker in die der Postbank einzugreifen und die Integration voran zu treiben. Bisher hat die Deutsche Bank ihren Anteil als Finanzbeteiligung geführt. Vor allem für die Beschäftigten der Postbank endet so eine lange Warteperiode.

6,3 Milliarden Euro kostet die Deutsche Bank nun die gesamte Transaktion. Im dritten Quartal wird deshalb eine Abschreibung von 2,4 Milliarden Euro auf den bereits 2008 erworbenen Anteil fällig. Der Preis den sie am Vorabend der Pleite von Lehman Brothers für den ersten Anteil zahlte, war im Rückblick deutlich zu hoch.

Der Kauf ist nun die mit Abstand größte Transaktion der Ära Ackermann. In den letzten Jahren seiner Amtszeit kann der Schweizer so noch beweisen, dass er auch eine große Integration erfolgreich bewerkstelligen kann.  

Ein Selbstläufer wird das nicht. Zwar ist die Grundlogik der Transaktion weiter intakt. Bei der Refinanzierung macht sich die Deutsche Bank durch den hohen Einlagenbestand bei der Postbank unabhängiger vom schwankungsanfälligen und kurzfristigen Kapitalmarkt. Auch auf der Ertragsseite bekommt das Privatkundengeschäft  ein stärkeres Gewicht gegenüber dem - allerdings auch künftig - dominierenden Investmentbanking. Auch die Beibehaltung der zwei Marken ist sinnvoll: In ihren eigenen Filialen kann sich die Deutsche Bank noch stärker auf die gehobene Klientel mit Beratungsbedarf konzentrieren, das Standardgeschäft übernimmt die Postbank.

Kein Selbstläufer

Andererseits gibt Ackermann die Milliarden für ein „schwaches Finanzinstitut, belastet mit einem Portfolio strukturierter Kreditprodukte und gewerblicher Immobilienkredite“ aus, wie es in einer Analyse der Ratingagentur Moody’s von heute zutreffend heißt. Ein großer Teil des frischen Kapitals wird zur Stabilisierung der kapitalschwachen Postbank benötigt, weitere größere Abschreibungen sind dort nicht ausgeschlossen.

Ihr eigentliches Kerngeschäft hat die Postbank in der Vergangenheit nur beschränkt profitabel betrieben, ein großer Teil ihrer Kunden sind Karteileichen. Wenn Ackermann von 24 Millionen Kunden in der vereinten Bank spricht, bezieht er sich nur auf die Statistik. Ob sich die Erträge im margenschwachen Privatkundengeschäft künftig deutlich steigern lassen, ist zweifelhaft.

Die angestrebten drei Milliarden Euro Vorsteuerergebnis werden sich, wenn überhaupt, wohl vor allem über Kosteneinsparungen erzielen lassen. Dabei wird es auch einen Stellenabbau geben. Hier wird die Deutsche Bank wie bei der gesamten Intergation sensibel vorgehen müssen. Wohl wenige Banken sind kulturell so unterschiedlich wie der Branchenprimus und das Bonner Institut, bei dem immer noch einige tausend Beschäftigte Beamte sind. 

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