Deutsche Bank: Riskante Rochade

KommentarDeutsche Bank: Riskante Rochade

von Mark Fehr

Die Deutsche Bank sollte die Chance nutzen, Vorstand und Aufsichtsrat in einem Aufwasch neu zu besetzen. Doch bei diesem Postenwechsel ist kompetentes Risikomanagement gefragt.

Die Frage, wer führt, ist genauso wichtig wie die Frage, wer kontrolliert. Aktionäre, Mitarbeiter und nicht zuletzt Kunden der Deutschen Bank brauchen eine starke Vorstandsspitze aber auch einen starken Chef-Aufseher, der dem Top-Management auf die Finger schaut.

Daher ist es zu verstehen, dass die Beteiligten die Gunst der Stunde nutzen wollen, um die Nachfolgefrage an gleich zwei Schaltstellen von Deutschlands größter Bank in einem Aufwasch zu klären. Im Vorstand gilt es, die Erben des scheidenden Vorsitzenden Josef Ackermann zu benennen. Mit dem Investmentbanker Anshu Jain und Jürgen Fitschen, dem Chef des Deutschland-Geschäfts, könnte eine Doppelspitze das Ruder übernehmen. Doch auch im Aufsichtsrat muss eine wichtige Personalentscheidung her.

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Ackermann könnte im Aufsichtsrat zum Risiko werden

Clemens Börsig, der derzeitige Oberkontrolleur, hat Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber bei der Nachfolgersuche zu lange zappeln lassen, so dass dieser sich letztlich einen Top-Posten bei der Schweizer Konkurrentin UBS schnappte. Bei dieser wichtigen Weichenstellung hat der Aufsichtsratsvorsitzende versagt, so dass seine Ablösung immer wahrscheinlicher geworden ist.

Vertreter der Deutschen-Bank-Belegschaft haben bereits Vorstandschef Ackermann als Börsig-Nachfolger ins Spiel gebracht. Die Rochade klingt reizvoll für alle, die Ackermanns Einfluss und Bekanntheit für das Geldinstitut bewahren wollen. Der Deutsche-Bank-Chef hat sich in diesen Tagen anlässlich der Euro-Krise wieder einmal als unverzichtbarer Berater für deutsche und europäische Politiker in Szene gesetzt

Rollenwechsel

Doch die Befürworter eines Aufsichtsratsrats Ackermann sollten sich über die Risiken dieser Besetzung im Klaren sein. Die Stellenbeschreibung des Chef-Kontrolleurs unterscheidet sich komplett von den Anforderungen an eine Vorstandsspitze. Selbst wenn sich auf der Hauptversammlung die erforderlichen Stimmen mobilisieren lassen, mit denen Ackermann ausnahmsweise ohne Warteperiode in den Aufsichtsrat wechseln könnte, sind noch zahlreiche Risiken aus dem Weg zu räumen.

Der Ruf der Deutschen Bank steht auf dem Spiel, sollte Ackermann die Kontrollmacht als Aufsichtsrat dazu nutzen, seine Agenda aus der Zeit als oberster Manager fortzuführen. Das muss auch denjenigen Aktionären und Mitarbeitern klar sein, die sich insgeheim wünschen, dass der Schweizer Vorzeigebanker noch ein weiteres Mal seinen Vertrag als Vorstandschef verlängert hätte.

Die neue Position verlangt zudem einen Charakterwechsel, von dem nicht klar ist, ob der charismatische Ackermann ihn hinbekommt. Als Kontrolleur muss er Fäden ziehen, was er auch vorher schon ausgiebig getan hat. Allerdings wird er dies dann in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit tun müssen, denn als Aufsichtsrat darf er den Vorständen nicht die Schau stehlen.

Ackermann selbst hat gesagt, kein Geschäft sei es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen. Dieses Credo muss auch für Personalentscheidungen gelten. Der große Vorsitzende muss jetzt also beweisen, ob er wirklich in eine neue Rolle schlüpfen kann, die sich von seiner jetzigen Aufgabe so stark unterscheidet.

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