Deutsche Bank: Ackermann sorgt mit Millionen-Verzicht für Spott

Deutsche Bank: Ackermann sorgt mit Millionen-Verzicht für Spott

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Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet auf seinen Bonus - und sorgt für Gespött unter den Politikern

Die ersten Politiker reagieren auf die Ankündigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann,wegen der Finanzkrise in diesem Jahr auf seinen Millionen-Bonus zu verzichten. Das sei „ein peinlicher Vorgang“, eine "ungeheure Chuzpe", „ein Ablasshandel“, giften sie.

Für die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast ist der Schweizer Ackermann, der Deutschlands größte Bank vor der Krise auf 25 Prozent Rendite trimmte, das Lieblings-Feindbild. „Dass der Mann glaubt, er hätte in diesem Jahr überhaupt einen Bonus verdient, statt dass er sein ganzes Gehalt abgibt, das ist doch eine ungeheure Chuzpe. Wofür denn eigentlich, für sinkende Börsenkurse?“ Es sei ungeheuerlich, dass führende Bankmanager mit am Krisentisch der Regierung gesessen und den Beamten das neue Bankengesetz quasi diktiert hätten, schimpft Künast. Frei nach dem Motto „Gib mir Staatsknete, aber schau mir nicht in die Bücher.“

Das sei „ein peinlicher Vorgang“, giftet SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Struck. Ackermann wolle wohl mit diesem „Ablasshandel“ seine Sünden begleichen.

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Der Vorstand der Deutschen Bank will in der dramatischen Finanzmarktkrise ein Zeichen setzen und verzichtet auf alle Bonus-Zahlungen für dieses Jahr. Auch der Aufsichtsrat schloss sich dem Vorstoß von Bankchef Josef Ackermann an, der nun nach eigener Darstellung „einige Millionen“ weniger kassieren wird als die knapp 14 Millionen Euro im Jahr 2007. Der Schweizer war im vergangenen Jahr der Top-Verdiener aller Dax-Konzernchefs – davon waren im Rekordjahr der Deutschen Bank 90 Prozent erfolgsabhängige Boni. In diesem Jahr wären diese Gehaltbestandteile wegen der Ertragseinbußen wohl ohnehin zusammengeschmolzen.

Ackermann sagte laut „Bild am Sonntag“: „Ich habe dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank mitgeteilt, dass ich in diesem schwierigen Jahr auf meinen Bonus verzichte - zugunsten verdienter Mitarbeiter, die das Geld nötiger haben als ich.“ Damit wolle er „ein ganz persönliches Zeichen der Solidarität setzen“. Auf die Frage, wie hoch dieser Verzicht ausfalle, sagte der Vorstandssprecher: „Genau kann ich das nicht sagen, das Jahr ist ja noch nicht zu Ende. Aber es geht um einige Millionen.“

Banksprecher Michael Lermer sagte, Vorstand und Aufsichtsrat verzichteten auf die variablen Vergütungsanteile. Für 2007 kassierten die vier Vorstandsmitglieder den Angaben zufolge insgesamt 33,2 Millionen Euro, von denen 28,8 Millionen Euro erfolgsbezogene Vergütungen waren. Die 20 Mitglieder des Aufsichtsrats erhielten demnach insgesamt 3,6 Millionen Euro variable Vergütungsanteile.

Lob kam von Wirtschaftsminister Glos. Es sei ein erstes erfreuliches Zeichen, wenn sich ein Vorstand entschließe, seine Bonuszahlungen nicht in die eigene Tasche zu stecken. „Diesem Beispiel müssen viele andere folgen“, sagte der CSU-Politiker. Positiv äußerten sich auch Aktionärsschützer. Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einem „netten und wichtigen Symbol“ - mehr sei der Verzicht aber auch nicht. Wegen der Finanzkrise stelle sich ohnehin die Frage, wie viel Vorstand und Aufsichtsrat für dieses Jahr an erfolgsorientierten Gehaltskomponenten kassiert hätten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte erklärt, für Vorstandsmitglieder einer Bank, die staatliche Hilfe in Anspruch nimmt, halte er eine Obergrenze von 500.000 Euro Jahresgehalt für angemessen. Ackermann kassierte 2007 ein fixes Grundgehalt von 1,15 Millionen Euro und 12,8 Millionen Euro Bonus-Zahlungen.

Nach dem Bonus-Verzicht von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wächst der politische Druck auf die Vorstände anderer Institute, dem Beispiel zu folgen. Bei den anderen deutschen Banken wurde die Initiative Ackermanns sehr zurückhaltend aufgenommen. „Kein Kommentar“ hieß es bei Commerzbank, Postbank, Hypo Real Estate, der LBBW in Stuttgart, oder der IKB. Die Bayerische Landesbank hat sich nach Angaben eines Sprechers mit dem Thema noch nicht befasst. Die Dresdner Bank reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Die neun Vorstände der Commerzbank verdienten im vergangenen Jahr insgesamt 17,6 Millionen Euro. Der damalige Chef der zweitgrößten deutschen Bank, Klaus-Peter Müller, kassierte 3,2 Millionen Euro, davon der größte Teil erfolgsabhängig.

Für die Deutsche Bank kommen staatliche Kapitalhilfen nicht in Frage, wie Ackermann jetzt auf einer Management-Tagung in Frankfurt klarmachte. Damit schloss er aber wie auch andere Institute nicht aus, dass das Geldhaus durchaus Garantien des Bundes in Anspruch nehmen könnte, um sich leichter Liquidität am eingetrockneten Geldmarkt zu beschaffen. Auch in einem solchen Fall drohen den Banken möglicherweise Auflagen des Staates.

Ackermanns Vorpreschen ist Finanzexperten zufolge allerdings nur dann positiv zu werten, wenn die Bank am Ende nicht doch staatliche Hilfen in Anspruch nehmen muss. „Dann würde man den Bonusverzicht nur als vorweggenommene staatliche Auflage werten“, sagte Dieter Hein, Bankenexperte beim Analysehaus Fairesearch.

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