Deutsche Bank: Ackermanns letztes Gefecht

Deutsche Bank: Ackermanns letztes Gefecht

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Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann

Josef Ackermann kämpft seinen letzten und schwersten Kampf. Die Deutsche Bank soll ohne Staatshilfe durch die Krise kommen und dann stärker sein als zuvor – mit den Konzepten von gestern.

Eine Diskussion über grundlegende Werte, über „Geld und Geist oder Gott und die Welt“, noch dazu in der Schweizer Heimat? Für Josef Ackermann muss der Termin am vergangenen Donnerstag im Kultur- und Kongresszentrum Luzern eine der angenehmeren Verschnaufpausen von den Mühen des Tagesgeschäfts gewesen sein. Mit dem Mönch Notker Wolf, Abtprimas der Benediktiner, tauschte sich Ackermann beim Schweizer „Forum für Excellence“ eine Stunde lang aus. Das dort an die Wand projizierte Foto mit dem Victory-Zeichen aus dem Mannesmann-Prozess kommentierte er gelassen: „Es gibt schönere Bilder von mir als dieses.“

In seiner beruflichen Heimat Deutschland ist es für den Chef der Deutschen Bank ungemütlicher. Ackermann kämpft den letzten, den schwersten Kampf seiner an Turbulenzen reichen Amtszeit. Er muss beweisen, dass die Bank, die er in den vergangenen sieben Jahren nach seinem Plan umgebaut hat, nicht nur der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte aus eigener Kraft widerstehen kann, sondern auch für die Zeit danach gerüstet ist. Und dass der Glaube an die freien Kräfte des Marktes, den er wie kaum ein anderer vertreten hat, kein Irrtum war. Als einer der letzten Verächter des Staatsgelds unter den großen Bankern kämpft er vor seinem Abgang im Mai 2010 um sein Vermächtnis.

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2002 war der Schweizer mit der Vision angetreten, den Börsenkurs zu verdoppeln und die Deutsche Bank zu einem der zehn weltgrößten Institute zu machen. Nun geht es ums pure Durchhalten. Um jeden Preis will die Deutsche Bank verhindern, dass auch sie den Bittgang zur staatlichen Nothaltebucht für Kreditinstitute vor dem Totalschaden antreten muss, dem Rettungsfonds SoFFin. Von Ministerialbeamten bestellte Aufsichtsräte, gar demütige Talkshowauftritte an der Seite des Finanzministers — für Ackermann eine Horrorvision.

Die Deutsche Bank will von einer Zeitenwende nichts wissen

In der Deutschen Bank herrscht Unsicherheit, aber auch trotziges Selbstbewusstsein. Immerhin ist das Unternehmen ganz gut in das neue Jahr gestartet: "Wir hatten bis Ende Januar 2,8 Milliarden Euro an Erträgen", erklärte Ackermann im Interview mit dem "Handelsblatt". Der Februar habe diese Tendenz bestätigt.

An ihrem Geschäftsmodell, so erklären führende Manager, solle, werde und müsse sich grundsätzlich nichts ändern. Schließlich habe es sich auch in der Krise bewährt. Mögen andere Bankchefs erklären, sie seien besorgt, dass es „nach der Krise wieder so läuft wie vor der Krise“. Mögen Professoren verkünden, dass die Zeit gekommen sei, „die Dinosaurier sterben zu » lassen“. Mag um sie herum alles zusammenbrechen: Die Deutsche Bank will von einer Zeitenwende nichts wissen.

Die Krise ist für sie ein – wenn auch heftiger – Ausschlag in einem zyklischen Geschäft. Deshalb heißt es für Ackermann, von kleineren Korrekturen abgesehen: Augen zu und durch. „Unsere Konzernstrategie hat sich in dieser schwierigen Phase im Grundsatz bewährt.“

Das überrascht angesichts des 2008 erwirtschafteten ersten Verlusts der Nachkriegsgeschichte von fast vier Milliarden Euro. Und angesichts des weltweit drohenden Kollaps des Finanzsystems, der seine Ursache nicht zuletzt in überzogenen Renditeerwartungen und riskanten Geschäften hat. Die Deutsche Bank war einer der größten Mitspieler im Wertpapierkasino.

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