Deutsche Post: Deutsche Post zettelt mit Online-Brief Preiskampf an - Seite 2

Deutsche Post: Deutsche Post zettelt mit Online-Brief Preiskampf an

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Web.de und Gmx.de haben Quelle: dpa/dpaweb
Web.de und Gmx.de haben alleine 26 Millionen E-Mail-Kunden. Die Post hingegen keine. Quelle: dpa/dpaweb

Die heute übliche E-Mail will sie aufwerten: Weil sich User mit Personalausweis für den Service registrieren, entstehen eindeutige Identitäten im Internet. Die Kommunikation verläuft verbindlicher und spamfrei. Transaktionsnummern wie beim Online-Banking — von der Post aufs Handy geschickt — erhöhen die Sicherheit. Als eine Art mobiler Datentresor archiviert das Portal auf Wunsch alle wichtigen Dokumente.

Ob Kunden bereit sind, dafür zu bezahlen, ist die spannende Frage. Seit Oktober 2009 testen bereits mehrere Unternehmen in einem Pilotprojekt in Friedrichshafen am Bodensee die De-Mail. „Das System läuft stabil“, sagt Jan Oetjen, Vorstand bei 1&1 und verantwortlich für die E-Mail-Anbieter Web.de und GMX.

Für den Markteintritt wartet Oetjen noch auf das Bürgerportalgesetz. Doch schon jetzt ist ein Preiskampf sicher. Oetjen sieht den Preis für eine De-Mail derzeit bei weniger als 15 Cent, möglich seien auch „einstellige Centbeträge pro De-Mail“ — also weit weniger, als die Post verlangen will. Die endgültige Preisstrategie, sagt Oetjen, habe er „aber noch nicht festgelegt“.

Zweifel an Sicherheit

Damit droht der Deutschen Post die „dänische Krankheit“, sagt Unternehmensberater Walter Trezek. Die dortige Post hat die rechtssichere E-Mail schon eingeführt und den Preis pro Transaktion auf acht Cent gesetzt. Das reichte aber nicht aus, um die Investitionen in die Großrechner einzuspielen. Das habe anfangs „ein immenses Refinanzierungsproblem verursacht“, so Trezek. Wolle die Post nicht das Gleiche erleben, müsse sie schnell hohe Kundenzahlen erreichen.

Doch das wird nicht einfach. „Das Rennen macht, wer die meisten Endkunden bekommt“, glaubt Manager Oetjen und sieht 1&1 im Vorteil. Seine Portale Web.de und GMX kämen in Deutschland auf rund 26 Millionen Nutzer — zusammen mit Projektteilnehmer Deutsche Telekom verfügen sie über einen Marktanteil von 65 Prozent. Die Post dagegen startet bei null. „Ich glaube nicht daran, dass die Nutzer bereit sind, ein zusätzliches Postfach zu checken“, sagt Oetjen.

Die Post plant daher noch im Sommer einen gigantischen Werbefeldzug. Dafür sicherte sie sich die Zusammenarbeit mit dem ADAC. 17 Millionen Mitglieder erhalten bald Werbung, können sich fürs Post-Portal anmelden und kriegen dann Rechtsschutz- und Auslandsreisekrankenversicherung online. Auch andere Unternehmen zeigen Interesse an einer Kooperation mit der Post, heißt es.

Provider können die Nachrichten lesen

Doch ob die neue Art der Kommunikation überhaupt der Renner wird, ist fraglich. Experten bezweifeln schon jetzt, dass die vom De-Mail-Gesetz geforderten Sicherheitsanforderungen an die Anbieter ausreichen, um Sicherheit in hohem Maße zu garantieren. „Die Provider werden die E-Mails mitlesen können“, warnt Sebastian Schreiber, Chef der auf Internet-Sicherheit spezialisierten Firma Syss. Grund: Bei der De-Mail werden die elektronischen Nachrichten „stückweise verschlüsselt und unterwegs beim Provider wieder entschlüsselt“. Theoretisch könnten sich Administratoren und sonstige IT-Mitarbeiter „Zugriff auf die Nachrichten verschaffen und sie im Klartext lesen“.

Um den Debatten über solche Horrorszenarien gleich die Luft zu nehmen, setzt die Post auf ihr Renommee. Das Briefgeheimnis ist ihr höchstes Gut, und Datenskandale wie bei Deutsche Bahn und Telekom blieben bislang aus. Vertrauen signalisieren soll künftig die Web-Adresse. Im Dezember 2009 sicherte sich der Weltpostverein, in dem alle weltweiten Monopolisten ihre Interessen bündeln, die Internet-Domain „.post“. Die Deutsche Post darf sie verwenden, wenn sie technische Standards garantiert.

Ob das den Markenauftritt erleichtert, bleibt abzuwarten. Zurzeit regiert im Post Tower eins: das Prinzip Hoffnung. 

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9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.06.2010, 02:23 UhrAnonymer Benutzer: Twinsister

    ich denke auch das Projekt durchsetzt,genauso wie es damals beim Onlinebanking auch war.Hat auch etwas gedauert,aber hat viel Zuspruch gefunden.

  • 12.02.2010, 22:20 UhrAnonymer Benutzer: Christian

    ...die Post zettelt mit der Einführung dieses elektronischen briefs keinen Preiskampf an, das machen später andere Unternehmen, genau so, wie sie es mit den physischen briefen gemacht haben, um letztendlich - über geringe Löhne für die Mitarbeiter - Kunden der Post abspenstig zu machen...

  • 12.02.2010, 14:50 UhrAnonymer Benutzer: Flipperkugel

    Das dieses Projekt nicht sofort von heute auf morgen einschlägt dürfte klar sein. Der normale brief wird sicherlich noch viele Jahre parallel dazu existieren. Aber eines ist klar: Wenn ich mich für diese Art elektronischen briefverkehr irgendwann einmal entscheiden sollte, dann vertraue ich auf jeden Fall der Deutschen Post wesentlich mehr, als einer Firma wie 1&1 ;-)

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