Deutsche Post: Post-Finanzchef Allan nimmt im Sommer seinen Hut

Deutsche Post: Post-Finanzchef Allan nimmt im Sommer seinen Hut

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Frank Appel (r), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, und Finanzvorstand John Allan Ende Juli 2008: Appels Finanzchef scheidet im Sommer aus.

Stühlerücken zum Jahresanfang: Deutsche-Post-Chef Frank Appel muss einen neuen Finanzvorstand suchen. Der bisherige Amtsinhaber John Allan lässt seinen Vertrag mit Ende Juni auslaufen und geht in den Ruhestand. Allans Abschied kommt für viele überraschend.

John Allan wird das Unternehmen zur Mitte dieses Jahres auf eigenen Wunsch verlassen. Er tritt damit aus dem aktiven Berufsleben aus, teilte die Deutsche Post heute mit. Über einen Nachfolger für den 60-Jährigen werde „der Aufsichtsrat zu gegebener Zeit entscheiden. Die Post suche sowohl intern als auch extern.

Allan hatte den britischen Kontraktlogistiker Exel aufgebaut und war 2006 im Zuge von dessen 5,5 Milliarden Euro schwerer Übernahme durch die Deutsche Post nach Bonn gekommen. Im Oktober 2007 hatte der Brite den langjährigen Finanzvorstand Edgar Ernst abgelöst, der nach massiver Kritik von Anteilseignern an der Geschäftspolitik vorzeitig gehen musste. Allan genießt an den Kapitalmärkten ein hohes Ansehen.

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Nach der Ankündigung vom Freitag lag die Post-Aktie zeitweise 2,5 Prozent im Minus und war damit der größte Verlierer im Dax. Allan war angetreten, um die Post auf Rendite zu trimmen. Er wollte auf „größere Effizienz, höhere Wertschöpfung und mehr finanzielle Transparenz“ setzen.

Allans Vertrag war erst im vergangenen Jahr bis Ende 2010 verlängert worden. Der vorzeitige Weggang des Finanzvorstands überrascht daher viele. Schließlich wurde 2007 die neue Kapitalmarktstrategie von ihm entworfen und verkörpert. Allan, mehr als seine beiden Vorstandschefs Klaus Zumwinkel und Frank Appel, ist bislang das Gesicht der Post für den angelsächsisch geprägten Finanzmarkt.

Das Analysehaus equinet bewertet den Rücktritt von Finanzvorstand John Allan negativ. „Die Meldung kommt völlig überraschend und ist ganz klar negativ“, sagte Analyst Jochen Rothenbacher. Offensichtlich gebe es noch keinen Nachfolger, was zeige, dass auch die Post überrascht wurde. Möglicherweise könnte dies auch ein Indiz dafür sein, dass die Ziele nicht erreicht werden.

Post: Rückzug Allens ist "reguläre Option"

Als Appel vor knapp einem Jahr als Nachfolger des wegen einer Steueraffäre zurückgetretenen Klaus Zumwinkel zum Post-Chef gekürt wurde, wurde Allans Vertrag um zwei Jahre verlängert. Sein jetzt angekündigter Rückzug sei damals schon als „reguläre Option“ vereinbart worden, teilte die Post mit. Sie würdigte Allans Rolle beim Verkauf des Post-Anteils an der Postbank und beim Ausstieg aus dem unprofitablen US-Geschäft der Expresstochter DHL. Die Post hatte im September knapp 30 Prozent an der Postbank für 2,8 Milliarden Euro an die Deutsche Bank verkauft. Allan hatte daran ebenso maßgeblichen mitgewirkt wie an der Kehrtwende in den USA, wo die Post vor wenigen Wochen die Notbremse gezogen hatte.

Nach hohen Verlusten will die Post keine Expresssendungen innerhalb der USA mehr transportieren. Von einst 18.000 Mitarbeitern im US-Expressgeschäft sollen nur 3000 bis 4000 weiterbeschäftigt werden. Die Post hatte angekündigt, einen Großteil der Belastungen für den Umbau von 3,9 Milliarden Dollar 2008 zu verbuchen. Sie werde dadurch erstmals seit dem Börsengang 2000 einen Verlust ausweisen. Allan hatte erklärt, dass die Post trotzdem eine Dividende auf Vorjahreshöhe von 90 Cent zahlen wolle. Die Post-Aktie hat 2008 fast die Hälfte an Wert verloren.

Allan zeigte sich zuletzt für die Zukunft skeptisch: Das gesamtwirtschaftliche Umfeld werde auch weiterhin schwierig bleiben, sagte er im Herbst. Ein langsameres Wachstum und eine mögliche Rezession in einigen Industriestaaten würden die Geschäftsaussichten für 2009 voraussichtlich massiv beeinflussen.

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