
Ist Josef Ackermann nun ein armer Banker? Muss der Schweizer, der sein hohes Gehalt stets mit dem Verweis auf internationale Gepflogenheiten gerechtfertigt hat, nun fürchten, von seiner weltweiten Peer-Group ausgegrenzt zu werden?
Sicher nicht. Selbst mit seiner Fixvergütung von knapp 1,4 Millionen Euro kann sich Ackermann weltweit sehen lassen. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein etwa, der 2007 umgerechnet noch fast 50 Millionen Euro einstrich, ging 2008 mit 470.000 Euro nach Hause. Dagegen schneidet selbst Commerzbank-Chef Martin Blessing mit seinen staatlich limitierten 500.000 Euro noch gut ab. Brady Dougan, Chef der Credit Suisse, bekommt dagegen trotz Bonusverzicht umgerechnet noch etwa 1,9 Millionen Euro.
Der mehr oder weniger freiwillige Verzicht auf den Jahresbonus ist bei den Topbankern en vogue. Inmitten all der unappetitlichen Halte-, Antritts-, Abschieds- und Garantieboni, der auf Staatskosten aufgehübschten Chefbüros und Firmenflieger, ist er zumindest eine nette Geste. Auch wenn sie den Betroffenen nicht weh tut, verdient sie zumindest Respekt.
Mehr nicht. Denn ob der Verzicht mehr als pure Kosmetik ist, werden erst die nächsten Monate zeigen. Die Banken müssen das Übel bei der Wurzel packen und ihre Vergütungsmodelle grundlegend reformieren. Die Entlohnung der Topmanager ist dabei nur die Spitze eines weitgehend unsichtbaren Eisbergs. Viel zu oft wurde vor allem im Investmentbanking zu kurzfristig und allein nach Masse statt Klasse bezahlt.
Der große Wurf fehlt
Dass Erfolge schnell und hoch belohnt, Fehlschläge aber kaum bestraft wurden, ist eine der wesentlichen Ursachen der Krise. Bisher hat freilich nur die Schweizer UBS ein komplett neues Entlohnungsmodell vorgestellt. Die anderen Banken haben die Kompensation zwar in Details angepasst. Ein großer Wurf ist aber nicht darunter.
Ackermann hat als Chef des weltweiten Branchenverbandes schon vor Monaten eine Reform angemahnt. Über Absichtserklärungen ist diese bisher nicht heraus gekommen. Nur wenn er und seine Kollegen neue Standards setzen, die den irrwitzigen Wettlauf künftig verhindern, können sie den Vorwurf entkräften, bloß Medienpflege zu betreiben. Ackermanns vor wenigen Monaten geäußerte Hoffnung, bei der finanzschwachen Konkurrenz nun im großen Stil Talente abwerben zu können, lässt zumindest Zweifel an einer tieferen Einsicht zu.













