Deutsche Post: Post-Chef zu US-Kartellverfahren: "Da kommen wir durch"

Deutsche Post: Post-Chef zu US-Kartellverfahren: "Da kommen wir durch"

Bild vergrößern

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post World Net, Frank Appel

Post-Chef Frank Appel im Interview mit der WirtschaftsWoche über die Sanierung seines Expressgeschäfts in den USA, die Kooperation mit UPS und die erfreulichen Seiten seiner Arbeit.

WirtschaftsWoche: Herr Appel, trauen Sie sich noch in die USA?

Appel: Natürlich. Warum denn nicht?

Anzeige

Ihre Pläne zur Sanierung des US-Geschäfts Ihrer Expresstochter DHL schlagen hohe Wellen. Sie wollen Ihr Frachtdrehkreuz in Wilmington im Bundesstaat Ohio schließen und dabei gehen bis zu 10.000 Stellen bei Zulieferfirmen verloren. Darum werden Sie im Internet in bösen deutschfeindlichen Videos verunglimpft und als Arbeitsplatzvernichter und Subventionsabzocker beschimpft.

Eine solche Reaktion kommt für uns nicht unerwartet. Zu unserer Restrukturierung in den USA gibt es aber keine Alternative. Die Struktur unserer Luftfracht muss substanziell verändert werden. Wir dürfen ja in den USA keine Airline besitzen – das ist ein signifikanter Wettbewerbsnachteil. Das hat uns gezwungen, diese Restrukturierung anzugehen. Es ist sicher nicht erfreulich, wenn unser Vorhaben bei YouTube falsch dargestellt wird, aber unterm Strich überschätzen viele die Wirkung.

Machen Sie es sich da nicht ein wenig zu einfach? Immerhin haben sich beide US-Präsidentschaftskandidaten sehr besorgt geäußert.

Der republikanische Kandidat John McCain hat uns zwei sehr ausgewogene Briefe geschrieben. Er erkennt an, dass wir tun, was wir tun müssen, und fordert, dass wir uns der Folgen bewusst sein mögen. Mir ist völlig bewusst, dass unsere Pläne einschneidende Auswirkungen auf die Menschen haben werden, die am Drehkreuz in Wilmington arbeiten. Ich bedauere das persönlich sehr.

Sie erwarten also nicht, dass Ihr Image Schaden nimmt und Unternehmen in den USA Ihrer Expresstochter DHL Aufträge kündigen.

Wir müssen viele Arbeitsplätze abbauen in einer schwachen Konjunktur und in einer strukturschwachen Region. Doch was ist die Alternative? Wenn wir nichts tun, verlieren wir 1,3 Milliarden Dollar im Jahr oder fünf Millionen Dollar pro Arbeitstag. Das gefährdet auf Dauer eine deutlich größere Zahl an Arbeitsplätzen in den USA.

Das haben Unternehmen wie BenQ aus Taiwan oder Nokia aus Finnland auch gesagt, als sie in Deutschland Standorte geschlossen haben.

Bei uns gibt es einen Unterschied. Wir haben Arbeitsplätze über lange Zeit erhalten und ausgebaut. Wir haben nichts verscherbelt, um Gewinn zu machen, wir verlagern nichts in Billiglohnländer und wir lassen die Betroffenen nicht allein. Im Gegensatz zu Fällen wie BenQ übernehmen wir die Verantwortung und stellen dafür einen dreistelligen Millionenbetrag für die Leute vor Ort zur Verfügung. Unsere Abfindungen sind am absolut oberen Ende dessen, was üblich ist.

Wie viel Geld ist es denn, 300 Millionen Euro?

Wir sprechen von einem dreistelligen Millionenbetrag. Ich habe ein Team eingesetzt, das mit den Entscheidungsträgern vor Ort eine sinnvolle Umsetzung der Maßnahmen sicherstellen soll. Wir kommen unseren Verpflichtungen nach, die nicht rechtlicher, wohl aber menschlicher Natur sind.

Müssen Sie nicht zumindest Ihren Aktionären sagen, ob es 101 Millionen oder 999 Millionen Euro sind?

Den Aktionären haben wir schon sehr frühzeitig gesagt, dass die Restrukturierung bis zu zwei Milliarden Dollar kostet. Wir sind sehr transparent. Wir haben für die Sanierung und die Region klare Ziele beim Gewinn vor Zinsen und Steuern ausgegeben. Die Investoren verstehen sehr genau, was wir tun.

Warum ist dann Ihre Aktie im Vergleich zum Deutschen Aktienindex Dax so eingebrochen?

Zum einen ist derzeit für alle Unternehmen das Umfeld schwierig. Doch so lange wir in den USA hohe Verluste machen, sind die Anleger bei uns besonders skeptisch. Wir haben keinen Vertrauensvorschuss. Jetzt müssen wir konsequent die Pläne umsetzen – und das machen wir. Nur so gewinnt man das Vertrauen zurück. Kurzfristiges Denken an Medienresonanz oder Analystenkritik hilft nicht weiter. Ich muss tun, was mittel- und langfristig richtig ist.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%