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Deutsche Bank: Ackermanns Verzicht ist nette Kosmetik

von Cornelius Welp (Frankfurt)

Der Chef der Deutschen Bank hat 2008 keinen Bonus bekommen. Das ist richtig, aber nicht wichtig. Die Banken müssten ihre Vergütungsmodelle grundelgend überarbeiten.

WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp
WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

Ist Josef Ackermann nun ein armer Banker? Muss der Schweizer, der sein hohes Gehalt stets mit dem Verweis auf internationale Gepflogenheiten gerechtfertigt hat, nun fürchten, von seiner weltweiten Peer-Group ausgegrenzt zu werden?

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Sicher nicht. Selbst mit seiner Fixvergütung von knapp 1,4 Millionen Euro kann sich Ackermann weltweit sehen lassen. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein etwa, der 2007 umgerechnet noch fast 50 Millionen Euro einstrich, ging 2008 mit 470.000 Euro nach Hause. Dagegen schneidet selbst Commerzbank-Chef Martin Blessing mit seinen staatlich limitierten 500.000 Euro noch gut ab. Brady Dougan, Chef der Credit Suisse, bekommt dagegen trotz Bonusverzicht umgerechnet noch etwa 1,9 Millionen Euro.

Der mehr oder weniger freiwillige Verzicht auf den Jahresbonus ist bei den Topbankern en vogue. Inmitten all der unappetitlichen Halte-, Antritts-, Abschieds- und Garantieboni, der auf Staatskosten aufgehübschten Chefbüros und Firmenflieger, ist er zumindest eine nette Geste. Auch wenn sie den Betroffenen nicht weh tut, verdient sie zumindest Respekt.

Mehr nicht. Denn ob der Verzicht mehr als pure Kosmetik ist, werden erst die nächsten Monate zeigen. Die Banken müssen das Übel bei der Wurzel packen und ihre Vergütungsmodelle grundlegend reformieren. Die Entlohnung der Topmanager ist dabei nur die Spitze eines weitgehend unsichtbaren Eisbergs. Viel zu oft wurde vor allem im Investmentbanking zu kurzfristig und allein nach Masse statt Klasse bezahlt.

Der große Wurf fehlt

Dass Erfolge schnell und hoch belohnt, Fehlschläge aber kaum bestraft wurden, ist eine der wesentlichen Ursachen der Krise. Bisher hat freilich nur die Schweizer UBS ein komplett neues Entlohnungsmodell vorgestellt. Die anderen Banken haben die Kompensation zwar in Details angepasst. Ein großer Wurf ist aber nicht darunter.

Ackermann hat als Chef des weltweiten Branchenverbandes schon vor Monaten eine Reform angemahnt. Über Absichtserklärungen ist diese bisher nicht heraus gekommen. Nur wenn er und seine Kollegen neue Standards setzen, die den irrwitzigen Wettlauf künftig verhindern, können sie den Vorwurf entkräften, bloß Medienpflege zu betreiben. Ackermanns vor wenigen Monaten geäußerte Hoffnung, bei der finanzschwachen Konkurrenz nun im großen Stil Talente abwerben zu können, lässt zumindest Zweifel an einer tieferen Einsicht zu.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.03.2009, 21:04 UhrAnonymer Benutzer: GWern

    Sehr geehrter Herr Ackermann,
    was halten Sie eigentlich davon, ihr auf Grund der entgangenen Gewinne, ihre boni zu spenden. Wer so viel Geld bekommt- verdienen tun Sie es ja nicht, kann auch spenden. Es gibt genug Arme in Deutschland....und es gibt Arme , die Armen kostenlos helfen. Haben Sie schon mal was gelesen darüber?? ihr Name hat keinen guten Ruf, weil Sie unnahbar, grinsend überheblich und arrogant sind.
    Also handeln Sie mal und lassen nicht mind. 6 Nullen Schulden vorm Komma anwachsen. Haben banker eine andere Rechenart gelernt. Wenn mir 20 Euro fehlen, kann ich nichts mehr kaufen.
    Warum merken Sie es zu spät?

    Wo ist denn all das Geld gelandet, was heute fehlt?? Hoffentlich machen die Schweiz und andere Länder mal die Tresore auf, damit wir wissen wer den Staat abzockt. Nicht der Hartz iV - Empfänger.-Die REiCHEN.

  • 26.03.2009, 16:41 UhrAnonymer Benutzer: doubi

    Worum geht es?
    Um die Verantwortung.
    Übernehmen die Verantwortungsträger wirklich die Verantwortung?
    Nein. Sie lassen sich dafür bezahlen, tragen sie jedoch nicht.
    beispiele?
    iKb, Frau Schaeffler, Märklin, Hypo Real Estate: Nicht wir haben uns übernommen oder falsche Entscheidungen getroffen oder schlechte Manager beschäftigt - nein, die Krise, das unvorhersehbare Naturereignis, ist schuld.

    Ein beispiel aus der Nicht-Finanzwelt gefällig?
    Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs.
    Die Verkehrsbetriebe sagen: "Die Verantwortung trägt, wer verantwortlich ist."
    Der Oberbürgermeister sagt: "ich trage keine Verantwortung", obwohl ihm die Stadtverwaltung als oberster Dienstherr unterstellt ist und die Verkehrsbetriebe indirekt eine Tochter der Stadt Köln sind.
    Die bauträger sagen: "Wir tragen keine Verantwortung, die Verkehrsbetriebe hatten die bauaufsicht inne."
    (Ergo: Der bauherr kontrolliert sich selbst.)

    An dieser Prinzipienlosigkeit wird unsere Gesellschaft über kurz oder lang zugrunde moralisch und ökonomisch zugrunde gehen.

  • 25.03.2009, 22:31 UhrAnonymer Benutzer: Mattin

    Populismus nennen es viele hier, wenn die, die nichts vom Kuchen abbekommen oder aber nur die Krümel, über diejenigen herziehen, die den Hals nicht vollbekommen. Doch dieser Populismus ist es, der Revolutionen auslöste und den Kapitalismus in letzter instanz möglich machte. Es waren immer die Revolutionen von unten, die die Welt auf neue Füße stellten. Der Verzicht von Ackermann (mir wird schon übel, bei seinem Einkommen von Verzicht zu sprechen) ist letztlich nur der Versuch, die nächste Änderung herauszuzögern und den Pöbel zu beruhigen. Die Zeit wird es zeigen, Kommunismus funktionierte nicht, der Kapitalismus geht jetzt seinem Ende zu ..

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