Deutsche Post: Post schafft ihr Geschäft ab

Deutsche Post: Post schafft ihr Geschäft ab

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Post-Briefzentrum. Wo heute Anlagen und Zusteller nötig sind, reicht künftig der PC

Post-Vorstand Jürgen Gerdes zettelt eine interne Revolution an. Mit einem elektronischen Brief-Dienst steigt der Konzern in das digitale E-Mail-Geschäft ein.

Das kündigte der Manager heute auf der Halbjahres-Pressekonferenz an - wiwo.de hatte bereits über die Pläne berichtet. Die Idee: Registrierte Nutzer sollen über ein Post-Portal im Internet Verträge verschicken, Arztrechnungen bezahlen und Einschreiben auslösen. Die Nutzer der elektronischen Kommunikation sind dabei eindeutig identifiziert und sollen sicher und verbindlich miteinander kommunizieren. Die rechtlichen Regelungen werden bald von der Bundesregierng geschaffen.

Auf den ersten Blick scheint der Schritt fatal. Die Post kannibalisiert damit ihr eigenes Geschäft. Je mehr Menschen ihre Brief-Kommunkation in das Internet verlagern, desto weniger Papier-Post werfen sie in die gelben Briefkästen. Nun forciert die Post mit dem eigenen Online-Dienst sogar den Tod des klassischen Briefes.

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Schritt in die richtige Richtung

Doch eine andere Wahl hat die Post nicht. Die Situation des klassischen Briefgeschäfts ist dramatisch. Zwar ist es noch Garant für sichere Unternehmensgewinne, doch dem Geschäft geht es immer schlechter. Jedes Jahr sinken die Sendungsvolumen und der Umsatz. Wachstum ist auf kurze und lange Sicht nicht zu erwarten. Der Wettbewerb wird stärker, sobald die Umsatzsteuerbefreiung, die den Post-Konzern einseitig begünstigt, ab 2010 auch für einige Konkurrenten gilt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das klassische Briefgeschäft kaum noch nennenswerte Gewinne erwirtschaftet.

Der angekündigte Schritt der Post ist daher richtig. Als Pionier der De-Mail-Bewegung könnte das Unternehmen einen entscheidenden Vorsprung gegenüber Wettbewerbern erlangen. Der Konkurrenzdruck wird hoch sein: Telekommunikationsanbieter wie Vodafone und Deutsche Telekom, Internet-Unternehmen wie Web.de und kleinere Konkurrenten wie Gmail oder Regify stehen in den Startlöchern. Noch im vierten Quartal dieses Jahres oder Anfang 2010 will die Post einen ersten externen Test starten.

Es bleibt natürlich ein gewaltiges Risiko. Keiner weiß, ob die Nutzer bereit sind, für den Dienst zu zahlen. Die Post auch nicht. Zwar gebe es "eine Preisbereitschaft der Fokusgruppen, die mich in der Höhe überrascht hat", sagt Gerdes. Doch bei den Preismodellen steht das Unternehmen am Anfang. Einzelpreise pro ausgelöster E-Mail seien möglich, Flatrates ebenfalls. Auch werbefinanzierte Portale seien denkbar, doch momentan plane die Post eher mit werbefreien, dafür kostenpflichtigen Angeboten. Viele offene Fragen, bislang fehlen noch befriedigende Antworten.

Doch eines ist klar: Der Dienst wird seine Kunden finden. Viele Menschen wären bereit, auch ihre vertrauliche und persönliche Korrespondenz in das Internet zu verlagern. Vorausgesetzt, der Dienst ist sicher. Die vielen Aktenordner, die sich in den Regalen in der Privatwohnung stapeln, sind dann endlich überflüssig. Ganz zu schweigen von der Kommunikation zwischen Unternehmen.

An dem neuen Online-Dienst der Deutschen Post entscheidet sich die Zukunft des Konzerns. Gerdes lässt deshalb auch keinen Zweifel daran, dass es "funktionieren muss". Vielleicht gilt ein altes Sprichwort: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

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