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Deutsche Bank: Ackermanns Alchemie

von Mark Böschen

Die Deutsche Bank legt einen Milliardengewinn vor. Doch einen beträchtlichen Teil davon brachte der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen, die sich so nicht wiederholen lassen. Außerdem wird die Bank immer abhängiger von genau den Investmentbank-Geschäften, die Milliardenverluste und Finanzkrise verursacht haben. Dennoch dürfte Bankchef Josef Ackermann künftig noch stärker auf die riskante Goldmacherei im Handelsraum setzen - trotz der großen Gefahren. Denn die Vermögensverwaltung schwächelt und im Kreditgeschäft steigt die Risikovorsorge wegen drohender Verluste.

Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: AP
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, lehnt an einem Logo der Deutschen Bank. Quelle: AP

Für jemanden, der gerade einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro im zweiten Jahresviertel vorstellt (zwei Drittel höher als im Vorjahresquartal!), klingt Josef Ackermann unerwartet kleinlaut. Das Geschäft im zweiten Halbjahr hänge von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab, und da sei die Bank zurückhaltend, was ihre Erwartung betrifft, "gerade was Arbeitsmarkt und Immobilienmarkt betrifft". Noch schlimmer: "Wir sehen weiterhin Druck auf das Kreditgeschäft", sagt Ackermann. Also auf das Geschäft, das früher als wichtigste Sparte von Banken galt.

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Da ist es auf den ersten Blick ein Glück, dass Ackermanns größter Ertragsbringer - mit Abstand - seit langem die Corporate and Investment Bank ist, die 5,3 der 7,9 Milliarden Euro Ertrag beisteuerte. Das ist ein atemberaubendes Plus von 84 Prozent zum Vorjahresquartal. Aber wie ist das möglich, trotz Finanzkrise? Bringt dieses Geschäft nicht enorme Risiken, hier sind doch die Milliardenverluste des Vorjahres entstanden?

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob die Deutsche-Bank-Aktie derzeit eine attraktive Anlagechance bietet oder vor allem die Gefahr eines erneuten Kurseinbruchs, wenn aus Risiken Verluste werden. Leider kennt diese Antwort niemand außerhalb der Deutschen Bank. Viele Erklärungsversuche, die derzeit kursieren, überzeugen nicht. Verdient die Bank so gut, weil sie bei der Ausgabe der vielen neuen Staats- und Firmenanleihen als Berater verdient? Ja, aber die Erträge im Emissionsgeschäft von 727 Millionen Euro sind eher klein, verglichen mit den 3,5 Milliarden Euro aus dem Sales&Trading-Geschäft - also dem Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. Im Vorjahr brachte der nur 1,4 Milliarden Euro Ertrag. Sollte die Verdopplung wirklich gelungen sein, ohne das Risiko enorm zu steigern? Schön wär's.

Unbekanntes Risiko

"Wir können nicht wissen, welche Risiken die Wall Street eingeht, bis wir wissen, was dort passiert", sagte John Hempton, Gründer des Hedgefonds Bronte Capital und an der Wall Street als erfahrener Finanzexperte bekannt, mit Blick auf das ebenfalls erstaunlich gute Quartalsergebnis von Goldman Sachs. Das gleiche gilt auch für Ackermanns Finanzalchemie. Nur eines ist sicher: Wenn das Labor der Goldmacher in die Luft fliegt, so wie bei Lehman Brothers im September 2008, dann hat der Steuerzahler den Schaden.

Den Gewinn, so lange es gut geht, erhalten zu einem bemerkenswert großen Teil die Angestellten der Investmentbanken. Anders als Rivalen, die Geld vom Staat bekommen haben, kann die Deutsche Bank weiter mit hohen Vergütungspaketen um Investmentbanker werben. Ein Indiz dafür, dass die Ertragsbringer aus dem Alchemielabor wieder gut verdienen, sind die um 16 Prozent zum Vorjahresquartal gestiegenen Kosten für "Compensation and benefits" von 3,14 Milliarden Euro, auch wenn der Anstieg der Personalkosten zum Teil durch Abfindungen wegen des Stellenabbaus verursacht ist.

So erfreulich es ist, dass Deutschlands größte Bank trotz Krise mehr als eine Milliarde verdient: Wenn die Alchemisten wieder das größte Interesse daran haben, das Risiko zu erhöhen, haben wir aus den vergangenen zwei Jahren nichts gelernt.

So beeindruckend auch die Verdreifachung des Deutsche-Bank-Aktienkurses seit dem Tief bei 17 Euro im Februar ist: Es ist sicherer, Aktien von Unternehmen zu kaufen, deren Erträge nicht innerhalb von zwölf Monaten um fast 50 Prozent schwanken.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.07.2009, 12:34 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    @steigenberger: Es ist ja nicht zum aushalten. UbS war bereits faktisch zweimal pleite. Das soll das Vorbild sein? Da macht die Deutsche bank im ersten Halbjahr 2,3 Mrd. Gewinn, braucht keine Staatshilfe und legt noch eine Risikovorsorge an. Und ... die Leute meckern. Verstehe wer das will. Neid, Neid, Neid...

  • 28.07.2009, 21:05 UhrAnonymer Benutzer: Klaus F.

    Ergänzung bzgl. bankbilanzen frisieren und der weiterhin vorhandenen intransparenz.
    Dieser bericht ist zwar bereits einige Monate alt, hat aber an Aktualität nicht verloren. Für nicht bilanzexperten vereinfacht aber dennoch treffend erklärt:

    http://www.youtube.com/watch?v=nMdEZiJqV4k

  • 28.07.2009, 20:20 UhrAnonymer Benutzer: Klaus F.

    Solange die bilanzregeln wachsweich und überaus intranzparent sind, kann Herr Ackermann eine beliebige Zahl (i.d.R. Gewinn) vorgeben und die bilanz wird „legal“ so frisiet bis die gewünschten Zahlen passen.

    Nur ein beispiel:
    Level 3 Assets sind Papiere für die kein Markt und folglich keine Preise existieren. Das gilt etwa für große Teile des billionen Dollar schweren Segmentes verbriefter Kreditforderungen.
    So liegt bei der Deutschen bank das Verhältnis von Level3 Assets zum Eigenkapital bei über 220% (!). Für eine Schätzung dieser Preise - ehrlicherweise kann in diesem Zusammenhang von „bewertung“ keine Rede sein – greift man daher auf Annahmen des Managements des jeweiligen Halters der Papiere zurück. Das können Sie sich, wenn Sie mit bilanzen nicht so viel am Hut haben, ungefähr so vorstellen. Sie werden im Rahmen einer Verkehrskontrolle angehalten und sollen sich einem Alkoholtest unterziehen. Leider gibt es kein Messgerät. Erstaunlicherweise wird jetzt keine offizielle Stelle zu Rate gezogen, vielmehr dürfen sie selbst ran und schätzen nun ihre Fahrtauglichkeit
    ein. „ikannofaaahrn“, wäre in diesem Falle wohl eine typische Einschätzung. Mit dieser Level 3 Fahrtauglichkeit könnten sie sich dann wieder auf den Weg machen.

    Der unehrliche und intransparente Weg wird derzeit weiter verfolgt. Die Vermeidung von Abschreibungen durch Verschleierung von Verlusten, die auf diese Weise nicht verschwinden sondern einfach in die nächsten Jahre verschoben werden, steht offensichtlich im Mittelpunkt.

    banken legen die Meßlatte bei der Kreditvergabe in die Realwirtschaft zurzeit sehr hoch an. Sie sollten die gleichen Kriterien mal bei sich selbst anlegen und sich nicht auf staatliche Subventionierung und Schirme verlassen, sowie ihre bilanzen von diesen unseriösen Luftbuchungen bereinigen.

    Gruß
    Klaus F.

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