Deutsche Bank: Das Ende des Zehn-Milliarden-Traums

KommentarDeutsche Bank: Das Ende des Zehn-Milliarden-Traums

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WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

Die Deutsche Bank erkennt, dass sie sich der Staatsschuldenkrise nicht entziehen kann und gibt ihr Eregbnisziel nun auch offiziell auf. Für Bankchef Josef Ackermann ist das nur eine kleine Niederlage.

Es war im Dezember 2009, als Josef Ackermann die Märkte mit einer ehrgeizigen Ankündigung verblüffte, begeisterte und schockierte. Gut ein Jahr nach der Lehman-Brothers-Pleite stellte der Chef der Deutschen Bank ein Rekordergebnis für das Jahr 2011 in Aussicht. Zehn Milliarden Euro könne das Institut vor Steuern verdienen, so Ackermanns Botschaft, mehr als je zuvor, rund ein Drittel mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007. An Investoren und Mitarbeiter war das ein deutliches Signal der Stärke und des Selbstbewusstseins. Wer Ackermanns Wirken  ohnehin kritisch sah, durfte sich hingegen bestätigt fühlen: Offenbar zählte der Schweizer zu den Unbelehrbaren, die trotz der Milliardenverluste der Finanzkrise nicht vom übertriebenen Renditestreben lassen konnten - zumal zwei Drittel des Vorsteuergewinns aus dem Investmentbanking stammen sollten.

Kein Signal der Schwäche

Daraus wird nun nichts. Dass Ackermann das Ziel nun aufgibt, ist keine Überraschung und damit auch kein Signal der Schwäche. In den vergangenen Wochen hatten er und die Bank die Außenwelt schon behutsam darauf vorbereitet, dass der große Wurd wohl ausbleibt, waren mit wohl austarierten Formulierungen ein Stück weit von der Wunschzahl abgerückt. „Unser Anspruch könnte unter den beschriebenen Rahmenbedingungen nur schwer zu erfüllen sein“, teilte Ackermann den Aktionären etwa zum Ende des zweiten Quartals mit. Von Beginn an stand die Vorgabe unter der Voraussetzung normal funktionierender Märkte. Die gibt es schon seit Monaten nicht mehr, was es Ackermann nun leicht macht, die Prognose zu revidieren. Zahlreiche Analysten hielten das Ziel ohnehin von Beginn an für nicht erreichbar.

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Abgang ohne Rekord

Der Schuldenkrise kann sich natürlich auch die Deutsche Bank nicht entziehen. Ihre Mitteilung zeigt, wie weit diese davon entfernt ist, gelöst zu werden. Sie macht zudem einmal mehr deutlich, wie eng Staaten und Bankenmiteinander verbunden sind. Die Lage des Instituts erinnert in manchem an den Spätherbst 2008. Die Deutsche Bank gehört heute wie damals zu den Booten, die oben in einem Strudel schwimmen, der die gesamte Branche nach unten zieht. Sie zeigt im allgemeinen Abwärtstrend immerhin relative Stärke. So auch in der Ankündigung, 500 Stellen im Investmentbanking abzubauen. Das ist zwar eine erkleckliche Zahl, aber deutlich weniger als bei den meisten Konkurrenten.    

Für Ackermann ist die heutige Ankündigung nur eine kleine Niederlage. Er hätte sich liebend gerne mit einem Ergebnis verabschiedet, wie es die Welt bei der Deutschen Bank noch nicht gesehen hat. Seit der Ankündigung haben Mitarbeiter aller Bereiche darauf hin gearbeitet, ihm den Abschied im Mai kommenden Jahres mit der Erfüllung seiner Wunschvorgabe zu versüßen. Nun muss er ohne diese Krönung seiner zehnjährigen Laufbahn abtreten. Dass er keine neue Prognose abgibt, ist ein weiteres Indiz für die Unsicherheiten im Finanzsektor.      

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