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Deutsche Post: Deutsche Post plant radikalen Umbau der Briefsparte

von Christian Schlesiger

Der Konzern will die Briefsparte radikal umbauen, alle Filialen verkaufen und seine Billigtochter First Mail stärker einspannen.

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Auf dem Treffen der Führungskräfte schwor Post-Vorstand Jürgen Gerdes seine rund 50 Top-Manager auf einen radikalen Umbau der Briefsparte ein. Eine Milliarde Euro soll der Bereich binnen eines Jahres einsparen – dauerhaft; rund das Fünffache des bisher veranschlagten Betrags in Höhe von 180 Millionen Euro. Die neue Sparaktion ist die größte seit Bestehen der Briefsparte. Schon in diesem Spätsommer soll sie starten. Ihr Name: Projekt One.

Noch ist das Briefgeschäft der gewinnträchtigste Bereich der Deutschen Post. 1,4 Milliarden Euro verdiente der Konzern hier 2009 operativ. Insgesamt weist er für das vergangene Jahr einen operativen Gewinn von rund 1,5 Milliarden Euro aus. Doch das Briefgeschäft schrumpft. E-Mails und die wachsende Zahl an Wettbewerbern setzen der Post zu. Zwar will sie Mitte Juli einen E-Postbrief anbieten, eine besonders sichere und rechtsverbindliche E-Mail, die digital oder als Papierbrief zugestellt werden kann. Aber ob das ein Erfolg wird, ist unklar.

Größere Einnahmen erhofft sich Brief-Vorstand Gerdes durch den Verkauf der 350 Filialen, die der Konzern noch in Eigenregie betreibt. Die ehemalige Konzerntochter Postbank hat an 277 Filialen Interesse angemeldet. Sie könnte mehr als 100 Millionen Euro zahlen-  und auch Mitarbeiter übernehmen. Zudem erwägt die Post, in ausgewählten Bezirken Pakete und Briefe gemeinsam zustellen zu lassen, wie in Teilen Hamburgs bereits praktiziert. Langfristig steht auch das Netz der 82 Brief- und 33 Paketzentren auf dem Prüfstand - einige Zentren könnten schließen.

Pünktlichkeit als Kostensenker

Sogar an der Pünktlichkeit könnte die Post sparen. Gesetzlich ist sie verpflichtet, mindestens 80 Prozent der Briefe binnen eines Tages zuzustellen, schafft aber 95 Prozent. Sinkt die Quote, reduzieren sich die Kosten. Langfristig wird das Management wohl auch auf Änderung des Postgesetzes drängen. Ziel: die Fünf-Tage-Zustellung. Bislang muss die Post an sechs Tagen zustellen.

Das größte Sparpotenzial schlummert beim Personal. Die Sparte beschäftigt 143 000 Mitarbeiter — die Hälfte davon in der Zustellung. Zwar sind Kündigungen bis Mitte 2011 ausgeschlossen, aber die Post verlagert zunehmend Arbeit an ihre Niedriglohn-Tochter First Mail, die einen Stundenlohn von 9,80 Euro zahlt. Im Konzern liegt er im Schnitt bei 14 Euro. Vorsorglich hat First Mail die Zahl der Lehrstellen von 15 auf 1000 aufgestockt.

27 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.06.2010, 23:00 UhrAnonymer Benutzer: aufreger

    Jeder beruf hat seine Höhen und Tiefen, aber wenn es ja so einfach ist nur ein paar briefe auszutragen, dann frage ich mich warum die Leute sich es einen Tag anschauen und nicht wieder kommen. Aber es gibt auch noch Produkte bei der Post die auch Grundkenntnisse erfordern.
    ich kenne auch Kollegen die einfach kaputt sind nach jahrelanger Arbeit, weil es ist auch körperlich schwer, deshalb finde ich es unmöglich, wenn ich soetwas höre.
    ich bin zwar kein beamter und auch kein Hypochonder, aber ich weiß was ich jede Woche körperlich und geistig in diesem beruf leisten muß.

  • 16.06.2010, 12:51 UhrAnonymer Benutzer: Rico

    Der Wert einer Arbeit hängt leider nicht davon ab, ob dabei die Sonne scheint oder ob es regnet und ob es anstrengend ist oder nicht. Wäre es so, dann müssten bauarbeiter, Strassenbauer usw. am meisten bekommen. Was wirklich zählt ist der Kopf. Anstrengende Kuliarbeit wird deshalb so schlecht bezahlt, weil es zuviele gibt, die ausser "Kuli" nichts anderes können. Wer davor die Augen verschliesst, der wird sie nie mehr öffnen können.

  • 16.06.2010, 02:07 UhrAnonymer Benutzer: e-post-schreiber

    Tja, ich gebs ja zu: ich schicke natürlich auch sehr viel mehr emails als briefe, höchstens noch die früher obligatorische Karte aus dem Urlaub. Gelegentlich briefe ans Finanzamt und so... Und wenn ich Post bekomme, dann ViEL mehr Werbung als alles andere.... insofern ist es sicher sinnvoll, über strukturelle Veränderungen im briefdienst nachzudenken. AbER: billiglöhne sind KEiN guter Ansatz, dazu gab es schon ein paar Kommentare. Unter 10 Euro die Stunde? Für Leute, die mit nem Fahrrad bei Wind und Wetter draußen rumfahren und das Zeug verteilen? Und Zugang zu Millionen Häusern haben - da hätte ich gern jemanden, der von seinem Gehalt leben kann und nicht auf doofe ideen kommt....

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