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Deutsche Post: Post-Chef will Porto erhöhen

von Reinhold Böhmer und Christian Schlesiger

Post-Chef Frank Appel will den Erlösausfall im schrumpfenden Briefgeschäft durch eine Preiserhöhung beim Porto auffangen.

Dazu fordert er Berlin zum einen auf, das Postgesetz in seiner jetzigen Form zu ändern. „Die Bundesregierung muss den rechtlichen Rahmen an die künftigen Entwicklungen anpassen“, sagte er im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Die gesetzlichen Vorgaben müssen auf die Anforderungen der kommenden 25 Jahre Antworten geben.“

Auf die Frage, ob er die Politik oder die Bundesnetzagentur um Erlaubnis fragen werde, die Portopreise anzuheben, sagte Appel: „Auch darüber müssen wir reden. Fakt ist, dass wir das Porto seit zwölf Jahren nicht erhöht haben. Aber unsere Dienstleistung ist hochqualitativ. Wir brauchen eine Basis für eine vernünftige Bezahlungsstruktur für unsere Mitarbeiter. Da spielt die Preisregulierung eine wichtige Rolle.“

Grund für Appels Appell an die Politik ist die Krise im Briefgeschäft. „Zwei bis drei Viertel des Rückgangs im Briefgeschäft sind nämlich nicht konjunktureller, sondern struktureller Natur. Das heißt, wir verlieren stetig Masse, weil unsere Kunden immer mehr E-Mails statt Briefe schreiben. Der Brief ist ein schrumpfendes Geschäft.“.

Den Einstieg der Verleger gemeinsam mit der niederländischen Post TNT ins Briefgeschäft hält Appel für „volkswirtschaftlichen Unsinn“. Appel: „Man geht in einen schrumpfenden Markt mit so niedrig entlohnten Arbeitsplätzen, dass sie vielfach nur besetzt werden können, wenn der Staat das Gehalt aufstockt, sprich: die Jobs subventioniert.“ Viele der Zusteller müssten am Monatsende den Lohn durch Hartz IV aufstocken, kritisiert Appel. Die Wahrscheinlichkeit, „dass die Wettbewerber im Briefmarkt irgendwann einmal ohne Subventionierung auskommen werden, ist gleich null“.

Ein klares Nein erteilt Appel Akquisitionsplänen im Ausland: „Es ist unrealistisch, die derzeitigen Rückgänge in Deutschland durch Geschäft im Ausland wettmachen zu wollen. Dort kämpfen die Postunternehmen mit denselben Problemen wie wir.“ Trotz aktueller Verluste beim Geschäft mit adressierten Werbesendungen, rechnet der Post-Chef zukünftig wieder mit einem Anstieg in diesem Bereich. Die Werbung im Internet werde überschätzt. Appel: „Momentan ist es einfach attraktiv, Online-Werbung zu machen.

Das ist wieder so ein Herdentrieb-Effekt. Viele denken: Weil alle Werbung im Internet schalten, müssen wir es auch tun.“ Doch die klassische Werbepost sei meist kosteneffizienter und effektiver. „Das bestätigen unsere Marktforscher. Das Geschäft wird daher zurückkommen.“

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.11.2009, 08:59 UhrAnonymer Benutzer: Kurt

    in einem Punkt hat Appel auf jeden Fall Recht. Die meisten Konkurrenten werden ihre Leute nie ordentlich bezahlen. Also werden sie über Hartz iV und andere staatliche Leistungen subventioniert. Daher kann es m. E. nur eine Lösung geben: Mehrwertsteuerbefreiung für alle flächendeckend operierenden Postunternehmen, Mindestlöhne für alle Postunternehmen und freie Preisgestaltung für alle Postunternehmen. Erst wenn man weder bei den Löhnen, noch bei der Mehrwertsteuer subventioniert, wird das mit den Preisen der Markt richten. Und nicht nur für Postunternehmen gilt, dass es nicht sein kann, dass Leute die voll arbeiten, zusätzlich vom Staat subventioniert werden müssen. Denn sich seine Leute vom Arbeitsamt bezahlen zu lassen ist genauso kein Unternehmenskonzept, wie die bei Appel beklagten Praktiken. Und in vielen bereichen muss man auch feststellen, dass nur die Deutschen so blöd sind, sich staatlich subventioniert ausländische Wettbewerber in´s Land zu holen. Während es für unsere Unternehmen oft wesentlich schwieriger ist irgendwo im Ausland Fuß zu fassen.

  • 08.11.2009, 18:42 UhrAnonymer Benutzer: Christian

    Richtig so!
    Die Post ist premium und darf auch premium kassieren! E-Mails schicken kann ja jeder Schlunz.
    Zudem muss die Marke viel stärker emitional aufgeladen werden, stärker das Persönliche rausstellen. interaktion mit dem Kunden, bla bla bla.

  • 08.11.2009, 18:02 UhrAnonymer Benutzer: Logi

    Herr Appel zeichnet sich weiterhin - wie die bahn - durch schlechte Unternehmensführung aus; Preiserhöhung als Ersatz für innovative Unternehmensführung.

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