Deutsche Bank: Clemens Börsig - Aufsichtsratsvorsitzender auf Abruf

KommentarDeutsche Bank: Clemens Börsig - Aufsichtsratsvorsitzender auf Abruf

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WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

Beim heutigen Aktionärsrtreffen der Deutschen Bank will der Versammlungsleiter den Eindruck von Normalität erwecken. Doch das täuscht. Sein Rückzug scheint unvermeidlich.

Was macht Clemens Börsig? Die Hauptversammlung der Deutschen Bank ist der erste öffentliche Auftritt ihres Aufsichtsratsvorsitzenden, nachdem dessen Ambitionen bekannt geworden waren, Josef Ackermann als Bankchef zu folgen. Oder war alles ganz anders? Gleich zu Beginn der Versammlung stellt der Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer klar, dass „Dr. Börsig im gesamten Prozess keine eigenen Ziele verfolgt hat.“

Doch damit ist das Thema nicht erledigt. Aktionärsschützer kritisieren Börsig scharf, fordern seinen Rücktritt. Über die Anfeindungen geht der Gescholtene scheinbar emotionslos hinweg. Mit knarziger Stimme bedankt er sich sogar für den Beitrag eines Redners, der ihm den sofortigen Rückzug empfiehlt. Ganz so, als wäre das alles nur ein Punkt der Tagesordnung unter vielen.

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Ist es aber nicht. Es scheint kaum glaubhaft, dass sich Börsig wirklich auf Dauer auf seinem Posten halten kann. Seine öffentliche Reputation ist, ob zu Recht oder Unrecht, so schwer angeschlagen, dass er das Thema kaum aussitzen kann. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Aufsichtsratsvorsitzenden einen geeigneten Vorstandschef zu finden. An dieser ist Börsig, unabhängig von möglichen eigenen Ambitionen, gescheitert. Ackermanns Vertrag läuft nun bis 2013.

Doch um eine ähnliche Blamage in der Zukunft zu verhindern, muss sich der Aufsichtsrat schon bald wieder mit dem Thema beschäftigen. Börsig scheint hierfür kaum noch geeignet. An seinem Abgang zu einem geeigneten Zeitpunkt führt deshalb wohl kein Weg vorbei. Ob die sich anbahnende Bespitzelungsaffäre, deren Details noch unbekannt sind, diesen beschleunigen wird, kann derzeit niemand sagen.

Kaum Kritik an Ackermann

Ganz anders sieht die Lage derzeit für Josef Ackermann aus. Selten wohl wurde der Vorstandsvorsitzende eines Konzerns, der im abgelaufenen Jahr einen Rekordverlust eingefahren und den Aktienkurs halbiert hat, so enthusiastisch und einhellig gefeiert. Er gilt nicht als Mann der Vergangenheit, sondern als Versprechen für eine bessere Zukunft.

Dass die Aktionäre, seinen Entschluss „der Bank weiter zu dienen“ mit langem Applaus bedenken, spornt ihn offenbar weiter an. Wirkte der Chef der Deutschen Bank bei vergangenen öffentlichen Auftritten mitunter müde, so barst er nun geradezu vor Energie. 25 Prozent Rendite? Na klar. Flucht in Qualität? Die Deutsche Bank ist ganz vorne mit dabei. Ob mit oder ohne Börsig – Ackermann wird sich in den kommenden Jahren nicht auf den Ruhestand vorbereiten, sondern weiter angreifen.

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