Deutsche Post: Hoher Preis für E-Mail ist nicht zu halten

KommentarDeutsche Post: Hoher Preis für E-Mail ist nicht zu halten

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Briefe werden in Köln in einen Briefkasten geworfen

von Christian Schlesiger

Bei der Vorstellung des neuen epost-Briefes überrascht der Konzern mit einem hohen Preis. Schon jetzt ist klar: 55 Cent für eine E-Mail sind viel zu hoch.

Kurz bevor Jürgen Gerdes bei der heutigen Pressekonferenz auf den Preis zu sprechen kam, verwies der Post-Vorstand noch einmal auf die Leistungen seiner Mitarbeiter, die täglich 70 Millionen Briefe und 95 Prozent davon bereits am nächsten Tag nach Einwurf des Briefes zustellen würden. Und überhaupt seien 93 Prozent der Kunden mit der Deutschen Post zufrieden.

Gerdes wollte damit den Boden bereiten für die wichtigste Information seiner Power Point Präsentation: 55 Cent soll künftig ein Standardbrief  kosten, den ein Nutzer über das neue epost-Portal der Deutschen Post hochlädt und abschickt - egal ob der Brief physisch oder elektronisch zugestellt wird.

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Überraschend teuer

Mit dem Preis hat Gerdes alle Experten überrascht. Beobachter rechneten in den vergangenen Wochen mit einem Preis von maximal 20 Cent für eine sichere, eindeutig identifizierbare und vertrauliche E-mail. Selbst den hielten viele noch für zu hoch.

Die Entscheidung der Post ist auch ein Fehler. Zwar gibt es ein Bedürfnis an vertraulicher Kommunikation. Das Versprechen der Post, das „Briefgeheimnis in das Internet zu bringen„, ist ein tatsächliches Interesse der Kunden. auf Dauer will jeder auch mit Versicherungen, Banken und Behörden elektronisch kommunizieren können: Arztrechnungen, die man gleich an die Krankenversicherung weiterleiten kann, Gehaltsmitteilungen, die man elektronisch erhält oder Rechnungen, die man zentral über ein Portal empfangen und speichern kann, sind ein ernst zunehmendes Bedürfnis in der heutigen Welt des Internets.

Doch der preis der deutschen post ist auf Dauer nicht zu halten. Umfragen haben ergeben, dass nutzer bereit wären für vertrauliche Kommunikation im Internet zu zahlen, aber zu anderen Konditionen. Eine Befragung der Versicherung HUK24 unter E-Mail-Nutzern hat ergeben, dass jeder zweite für eine vertrauliche und eindeutig identifizierbare E-Mail etwa ein viertel dessen zahlen würde, was die Deutsche Post heute für die Zustellung eines Briefes verlangt, also etwa 14 Cent statt 55 Cent für einen Standardbrief. 30 Prozent würden allenfalls die Hälfte zahlen.

Auch von anderer Seite droht dem Staatskonzern ein Fiasko mit ihrem Preismodell. zwar ist die Deutsche Post der erste Anbieter, der einem geschlossenen Kreis von E-Mail-Nutzern eine sichere und nachweisbare Adresse anbietet, doch andere Wettbewerber werden folgen. Bei Deutsche Telekom und United Internet können Nutzer heute schon ihre zukünftige De-Mail-Adresse registrieren lassen. Das Projekt De-Mail ist der wichtigste Gegenspieler der Deutschen Post. Für den Start der ebenfalls sicheren und eindeutig identifizierten E-Mail-Adresse warten die Unternehmen nur noch auf das Bürgerportalgesetz, auch De-Mail-Gesetz genannt. Das Gesetz befindet sich derzeit in der Abstimmung und soll Ende des Jahres kommen. Damit schafft der Staat die Grundlagen für rechtsverbindliche E-Mail-Kommunikation. Provider müssen sich für den Service beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) akkreditieren lassen.

Die Deutsche Post kommt nicht umhin, sich ebenfalls irgendwann beim BSI zu akkreditieren. Ansonsten wäre sie davon ausgeschlossen, bestimmte Sendungen wie Postzustellungsanträge, so genannte PZA, elektronisch zuzustellen. Dazu gehören etwa Fotos für Geschwindigkeitsübertretungen. Eine digitale Zustellung würde die Akkreditierung des Providers beim BSI voraussetzen. Die Post muss also unter das System der De-Mail schlüpfen und sich selbst beim BSI akkreditieren lassen.

Nicht haltbar

Die Crux für die Post: Das De-Mail-Gesetz verlangt, dass alle angeschlossenen Systeme miteinander kompatibel sein müssen. So zumindest liest sich der Wortlaut des aktuell in der Abstimmung befindlichen Gesetzestextes. Dann werden auch Nutzer von web.de, GMX und Deutsche Telekom an epost-Nutzer Nachrichten verschicken können. Die Wettbewerber wie web.de und GMX, die zu United Internet gehören, haben ein niedrigeres Preismodell bereits angekündigt. Die Deutsche Post wird nachziehen müssen. spätestens in einem Jahr werden die 55 Cent für eine epost-E-Mail Makulatur sein.

Die 55 Cent dürften sich daher vor allem als Marketing-Maßnahme begreifen lassen. Das Briefgeheimnis ist ein hohes Gut und dieses stellt die Post derzeit in ihren Werbebotschaften in den Vordergrund. Der epost-Brief soll diese Qualität auch im Preis darstellen. Halten lassen wird er sich nicht.

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