
Böswillig erscheint mir angesichts solcher Erfahrungen vor allem der Preis. Eine simple E-Mail, allerdings mit hoher Sicherheit versandt, kostet 55 Cent. Konkurrenten der Post wie Deutsche Telekom oder United Internet wollen rechtsverbindliche De-Mails über ihre Portale für ein Viertel dieses Preises anbieten, sobald die Regierung das entsprechende Bürgerportalgesetz auf den Weg gebracht hat.
Teuer wirken auch die Preise für ausgedrucktes Papier. 2,75 Euro etwa kostet ein 13-seitiges Dokument, das die Post in ihrem Stuttgarter Briefzentrum für mich ausdruckt und zustellt. Bis zu drei Seiten kosten 55 Cent, ab neun Seiten gilt ein Dokument als Großbrief — zu den üblichen 1,45 Euro Briefporto kommen noch Druckkosten und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Farbig wird es teurer, obwohl die Qualität nicht sehr hochwertig wirkt.
„Vorschau anklicken“
Dass es Probleme mit PDF-Dateien gibt, gesteht die Post ein. Es gebe "eine unglaubliche Vielzahl von PDF-Formaten", sagt Bereichsvorstand Johannes Helbig. Einige enthielten Videos oder passwortgeschützte Abschnitte, "solche Dateien verursachen Probleme beim Ausdrucken". Nutzer werden "daher in der Hilfefunktion darauf hingewiesen, dass sie vorab die Vorschau anklicken sollen, um zu überprüfen, ob die Datei für den Druck geeignet ist." Für die Zukunft verspricht Helbig: "Wir werden den Hilfehinweis an noch prominenterer Stelle platzieren."
Okay, aber wer klickt schon die in der Regel ziemlich unverständliche Hilfefunktion an? Ich jedenfalls nie. Im Moment wäre das ohnehin keine Lösung. Die Vorschau funktioniert bei bestimmten PDF-Anhängen einfach nicht. Dann heißt es wieder mal: "Bitte entschuldigen Sie." Mein PDF-Format sei kein Standardformat, so die Post, da es ungewöhnliche Schriftarten und krude Ränder nutzt. Die Technik arbeitet daran. Das muss sie auch, denn künftig soll ja ganz Deutschland Verträge und Rechnungen als PDF über den E-Postbrief verschicken können.
Meine Vermutung: Offenbar hatte die Post es mit der Einführung des E-Postbriefes eilig und verzichtete auf längere Erprobungszeit. Aus Post-Sicht verständlich, schließlich will sie mit Großkunden ins Geschäft kommen. Je mehr Privatleute beim epost-Portal angemeldet sind, desto attraktiver wird der Versand von Nachrichten auf elektronischem Weg.
Großkunden sind für die Post offenbar so wichtig, dass dafür auch die Wahlfreiheit der Privatkunden eingeschränkt wird: Auf Wunsch der Großkunden können Nachrichten nämlich immer elektronisch zugestellt werden — sogar dann, wenn der Privatnutzer seine E-Postbrief-Adresse gar nicht öffentlich freigegeben hat. So steht es jedenfalls in den AGB.
Die sind auch aus anderen Gründen ein Ärgernis. Für den E-Postbrief gilt künftig das Fernmeldegeheimnis, nicht mehr das schärfere Briefgeheimnis. „Aus Datenschutzperspektive kann das den Verbraucher schlechter stellen“, sagt Nikolaus Forgó, Professor am Institut für Rechtsinformatik der Uni Hannover.
Grund: „Ich hinterlasse mehr Spuren als bei der klassischen Papierkommunikation“, etwa Verbindungsdaten wie Datum und Zustellung der Nachricht. Hinzu kommt: Die Vorratsdatenspeicherung, die das Bundesverfassungsgericht zwar verworfen hat, wird voraussichtlich „in irgendeiner neuen Form wiederkommen“, weil es europarechtlich vorgeschrieben sei. Dann müssten Telekommunikationsdienste alle Kommunikationsvorgänge eine Zeit lang speichern.
Und was ist mit der Verschlüsselung? In den AGB heißt es dazu nur: „Grundsätzlich werden alle E-Postbriefe verschlüsselt verschickt.“ Datenrechtler Forgó hält die Formulierung für „sehr wolkig“. Bei Sicherheitsanbietern sei es üblich, darüber zu informieren, wie verschlüsselt wird und wer Zugriff auf das IT-System hat. Die Post hält sich dazu auch offiziell mit konkreten Infos bedeckt.
Das gilt auch für Fehlermeldungen. Zwei habe ich verschickt, nachdem sich der nette Herr von meinem Flachbildschirm „entschuldigte“ und mich aufforderte, ihn zu kontaktieren. „Wir antworten Ihnen innerhalb der nächsten 24 Stunden“, versprach das System. Seither sind 72 Stunden vergangen, und ich warte immer noch auf eine Nachricht.














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Alle Kommentare lesen28.09.2010, 19:33 UhrAnonymer Benutzer: Herzog
DAS iST AbSOLUT PRiMA!!!
ich freue mich total. Denn nun muss dieser Staatskonzern endlich am Markt Flagge zeigen. Markfähige Produkte? Am Kunden orientierter Service? einfache Abläufe?
Nach über zehn Jahren ist in dem Konzern noch immer nichts getan, dass der Kunde mal nebenbei Postprodukte kaufen kann. Nicht weinen, freuen.
Es gibt leistungsfähige Wettbewerber!!!
06.08.2010, 20:52 UhrAnonymer Benutzer: Postkunde
bei mir hat lediglich das Zustellen einer neuen handy-Tan nach dem Wechseln der Sicherheitsstufe funktioniert.
Ansonsten weder das Senden eines briefes ("es ist ein Fehler aufgetreten"), noch die Preisinformation, sogar das Kontaktformular ("oder es ist leider ein unerwarteter Fehler aufgetreten...") funktionierte bislang nicht.
Die angegebenen Servicerufnummer ("... 021021") ist auch nicht erreichbar gewesen.
Lediglich die auf den briefen zum identifizierungsvorgang angegebenen Telefonnummer war für das Anbringen meiner Problemmeldungen erreichbar. Nur blieb das leider ohne Rückmeldung oder besserung - seit einer Woche.
Diese faktische Unbrauchbarkeit steht in krassem Widerspruch zu den Ankündigungen und dem aufgeblasenen Verfahren zum Einrichten dieses nicht funktionierenden ePost-briefkastens.
Also gehe ich zum gelben briefkasten. Das weiß ich woran ich bin.
Und schreibe normale funktionierende email.
05.08.2010, 21:18 UhrAnonymer Benutzer: Kunde
Was sich die Post hier leistet ist eine absolute Unverschämtheit. ich bin nun seit 3 Wochen registriert und melde einen Fehler nach dem anderen. bis heute habe ich keine einzige Reaktion der Post bekommen. Auch über die Hotline gemeldeten Fehler werden einfach ignoriert.