Deutsche Post: Deutsche Post zettelt mit Online-Brief Preiskampf an

Deutsche Post: Deutsche Post zettelt mit Online-Brief Preiskampf an

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Ein Briefträger der Deutschen Post schiebt seinen vollgepackten Wagen durch die Straßen. Bald sollen auch E-Mails rechtssicher verschickt werden können.

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Post will mit einem Online-Brief für mehr als 20 Cent die Einnahmeverluste im herkömmlichen Briefgeschäft stoppen. Die Preisschlacht mit Wettbewerbern ist programmiert.

Es ist ein Kreuz mit dem Namen. Seit Monaten wirbt Jürgen Gerdes öffentlich für den „Online-Brief“. Der, so die Mission des Briefvorstandes der Deutschen Post, soll den Konzern ins digitale Zeitalter katapultieren. Doch der Name für das Wunderding, so ist zu hören, ist schon jetzt intern verpönt. Denn „Online-Brief“ ähnele zu sehr der Bezeichnung „E-Mail“. Genau das dürfe auf gar keinen Fall passieren.

Stattdessen, weiß Gerdes, muss mit dem, was er vorhat, etwas ganz Neues zum Ausdruck kommen: nämlich dass die Post eine Art Schaltstelle im Web für alle Geschäfts- und Lebenslagen installieren will, die Online-Konten bei Versicherungen, Banken und Mobilfunkern überflüssig macht. Die Deutschen sollen künftig persönliche Daten elektronisch verschicken und Verträge per E-Mail rechtssicher unterschreiben können — vertraulich, verbindlich, verlässlich.

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Das Briefgeheimnis per Mausklick soll allerdings etwas kosten, und das nicht zu knapp. Denn was die Post seit einem Jahr unter höchster Geheimstufe entwickelt, soll zum Mercedes der mobilen Kommunikation erwachsen. Im Juni will Gerdes das System „scharf stellen“, ist aus Konzernkreisen zu hören. Eine E-Mail, die sicherer als heutige Nachrichten im Web sein soll, wird voraussichtlich mehr als 20 Cent kosten. Der Konzern setzt auf „eine Hochpreisstrategie“, heißt es im Post-Tower in Bonn. Dadurch erhofft sich der Konzern eine neue Erlösquelle in dreistelliger Millionenhöhe.

Dem Briefmarkt steht eine Umwälzung bevor

Doch Gerdes’ Strategie ist riskant – nicht nur, weil im Internet fast alles kostenlos ist. Hinter den Kulissen ist längst auch schon ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den elektronischen Brief entbrannt. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, testen Unternehmen wie Deutsche Telekom und Internet-Provider wie 1&1 ihrerseits, eine rechtsverbindliche E-Mail für Geschäfte und Kommunikation im Web.

Noch im zweiten Halbjahr soll das Bürgerportalgesetz Standards für die neue E-Mail setzen, die „De-Mail“ heißen soll. Im Hintergrund tobt ein Kampf der Systeme mit ungleich verteilter Stimmungslage: Während IT-Firmen gelassen Zusatzgeschäfte wittern, sorgt sich die Post um die Existenz ihrer Brot-und-Butter-Sparte und steigt selber ins Internet-Geschäft ein.

Dem Briefmarkt steht damit eine Umwälzung historischen Ausmaßes bevor. Wenn jeder E-Mail-Nutzer sicher nachweisen kann, dass er derjenige ist, für den er sich ausgibt, dürfte dies die geschäftliche Kommunikation im Web tief greifend verändern. Es entsteht eine neue Vertrauenskultur: Unternehmen mailen auch Gehaltsabrechnungen an Mitarbeiter, Privatkunden geben Krankendaten an Versicherungen, Behörden verschicken Steuerdaten an Bürger, so die Perspektive.

Teure Passwörter

Die Folgen wären gigantisch. Das Bundesinnenministerium glaubt, dass 75 Prozent aller versandten Briefe für den rechtssicheren elektronischen Weg geeignet seien. Hauptbetroffener wäre die Deutsche Post, die bis 2012 eine Milliarde Sendungen pro Jahr verlieren könnte — ein Umsatzminus von einer halben Milliarde Euro. Der Gewinn der Briefsparte — heute 80 Prozent des Konzernertrags — stürzt womöglich auf unter 20 Prozent.

Vor allem Versicherungen wollen Millionen Euro einsparen, indem sie Bescheide über Tarifänderungen oder Kostenübernahmen an Mitglieder mailen. Heute verschicken sie die Daten, wie vorgeschrieben, per Brief. Oder sie legen sie in persönlichen Online-Konten ab, die Kunden per Login abrufen. Doch Versicherungen klagen oft, dass Kunden ihre Passwörter verlieren, was die Bearbeitung der Fälle verlängert und Portokosten verursacht.

Wegen ihrer faktischen Monopolstellung im Briefgeschäft verspricht sich die Deutsche Post gute Chancen beim elektronischen Neugeschäft. Sie kann Dateien oder E-Mails ausdrucken und physisch zustellen. So ein Standardbrief kostet künftig 46 statt 55 Cent, ein Großbrief 1,19 statt 1,45 Euro. Sie kann auch physische Briefe sammeln, einscannen und elektronisch zustellen. Das reduziert die Papierflut bei Privat- und Firmenkunden.

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