Deutsche Bank: Bester Kompromiss

KommentarDeutsche Bank: Bester Kompromiss

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Kombo zeigt Anshu Jain (l) , Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und Jürgen Fitschen, Head of Global Markets und Mitglied des Deutsche Bank Group Executive Committee

Ein Duo aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen an der Spitze der Deutschen Bank wäre die schlechteste Lösung – außer allen anderen.

Ein Doppel an der Unternehmensspitze ist keine gute Idee. Für Außenstehende bleibt unklar, wer nun eigentlich der oberste Repräsentant ist und die Verantwortung trägt, intern gibt es zwischen den meist mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestatteten Anführern fast immer Rangeleien und Machtkämpfe um Kompetenzen. Die Erfahrung zeigt, dass solche Konstruktionen fast nie von Dauer sind und sich letztlich der Stärkere durchsetzt – oft nach zermürbenden internen Auseinandersetzungen mit schädlicher Lagerbildung.   

Trotzdem ist das bei der Deutschen Bank nun favorisierte Modell einer Doppellösung mit dem gebürtigen Inder Anshu Jain und Deutschlandchef Jürgen Fitschen ein tragfähiger Kompromiss bei der jahrelang vergeblichen und zunehmend verworrenen Suche nach einem würdigen Nachfolger Josef Ackermanns. Jain hat nicht nur Erfolge nachzuweisen, er repräsentiert auch das weltweite Gesicht des Instituts, das international trotz Zukäufen wie der Postbank und Sal. Oppenheim immer noch in erster Linie als Investmentbank wahrgenommen wird. Bei ausländischen Investoren, die mit der politischen Bedeutung der Deutschen Bank auf ihrem Heimatmarkt nicht so vertraut sind, sorgen die Bedenken wegen seines mangelnden Deutschseins ohnehin für Verwunderung.

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Fitschen ist ein guter und geschätzter Netzwerker

Fitschen kann genau dieses Defizit Jains, das nicht von der Hand zu weisen ist, beheben. Der demnächst 63-jährige Manager steht für Geradlinigkeit, er ist in der Politik wie auch bei den großen Unternehmenskunden bestens vernetzt - und hoch geschätzt. Und wer Fitschen kennt, weiß, dass hier kein altersmilder Frühstücksdirektor auf den Chefstuhl gehievt würde, sondern ein tatkräftiger, pflichtbewusster und durchsetzungsfähiger Manager mit dem Mut zur eigenen Meinung.

Dass es zwischen beiden einen fundamentalen Zielkonflikt gibt, Jain die ältere Übergangslösung Fitschen überrollt und die von Ackermann eingeleitete Hinwendung zum deutschen Markt zugunsten verschärfter Casinospielchen wieder rückgängig macht, ist unwahrscheinlich. Auch Jain hat den Nutzen eines breiteren und damit stabileren Geschäftsmodells erkannt. Schließlich hat schon die künftige Regulierung die Bedeutung von Spareinlagen enorm aufgewertet.  

Leben nach Ackermann

Mit dem Doppel hielte sich die Deutsche Bank alle Optionen offen. Wenn Fitschen in einigen Jahren aus Altersgründen aufhört, hat sie die Chance zur Neubewertung. Sollte Jain in dieser Zeit in Deutschland ausreichend Profil gewonnen und bestehende Vorbehalte beseitigt haben, kann er das Institut anschließend alleine führen. Wenn nicht, kann ein anderer Vorstand nachrücken. Bis dahin müsste sich keiner der übrigen Topmanager, die alle zwischen Ende 40 und Mitte 50 sind, übergangen fühlen.

Natürlich würde sich die Deutsche Bank durch einen solchen Kompromiss Zeit erkaufen und die Entscheidung über die endgültige Führungsstruktur einmal mehr aufschieben. Das Thema wäre nicht endgültig abgehakt, sondern bliebe latent präsent. Allerdings wäre in jedem Fall eine Lösung in Sicht, für die es Argumente gibt. Es wäre ein Ausweg aus der verfahrenen Lage, die für das Institut zunehmend untragbar geworden ist. Und der Beweis dafür, dass die Deutsche Bank auch dann noch funktioniert, wenn ihr Chef nicht mehr Josef Ackermann heißt. 

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