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Deutsche Bank: Hat Ackermann Informationen zurückgehalten?

von Cornelius Welp (Frankfurt)

Die Deutsche Bank hat ihre Abschreibungen wegen der Finanzkrise mehr als verdoppelt. Die Illusion, die Krise weitgehend ohne Blessuren überstanden zu haben, hat empfindlich gelitten.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Chef Ackermann bei den Konkurrenten angeprangert Quelle: dpa

Am vergangenen Dienstag reiste Josef Ackermann zu einer Investorenkonferenz nach London. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch er hatte etwas mehr im Gepäck als sonst. Denn kurz nachdem die Schweizer Großbank UBS einen Quartalsverlust von umgerechnet 7,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatte, bekannte auch der Chef der Deutschen Bank Farbe. 2,5 Milliarden Euro wird das Institut im ersten Quartal abschreiben. Damit haben sich seine Wertkorrekturen im Zuge der Finanzkrise auf nun knapp fünf Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

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Die von Ackermann gepflegte Illusion, dass die Deutsche Bank die Krise weitgehend ohne Blessuren überstanden habe, hat empfindlich gelitten. Der Bankchef muss sich nun fragen lassen, ob er die Öffentlichkeit nicht früher und deutlicher über die anstehenden Berichtigungen hätte informieren sollen – und ob deren Ausmaß wirklich überhaupt nicht absehbar war.

Sicher, verglichen mit der UBS sind die neuerlichen Milliarden nicht viel. Die Schweizer Großbank musste nun insgesamt bereits 25 Milliarden Euro abschreiben. Auch wenn die Bank meint, endlich einen Schlussstrich gezogen zu haben, sehen einige Analysten das Institut nach wie vor in einer „existenzbedrohenden Krise“.

Eine schlechte Nachricht im Echo einer noch schlechteren zu veröffentlichen war ein gutes Timing der Deutschen Bank. Die Börse honorierte die Offenlegung mit Kursgewinnen. Doch die Höhe der Abschreibungen überrascht für eine Bank, deren Chef gerade zu Beginn der Krise mit dem Finger auf andere zeigte. Zwar hätten „alle mit weiteren Abschreibungen gerechnet, aber das war mehr als erwartet“, sagt ein Analyst einer deutschen Privatbank. Zumal Ackermann noch im Februar bekräftigt hatte, an seiner „Vision“ eines Gewinns von 8,4 Milliarden Euro vor Steuern für das laufende Jahr festzuhalten. Eine spätere Korrektur sei nicht auszuschließen, warnte er vage. Die Bank werde die bei Bedarf umgehend kommunizieren.

Für das vierte Quartal hatte sie den Wert der Kreditpakete aus Übernahmen um gerade mal 50 Millionen Euro nach unten korrigiert. Sonstige Abschreibungen hatte es nicht gegeben. Auch das führte dazu, dass Ackermann für das Gesamtjahr ein Rekordergebnis vorlegen konnte. Und es entstand der Eindruck, dass die Deutsche Bank das Schlimmste hinter sich habe.

Das änderte sich jedoch schon wenig später. Ackermanns Andeutungen wurden in den vergangenen Monaten zunehmend vorsichtiger. So schrieb er im am 26. März vorgelegten Geschäftsbericht, dass Abschreibungen und ein rückläufiges Geschäft im Investmentbanking „die Erreichung unseres veröffentlichten Gewinnziels negativ beeinflussen könnten“. Wenige Tage zuvor hatte er mit dem beiläufigen Nebensatz, dass die Selbstheilungskräfte des Marktes in Amerika nicht ausreichten, eher unfreiwillig für Aufsehen gesorgt. Schon früher hatte er sich sehr skeptisch geäußert. So hatte er bereits im Januar prognostiziert, dass sich der „Kollaps“ der Marktpreise fortsetzen werde.

Genau der macht der Bank jetzt zu schaffen. Er trifft etwa ihre Kredite aus Private-Equity-Übernahmen wie etwa der der britischen Drogeriekette Alliance Boots durch den Investor KKR . Derartige Kreditpositionen der Deutschen Bank belaufen sich auf insgesamt 36 Milliarden Euro. Ein entsprechender Index der Ratingagentur Standard & Poor’s fiel im ersten Quartal um acht Prozentpunkte auf ein Tief von 87 Prozent. Die Pakete lassen sich demnach im Schnitt nur mit einem Abschlag von 13 Prozent verkaufen, falls überhaupt.

Es ist durchaus möglich, dass sich die Preise wieder erholen. Anders als bei den berüchtigten Subprime-Krediten gibt es hier bisher keine Ausfälle. „Das sind eigentlich gute Unternehmen, wir sehen hier auf dem Zweitmarkt Chancen“, sagt der Chef einer großen Anlagegesellschaft. Allerdings spekuliert er, dass die Preise noch weiter fallen. Auch Ackermann rechnet mit anhaltend „schwierigen Marktbedingungen“.

Doch „dass es hier noch deutliche Korrekturen geben wird, war schon Anfang des Jahres absehbar“, sagt ein hochrangiger Investmentbanker. Denn da wurden bereits Pakete mit Abschlägen von bis zu zehn Prozent verkauft. Dennoch haben die Banken ihre Werte zunächst nur zögernd angepasst. Möglich macht das die Bewertung nach Marktpreisen, die einen gewissen Spielraum offen lässt. Ob die 50 Millionen im vierten Quartal realistisch waren, lässt sich deshalb kaum prüfen. Damit hatte die Deutsche Bank den Wert ihrer Pakete um knapp 650 Millionen Euro — also etwa zwei Prozent — reduziert. Auch Marktführer Goldman Sachs schrieb im ersten Quartal eine Milliarde Dollar bei Übernahmekrediten ab und hatte Ende vergangenen Jahres nur „bescheidene Korrekturen“ vermeldet.

Weh tut der Deutschen Bank zudem, dass nun auch Pakete mit Krediten aus Gewerbe- und sogenannten Alt-A-Immobilien, deren Schuldner eine durchschnittliche Bonität aufweisen, betroffen sind. „Dass alle Werte in dem Ausmaß unter Druck geraten würden, konnte Ackermann Anfang Februar wohl nicht wissen“, sagt Dieter Hein, Geschäftsführer des Analysehauses Fairesearch. Dass es zu neuerlichen Korrekturen kommen würde schon. Hein hält es nun für möglich, dass die Bank im ersten Quartal einen Verlust melden muss.

Etwas weniger Euphorie hätte Ackermann also auch an seinem 60. Geburtstag, an dem er die Zahlen präsentierte, nicht schlecht gestanden. „Viele haben Zuflucht zur Salamitaktik gesucht“, lästerte er da über die Konkurrenz, die ihre Belastungen unzureichend offengelegt habe. Salami-taktik scheint auch ihm nicht gänzlich fremd zu sein.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.04.2008, 08:22 UhrAnonymer Benutzer: PetersenM

    Fazit: Die Finanzkrise ist in erster Linie eine (in-)Kompetenzkrise, d.h. auf allen Ebenen der beteiligten institutionen wurde offenkundig, daß es hier wie dort inkompetente Entscheidungsträger waren, die das Problem heraufbeschworen haben. Ackermann, das Gros der Landesbanker (Vorstände, (Nicht.)-Aufsichtsräte, diplomierte Mathematiker im Risk Management und und und....Das sich was ändern wird, ist wenig wahrscheinlich, weil, auf welche Weise sollte sich plötzlich Kompetenz einstellen???

  • 15.04.2008, 10:54 UhrAnonymer Benutzer: Zamir Zebulovic

    Die Abgehobenheit und Arroganz der führenden bank-inSekten ist schon erstaunlich, da lob' ich mir die wunderschönen Schrumpfköpfe
    aus Neu-Guinea; wunderbar anzuschauen und doch so majestätisch
    und absolut friedlich und abwaschbar. Hier ist der Fortschritt bereits
    deutlich sichtbar, auch ohne Zivilisation.
    Gruss Zamir

  • 09.04.2008, 08:59 UhrAnonymer Benutzer: Melita Zimmermann

    Es geht nicht darum politisch angehauchte Kommentare zu verfassen, sondern sich auf die aktuellen Fakten zu bschränken!
    in meinem Kommentar habe ich diese aufgelistet nicht mehr und
    nicht weniger. Ackermann hat nicht gelogen, ob es manchen Leuten
    gefällt oder nicht!

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