Deutsche Bank: Keine Alternative zu Ackermann

KommentarDeutsche Bank: Keine Alternative zu Ackermann

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WirtschaftsWoche-Redakteur Cornelius Welp

Josef Ackermnann hat seinen Vertrag überraschend verlängert. Für die Bank ist das die beste Entscheidung in schwierigen Zeiten - auch weil Alternativen fehlten.

Die Reaktion war erwartbar, und sie ließ auch nicht lange auf sich warten. „Ein schlimmes Signal“, sei die Vertragsverlängerung von Josef Ackermann als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, erklärte der SPD-Vize-Fraktionschef Joachim Poß. Wegen seiner „irrwitzigen Renditevorgaben“ eigne sich der Chef der Deutschen Bank künftig „weder als Sprachrohr der Branche noch als Gesprächspartner der Politik".

Der Wahlkampf in Berlin hat längst begonnen. Denn in Wahrheit ist Ackermanns überraschende Vertragsverlängerung das Beste, was der Deutschen Bank passieren konnte. Ackermann hat das Institut in den vergangenen Jahren ganz nach seinen Vorstellungen umgebaut, er ist die Integrationsfigur zwischen den unterschiedlichen Kulturen in der Bank, er ist das weltweit anerkannte Gesicht von Deutschlands größter Bank. Er ist damit zweifellos auch Repräsentant jener Kultur, die das beispiellose Desaster der vergangenen Monate erst angerichtet hat. Aber unter seiner Führung ist es gelungen, immerhin respektabel durch die Krise zu manövrieren. Dass er dabei bisher keine Staatsgelder brauchte, sollten Politiker eigentlich honorieren. Leider scheint dies viele zu ärgern.

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Einen logischen Nachfolger mit vergleichbarer Reputation nach außen und innen gab es nicht. Das mag ein Versäumnis des machtbewussten und im persönlichen Umgang nicht immer einfachen Ackermanns sein. In turbulenten Zeiten ist es aber dann nur folgerichtig, am Vertrauten fest zu halten. Ein Neuling hätte kaum Zeit gehabt, sich in seine überaus komplexe Rolle einzuarbeiten. Dass der Chef der Deutschen Bank in Deutschland nicht nur am wirtschaftlichen Erfolg gemessen wird, musste etwa auch Ackermann erst schmerzhaft lernen. Die zuletzt am höchsten gehandelten Kandidaten wären zudem eher Übergangslösungen gewesen. In vier Jahren kann nun ein jüngerer Manager den Posten übernehmen.

Die Krise ist längst nicht ausgestanden

Bis dahin bleibt für Ackermann trotz des heute verkündeten Milliardengewinns noch viel zu tun. Denn die Krise ist längst nicht ausgestanden. So stehen außer dem Investmentbanking alle Geschäftsbereiche der Deutschen Bank heute deutlich schlechter da als beim Jahresabschluss 2008. Dass ausgerechnet im volatilen Kapitalmarktgeschäft die Erträge nun schon wieder dauerhaft so sprudeln wie vor der Krise, glaubt wohl nicht einmal Ackermann selbst. In vielen Bereichen stehen zudem größere Umbauarbeiten an - etwa in der Vermögensverwaltung, die erneut ein enttäuschendes Ergebnis ablieferte.

Einen grundlegenden Strategiewandel wird es unter Ackermann allerdings nicht geben. Er wird am Konzept einer Investmentbank mit starkem Privatkundengeschäft festhalten. Dass Ackermann dabei heute noch einmal eine Vorsteuerrendite von 25 Prozent verkünden konnte, hat viele überrascht. Wenn ihm dies in den kommenden Jahren noch mehrfach gelänge, wäre es fast eine Sensation.

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