Deutsche Post: Global Player der Briefkonzerne

Deutsche Post: Global Player der Briefkonzerne

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Die Deutsche Post profitiert von den Querelen um ihre staatlichen Konkurrenten im europäischen Ausland.

von Christian Schlesiger, Gerhard Bläske und Yvonne Esterházy

Unter den Briefkonzernen in Europa hat sich nur die Deutsche Post zu einem wahren Global Player entwickelt. Französische und britische Post laufen der Entwicklung um Jahre hinterher. Selbst Hollands TNT schwächelt.

London, das britische Unterhaus Mitte Januar. Die Labour-Abgeordnete Nia Griffith startet einen letzten Versuch, die traditionsreiche Postgesellschaft Royal Mail in Staatshand zu belassen. Ansonsten werde es mit der Versorgung in ländlichen Gemeinden "schlecht aussehen". Doch die Ränge sind leer, die Worte verhallen ungehört. Wenige Stunden später verabschiedet die konservativ-liberale Mehrheit der Abgeordneten den Gesetzesentwurf zur Privatisierung.Paris, Ende 2010. Jean-Paul Bailly, der Chef der staatlichen französischen Postgesellschaft La Poste, verspricht es zum wiederholten Mal: "Die Qualität des Services" werde in den kommenden Jahren höchste Priorität genießen, Reklamationen würden zügiger bearbeitet, die Wartezeiten in den Ämtern verkürzt, die Öffnungszeiten verlängert. Eine Privatisierung sei aber kein Thema. "Kein Euro privates Kapital" werde ins Unternehmen fließen, heißt es in etwa zur gleichen Zeit aus der Regierung. Stattdessen pumpen die Staatsbank Caisse des Depots et Consignations (CDC) und der Staat weitere 2,7 Milliarden Euro in den Konzern.

Hier die angeschlagene britische Post kurz vor der Privatisierung, dort das französische Gegenstück in der Hand der Politiker: Der lachende Dritte könnte die zu fast 70 Prozent privatisierte Deutsche Post sein, die beste Chancen hat, die unterschiedliche Verfassung und Ausrichtung ihrer beiden großen Konkurrenten in Europa zum eigenen Vorteil zu nutzen.Elf Jahre nach dem Börsengang steht der Bonner Logistikkonzern besser da denn je. Zwar verhagelte die Wirtschaftskrise die Bilanz für 2009 — ein dickes Minus war die Folge. Doch schon im vergangenen Jahr kehrte die alte Stärke zurück. Der Konzernumsatz erreichte im vergangenen Jahr fast 52 Milliarden Euro und der operative Gewinn (Ebit) knackte die magische Grenze von zwei Milliarden Euro.

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Unangefochtene Nummer eins

Damit ist das Unternehmen vom Rhein die unangefochtene Nummer eins unter den Brief-, Paket- und Frachtbeförderern weltweit. Post-Chef Frank Appel erntet die Früchte des Konzernumbaus, den sein Vorgänger Klaus Zumwinkel Mitte der Neunzigerjahre begann. Die Übernahme von Wettbewerbern im Expressgeschäft (DHL), im Speditionsgewerbe (Danzas) und in der Logistik (Exel) erweist sich, trotz des milliardenteuren Rückzugs vom inneramerikanischen Markt 2009, als Glücksgriff. Die weltweite Präsenz und die Vielzahl logistischer Angebote seien ein "wichtiger und strategischer Vorteil", sagt Christian Kille von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS in München. Strategisch ähnlich positioniert ist in Europa nur die niederländische Post TNT, die von ihrem deutschen Wettbewerber seit Jahren mit einer Mischung aus Respekt und Argwohn betrachtet wird. Allerdings schockierte auch TNT in diesem Jahr unerwartet mit einer Gewinnwarnung. Das Expressgeschäft entwickelte sich im ersten Quartal schlechter als erwartet. Dennoch gilt TNT als vergleichsweise schlagkräftig.Von so viel Hochachtung können Royal Mail und La Poste nur träumen. Wer die Dienste der beiden Staatsriesen in Anspruch nimmt, weiß, warum.

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